Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Allgemeines

Dass Bildung über reflektierte Erfahrung in der aktiven Auseinandersetzung mit sich, mit anderen und mit der Welt stattfindet, ist eine elementare pädagogische Erkenntnis. Die Art und Weise, wie diese Aneignung von Welt umgesetzt wird ist dabei ein höchst individueller Prozess. Grunderkenntnis des Konstruktivismus ist, dass die Welt nicht objektiv erschlossen und das Wissen über sie auch nicht von außen vermittelt werden kann, sondern sich jeder durch seine Erfahrungen ein eigenes Bild der Welt erschafft. Vor diesem Hintergrund gelingt selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Handeln vor allem in offenen Lernsettings, die Lernenden ausreichend Möglichkeiten zur kreativen Problemlösung bieten. Eine Lernwerkstatt als Raum an einer Hochschule kann diese Möglichkeits- und Erfahrungsräume eröffnen.

In diesem Zusammenhang haben sich in Deutschland seit den 1980er Jahren Lernwerkstätten in unterschiedlichsten Bildungsinstitutionen etabliert. Dabei wird der klassische Frontalunterricht durch Werkstattarbeit ersetzt, in der Bildungsbereiche durch offenere Prozesse gemeinsamer Arbeit von Lernenden und Lehrenden erschlossen werden.

Genuine Aufgabe der Lehrenden ist somit nicht die Vermittlung fachlicher Inhalte, sondern die Unterstützung eigeninitiierter Lernprozesse. Die Lernenden sind dagegen Experten für ihr eigenes Lernen. Im Umkehrschluss sind auch die Lehrenden Lernende.

  • Spielen: Auf der ganzen Welt und in jeder Kultur wird gespielt. Auch die Paderborner Lernwerkstatt³ geht davon aus, dass Spielen und Lernen miteinander verbunden sind. Lt. Spielforschung kann generell gesagt werden, dass Spielen einen sehr hohen Stellenwert für Menschen, egal welchen Alters hat. Im Spiel finden Bildungsprozesse statt, die für Menschen jeden Alters von Bedeutung sind. Anregende Materialien in der Paderborner Lernwerkstatt³ sollen zum (generationenübergreifenden) Spielen, Lernen und Forschen anregen.  
  • Forschen: Ein weiterer Zugang zur Lernwerkstatt³ ist von der Ko-Konstruktion geprägt. Das bedeutet, dass  Lernende  und ihre Begleiter_innen Bildungsprozesse gemeinsam gestalten. Lernende werden bei einem forschenden Entdeckungsprozess begleitet. Dazu gehören u.a. das Beobachten, Vergleichen und Kategorisieren, das sich die Forschenden zunutze machen, um die Welt um sich herum zu erkunden.
  •  Lebenslanges Lernen: Im Anschluss an die Definition der Europäischen Kommission (2001) umfasst lebenslanges Lernen  „alles Lernen während des gesamten Lebens, das der Verbesserung von Wissen, Qualifikationen und Kompetenzen dient und im Rahmen einer persönlichen, bürgergesellschaftlichen, sozialen bzw. beschäftigungsbezogenen Perspektive erfolgt.“ [1] Das Lernen des Menschen über die gesamte Lebensspanne und im Zusammenhang des Lebenslaufs wird in den Mittelpunkt gerückt. Die grundlegende menschliche Fähigkeit zur Selbstveränderung bildet dabei Die Basis für Bildsamkeit. Die Paderborner Lernwerkstatt³ soll entsprechende Möglichkeiten bieten, um Bildungsprozesse für Menschen jeden Alters zu initiieren.

 


[1]  Kommission der Europäischen Gemeinschaften: Einen europäischen Raum des lebenslangen Lernens schaffen“, Brüssel, den 21.11.2001, KOM(2001)678 endgültig.

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2020