Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Studieninhalte und Studienziele

Hintergrund

Der gesellschaftliche Wandel stellt zahlreiche neue Herausforderungen an  Bildungs- und Erziehungskonzepte in kindheitspädagogischen Einrichtungen  und zugleich  erhöhte Anforderungen an pädagogische Fachkräfte, die das Aufwachsen von Kindern fördern und unterstützen.  Der Ausbau der Kindertageseinrichtungen im Rahmen des Rechtsanspruches auf einen Kita-Platz für Kinder unter 3 Jahre, die Einführung und Weiterentwicklung des Kindesbildungsgesetzes in NRW, eine steigende Anzahl von Kindern mit Migrationserfahrungen und instabile Familienwelten sind nur wenige Stichworte, die auf Veränderungen hinweisen, neue pädagogische Konzepte in der Kinder- und Jugendhilfe erfordern und ein neues Qualifikationsprofil an künftige Fachkräfte notwendig machen.     

Alle neueren wissenschaftlichen Untersuchungen  betonen übereinstimmend, dass über die  Bildungs- und Lebenschancen von Kindern bereits sehr früh entschieden wird. Kinder entwickeln sehr früh kognitive, emotionale und sinnliche Zugänge zu ihrer Lebenswelt, die jeweils miteinander verknüpft sind.  Diese Zugänge sind Grundlage für individuelle Weltsichten und die Entwicklung eines individuellen  Selbstbildes, das durch eigene, kindliche Welterkundungen entsteht. Die eigene aktive Welterkundung  geschieht auf der Grundlage sozialer  Bindungen des Kindes zu Bezugspersonen. Das Wechselspiel zwischen Autonomiebestrebungen und dem Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit bilden letztlich die Basis für alle kindlichen Entwicklungsprozesse.

Das beschriebene Wechselspiel ist jedoch häufig  nicht ausreichend gegeben. Die Bereitstellung eines entsprechenden Lebensumfeldes zum Aufbau einer eigenständigen Autonomie und gleichzeitig Schutz, Sicherheit und Unterstützung für die  kindliche Selbstentwicklung zu geben, stellt die zentrale Herausforderung an alle Einrichtungen der Kindheitspädagogik dar. Die  pädagogischen Fachkräfte in den jeweiligen Einrichtungen haben die Aufgabe, Kinder - unabhängig von ihrer sozialen und kulturellen Herkunft -  zu einem eigenständigen und selbstverantwortlichen Leben  in einer pluralen Gesellschaft zu befähigen.

Um diese Zielsetzungen zu realisieren, sehen sich Fachkräfte in Institutionen der Kindheitspädagogik zunehmend  umfangreichen neuen Anforderungen gegenübergestellt:

  • Die hohe Bildungs- und Lernfähigkeit von Kindern  erfordert grundlegende theoretische Kenntnisse und Fähigkeiten, um die vorhandenen kindlichen Potenziale  angemessen fördern zu können. Kindheitspädagogen  müssen in der Lage sein, individuell auf die Situation des Kindes einzugehen, es zu verstehen, zu begleiten, zu fördern, Defizite zu erkennen und angemessen zu reagieren und dabei das jeweils gegebene Umfeld des Kindes adäquat berücksichtigen und miteinbeziehen. Dies erfordert Kompetenzen, deren Entwicklung und Förderung ein zentrales  Ziel des Studiengangs ist.
  • Veränderte familiale Lebensformen und eine Vielzahl  unterschiedlicher kultureller Herkunftsbedingen führen vielfach zu erheblichen Sozialsationsdefiziten im  sprachlichen, emotionalen, kognitiven  und sozialen Bereich. Diese Entwicklungen  stellen Einrichtungen der Bildung und Erziehung im Kindesalter und vor allem die pädagogischen Fachkräfte vor erhöhte Herausforderungen,  die  nur in Zusammenarbeit mit anderen Fachkräften und durch den Aufbau und Erprobung völlig neuer institutioneller Strukturen und Modelle zu bewältigen sind.

