Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Netzwerkmanagement in der Sozialen Arbeit

Netzwerkmanagement – Wozu?

Professionelles Netzwerkmanagement begründet sich in der Praxis Sozialer Arbeit vielfach aus Erfahrungen komplexer Einzelfälle, in denen unterschiedliche Akteure Hilfen leisten. Netzwerkmanagement realisiert das Zusammenspiel von Akteuren und Organisationen in einer Region als Reaktion auf soziale Problemlagen.

Ein konkretes Beispiel:

Der Fall Susanne K.

Susanne K. ist 34 Jahre alt. Seit elf Jahren leidet sie an einer chronischen Erkrankung, die ihr die Alltagsbewältigung erheblich erschwert. Sie ist seit sechs Jahren erwerbsunfähig. Susanne K. hat zwei Kinder im Alter von elf und 14 Jahren. Von ihrem Mann lebt sie getrennt. Ihr neuer Partner, der nicht mit ihr und ihren Kindern in einem Haushalt lebt, versucht sie bestmöglich zu unterstützen. Leider ist dies nur sehr begrenzt möglich, da er berufsbedingt viel auf Reisen ist.

Susanne K. fühlt  sich in der Erziehung ihrer Kinder immer wieder überfordert. Deshalb nimmt sie die Unterstützung einer Sozialpädagogischen Familienhelferin seit einem Jahr an. Infolge der erheblichen Alltagsbelastungen sind vor sechs Monaten psychische Probleme bei ihr aufgetreten. Glücklicherweise konnte sie durch die Unterstützung einer Lehrerin ihrer Kinder schnell ambulante psychologische Beratung in Anspruch nehmen. Ihr 14jähriger Sohn zeigt seit einigen Wochen Symptome der chronischen Erkrankung seiner Mutter und muss folglich ebenfalls intensiv medizinisch betreut werden. Bei der Bewältigung der vielen Arzttermine unterstützt eine ehrenamtliche Helferin aus der Nachbarschaft. Ein Sozialberater der Caritas hilft bei der Sicherung des Lebensunterhaltes (Antrag auf Sozialhilfe).

Was zeigt diese kurze Fallsequenz? Die Alltagsanforderungen der Klientin sind komplex und ebenso komplex stellt sich das Helfersystem dar. In dem vorliegenden Fall sind das Gesundheitssystem (medizinische und psychologische Betreuung), das Bildungssystem und das System Sozialer Arbeit (Kinder- und Jugendhilfe, ehrenamtliches Stadtteilprojekt, Sozialberatung) involviert.

Hier wird die Bedeutung eines interdisziplinären Netzwerkmanagements sichtbar. Die Qualität der Hilfen ist davon abhängig, wie gut einzelne Hilfeleistungen fallspezifisch aufeinander abgestimmt sind. Aber auch fallunabhängig müssen Hilfeangebote gut miteinander vernetzt sein, damit bei konkreten Hilfeanlässen zeitnah relevante Unterstützungssysteme Hand in Hand arbeiten. Neben der fallspezifischen Frage, wie Susanne K. und ihren Kindern zu helfen ist, lässt sich ebenso diskutieren, wie Familien in ähnlichen Problemkonstellationen frühzeitig erreicht werden können, welche Akteure hierbei von Relevanz sind und wie konkrete Handlungsschritte „zwischen den Systemen“ gestaltet werden müssen. Der Fall Susanne K. regt an, regionale Netzwerke früher Hilfen daraufhin zu prüfen, inwieweit ambulante Versorgungssysteme des Gesundheitswesens in das Netzwerk eingebunden sind.

Ziele und Qualifikation des Masterstudiengangs:

Ziel unseres Masterstudiengangs „Netzwerkmanagement in der Sozialen Arbeit“ ist es, Studierende sowohl durch forschende Kompetenzen als auch durch fachliches Wissen und Methodenkompetenz dafür zu qualifizieren, (interdisziplinäre) Netzwerke zu initiieren, aufzubauen, zu moderieren und zu erforschen. Professionelle Vernetzung meint hierbei das kooperative Agieren unterschiedlicher professioneller Akteure, mit dem Ziel, ein abgestimmtes Hilfeangebot für spezifische Hilfeanlässe oder Zielgruppen vor dem Hintergrund einer gemeinsamen Leitorientierung zu realisieren.