Die Konzeption  des Studiengangs geht davon aus, dass beide genannten Aspekte  für eine qualifizierte pädagogische Tätigkeit in den entsprechen Einrichtungen der Kindheitspädagogik gegenwärtig und in Zukunft von grundlegender Bedeutung sein werden.

Ziel des Studienganges ist es, pädagogische Fachkräfte so zu qualifizieren, dass sie  eine frühe individuelle Förderung der Bildung und Erziehung ermöglichen und damit zur Chancengleichheit für alle Kinder beitragen.

Das Studium will den Absolventinnen und Absolventen das erforderliche Wissen über gesellschaftliche Veränderungen im Aufwachsen von Kindern vermitteln  und sie befähigen, diese Veränderungen immer wieder wahrzunehmen (Diagnosefähigkeit), sie pädagogisch angemessen aufzugreifen (didaktische und methodische Fähigkeiten) und die Veränderungen  in die Gestaltung der Arbeit einzubinden (konzeptionelle Fähigkeit).

 

Studieninhalte

Das Studium der Kindheitspädagogik gliedert sich inhaltlich in folgende Bereiche:

Wissenschaftliches Denken und Arbeiten

Auf unterschiedliche Studienphasen verteilt, widmet sich der erste Inhaltsbereich zu Beginn den Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens und Denkens. Im ersten Studienprojekt stehen dann der Theorie-Praxis-Bezug und ein von der Hochschule begleiteter Praxiseinsatz im Mittelpunkt. Schließlich geht es um die Vertiefung theorie- und forschungsbezogener Bearbeitung von Themen und Studienschwerpunkten. Die Bachelor-Thesis und das Angebot zur wissenschaftlichen und professionsbezogenen Begleitung der Berufseinstiegsphase schließen diesen Inhaltsbereich.

Kindheitspädagogik als Wissenschaft und Profession

Nach der Einführungsphase eröffnet dieser Inhaltsbereich Grundfragen, Konzepte sowie historische und systematische Zugänge zur Kindheitspädagogik, erschließt Organisationskonzepte der Kindheitspädagogik und behandelt die Professionelle Identität als Kindheitspädagoge / Kindheitspädagogin. Darüber hinaus ist in diesem Inhaltsbereich die Theorie und Praxis des kindlichen Spiels verortet.

Gesellschaftliche und normative Grundlagen und Rahmenbedingungen

Dieser Inhaltsbereich widmet sich den notwendigen Rechtskenntnissen und der Fähigkeit, in entsprechenden Verfahren zielführend zu handeln, also beispielsweise für Interessenswahrnehmung und -ausgleich zu sorgen. Zentrale Faktoren politischer und sozialökonomischer Entscheidungen und ihre Folgen sollen erkannt und in die eigene Arbeit integriert werden können. Dazu zählen nicht zuletzt auch Begriffe und Aspekte ethischer Argumentation und die Entwicklung eines ethisch fundierten Selbstverständnisses.

Grundlagen menschlicher Existenz und Entwicklung

Hier werden Grundlagen der menschlichen Existenz und ihrer Entwicklung, Einheit wie Verschiedenheit des Menschen aus Sicht der Philosophie und der Theologie, der (Sozial-) Pädagogik, Psychologie, Sozialmedizin und der Kulturpädagogik thematisiert

Handlungsfelder

Die Handlungsfelder der Kindheitspädagogik sind unterschiedliche Wahl-Pflichtbereiche. Hier geht es darum, erziehungswissenschaftlich begründete Konzepte zur innovativen Gestaltung von Kindheitspädagogik in Handlungsfeldern und Organisationen der frühkindlichen Bildung zu entwickeln und praktisch umsetzen zu können. Zudem werden Kompetenzen in der Weiterentwicklung pädagogischer Strategien vermittelt, so dass die Studierenden auf Basis einer kritisch reflektierten Haltung verantwortlich und wissenschaftlich begründet mit je unterschiedlichen Lebenslagen und Lebensproblemen von Kindern und Familien umgehen können. 