Die Praxis der Sozialen Arbeit zeigt seit vielen Jahren, dass das Netzwerkmanagement sowohl für Sozialarbeiter*innen im direkten Klient*innenkontakt als auch für Fachkräfte in koordinierenden, planenden und leitenden Positionen selbstverständlich zum professionellen Handeln dazugehört. Den Aufbau sowie die Verstetigung entsprechender Netzwerkstrukturen finanzieren Kommunen z.T. regelhaft, weitere finanzielle Mittel fließen immer wieder aus Landes- und Bundesprogrammen in entsprechende Initiativen der Sozialen Arbeit ein. Demzufolge ergibt sich der fachliche Anspruch, das Thema Netzwerkmanagement in die akademische Ausbildung regelhaft einfließen zu lassen. Diesen Anspruch lösen wir mit unserem Masterstudiengang ein.

Er schließt mit dem akademischen Titel „Master of Arts“ ab. Der Studienabschluss berechtigt zur Promotion und ermöglicht den Zugang zum Höheren Dienst in der öffentlichen Verwaltung.

Studieninhalte

Den Einstieg in das Studium bilden Lehrangebote, die zunächst praxisorientiert die Relevanz des Themas „Netzwerke“ für die Soziale Arbeit verdeutlichen. Zentrale Fragen hierbei sind: Wie können Netzwerke adressatenorientiert gestaltet werden? Was bedarf es für Voraussetzungen seitens der Organisationen, die sich an Netzwerken beteiligen möchten und wie lässt sich ein Netzwerk zielorientiert aufbauen und begleiten? Zugleich geht es darum, den Gegenstand „Netzwerke“ disziplintheoretisch einzuordnen und zu reflektieren sowie um die Vermittlung methodischer Kompetenzen zum Netzwerkmanagement (z.B. Beratung und Kommunikation, Personalführung und Organisationsentwicklung). Weitere anwendungsorientierte Kompetenzen werden durch konkretes Netzwerkmanagement an aktuellen, sozialpolitisch relevanten Beispielen in den Handlungsfeldern Kinderschutz/Frühe Hilfen, psychiatrische Versorgung sowie Altenhilfe vermittelt. Im Zentrum des Studiums steht die einjährige Durchführung des Lehrforschungsprojektes in Kooperation mit einem Praxispartner aus der Region. Die abschließende Master-Thesis kann auf ein bestehendes Forschungsprojekt aufbauen oder eine thematisch frei gewählte wissenschaftliche Ausarbeitung im Themenspektrum des Studiengangs sein.

Zielgruppe und Zulassungsvoraussetzung

Der Studiengang richtet sich an Absolvent*innen von Bachelor- und
Diplom-Studiengängen der Fachrichtungen Soziale Arbeit, Erziehungswissenschaften,
Heilpädagogik, Pflege/Nursing oder einer benachbarten Disziplin.
Voraussetzungen für die Zulassung sind eine gute Durchschnittsnote sowie die Darstellung der Studienmotivation anhand eines Profilbogens.

Studienorganisation

Das Studium umfasst vier Semester. Es ist als Vollzeitstudium angelegt. 

Bewerbung und Studienbeginn

Die Bewerbungsunterlagen sind auf der Internetpräsenz der Hochschule veröffentlicht. Die Bewerbungsfrist endet am 15.05.2019, der Studienbeginn ist im September.

Informationsveranstaltung

Die nächste Veranstaltung findet am 21.01.2019 und am 10.04.2019 um 16:30 Uhr im Raum 260 statt.Für einen individuellen Beratungstermin wenden Sie sich bitte an Prof. Dr. Eva Christina Stuckstätte Studiengangsleitung.

Informationen für Praxisstellen

Zusätzliche Informationen für Praxisstellen finden Sie hier.

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