Angestrebte Kompetenzen

Kindheitspädagogen  bedürfen einer besonderen Urteilskraft, erworbene Erkenntnisse praktisch angemessen und erfolgreich einzusetzen. Diese Urteilskraft gilt es auf den Ebenen des Wissens, des Könnens und der Haltung auszubilden. Mit dem erfolgreichen Abschluss des Studiums können die AbsolventInnen

  • wissenschaftlich fundierte berufsorientierte Kenntnisse der Kindheitspädagogik erwerben,
  • Gegebenheiten der Kindheitspädagogik effektiv beschreiben, treffend analysieren und wirksame Handlungskonsequenzen entwickeln und realisieren,
  • eigene (neue) situationsabhängige Konzepte für konkrete Aufgaben der Kindheitspädagogik auf der Basis allgemeiner Theorien entwickeln und realisieren,
  • persönliche Anforderungen der kindheitspädagogischen Praxis adaptieren und angemessen bewältigen,
  • soziale Probleme und Aufgaben mit Methoden wissenschaftlicher Forschung  durchdringen und angemessene pädagogische Konsequenzen daraus ziehen,
  • spirituelle und ethisch-normative Aspekte der Kindheitspädagogik aus einer eigenen Position heraus erkennen und mitgestalten.


Ferner erwerben und vertiefen die Studierenden die folgenden Schlüsselkompetenzen:

  • analytisches Denkvermögen
  • Aufbereitung komplexer Informationen
  • Einfühlungsvermögen und Flexibilität
  • Kommunikations- und Kontaktfähigkeit
  • psychische Belastbarkeit
  • Teamfähigkeit
  •  Verantwortungsbewusstsein. 


Praxisorientierung im Studium

Unverzichtbar sind Übung, (Selbst-)Erfahrung und Anwendung der erworbenen Handlungskompetenzen schon im Studium. Praxisbezogene Projektphasen in konkreten Tätigkeitsfeldern und die Begleitung dieser Praxiseinsätze durch die Hochschule sind an der KatHO NRW seit jeher Kernbestand des anwendungsorientierten, wissenschaftlichen Studiums künftiger Fachkräfte. Deshalb sind drei Projektphasen in das Studium integriert:

Im Rahmen der Einführung in die Methoden angewandter Praxisforschung werden die  Studierenden zu einer systematischen Erkundung eines exemplarischen kindheitspädagogischen Praxisfeldes angeleitet (Umfang: 6 Praxistage).

Das „Studienprojekt 1“ in der Studieneingangsphase umfasst die Vorbereitung, Begleitung und Auswertung einer Projektarbeit (Umfang: 15 Praxistage).  Ausgehend von einer aktuell relevanten Frage-/Themenstellung aus der Praxis der Kindheitspädagogik entwickeln die Studierenden eine konkrete Projektaufgabe mit entsprechenden Zielen, inhaltlichen Schwerpunkten, geeigneten Methoden  sowie einem Projektarbeitsplan  einschließlich geeigneter Evaluationsverfahren. Im Anschluss an die praktische Durchführung des Projektes  dokumentieren und präsentieren sie  die Ergebnisse.

Das „Studienprojekt 2“ in der zweiten Hälfte des Studiums umfasst ein halbjähriges Praxisprojekt mit Supervision und  einem begleitenden Theorieseminar  an der Hochschule (Umfang: 85 Praxistage). In dieser Praxisphase werden grundlegende kindheitspädagogische Kompetenzen exemplarisch eingeübt sowie professionelle soziale Kompetenzen in interkulturellen Handlungsfeldern erworben. Das Studienprojekt 2  kann - bei Interesse  - auch im Ausland absolviert werden.

Der Anteil an Praxistagen, die von der Hochschule begleitet werden, umfasst insgesamt 100 Tage, so dass damit die Voraussetzungen für die staatliche Anerkennung als Kindheitspädagoge/ Kindheitspädagogin gegeben sind.

 

 

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2019