Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Studieninhalte und Studienziele

Hintergrund

Eine der wichtigsten Aufgaben von Staat und Gesellschaft ist es, für wirtschaftliche, soziale, kulturelle und politische Bedingungen Verantwortung zu übernehmen, die eine menschenwürdige Existenz sowie die umfassende Teilhabe und die selbstbestimmte Gestaltung von Freiheits- und Handlungsspielräumen ermöglichen. Gleichzeitig sind Staat und Gesellschaft für den Abbau jene Bedingungen verantwortlich, die genau das gefährden: Zum Beispiel materielle Armut, Ausgrenzung oder Bildungsbenachteiligung.
Ziel der Heilpädagogik ist es, die Bedingungen einer umfassenden Teilhabe zu sichern oder wiederherzustellen, so dass ein menschenwürdiges und selbstbestimmtes Leben möglich ist.

Studieninhalte und Studienziele

Studierende des Bachelorstudiengangs Heilpädagogik erwerben während ihres Studiums folgende Kompetenzen in den Bereichen Wissen, Können und Haltung:

  • Sie besitzen wissenschaftlich fundierte, berufsorientierte Kenntnisse aus der Allgemeinen und der Speziellen Heilpädagogik.
  • Sie können Gegebenheiten heilpädagogischer Praxis umfassend beschreiben, genau analysieren und wirksame Handlungskonsequenzen entwickeln.
  • Sie können problem- und personenangemessene Konzepte für konkrete Aufgaben der Heilpädagogik auf Basis wissenschaftlicher Theorien entwickeln.
  • Sie können mit komplexen Anforderungen der Berufspraxis angemessen umgehen, die Komplexität von Handlungssituationen bewältigen und erwerben Kompetenzen, um auch in Krisensituationen entscheidungs- und handlungsfähig zu bleiben.
  • Sie sind in der Lage, Probleme und Aufgaben in den Feldern der Heilpädagogik mit Methoden wissenschaftlicher Forschung zu durchdringen und angemessene Konsequenzen ziehen.

Die Studieninhalte sind in fünf Bereiche eingeteilt:

  1. Heilpädagogik als Praxis, Profession und Wissenschaft
  2. Heilpädagogisches Denken und Handeln
  3. Gesellschaftliche und normative Grundlagen und Rahmenbedingungen
  4. Grundlagen menschlicher Existenz und Entwicklung
  5. Konzepte in der Behindertenhilfe / Erziehungshilfe

Im Folgenden haben wir zusammengefasst, welche Studieninhalte die einzelnen Bereiche beinhalten:

1. Heilpädagogik als Praxis, Profession und Wissenschaft
In der Studieneingangsphase lernen die Studierenden ausgewählte soziale und heilpädagogische Praxisfelder kennen: ihre Themen, Adressat_innen, Rahmenbedingungen und die gelebte Praxis. Sie üben Formen und Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens ein, wie zum Beispiel die Literaturrecherche, die Problemanalyse, die schriftliche Darstellung und die Präsentation von Ergebnissen.
Darüber hinaus erwerben die Studierenden ein Grundlagenwissen über die Heilpädagogik als sozio-historische Praxis der Behinderten- und Erziehungshilfe sowie der Rehabilitation als eigenständige Profession und als Fachwissenschaft. Sie lernen die Geschichte der Heilpädagogik, ihre Aufgaben und Ziele sowie Handlungsfelder, Organisation, Theorien und Konzepte heilpädagogischer Praxis kennen.

2. Heilpädagogisches Denken und Handeln
In Verbindung mit Praxisprojekten und Praktika üben Studierende in diesem Bereich konkrete Handlungskompetenzen ein. Sie erwerben Fachkenntnisse über heilpädagogische Diagnostik und methodische Schlüsselqualifikationen wie zum Beispiel Kommunikationsfähigkeit, Beratungs- und Gesprächskompetenzen.

3. Gesellschaftliche und normative Grundlagen und Rahmenbedingungen
In der Heilpädagogik werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter häufig mit moralischen, existenziellen und spirituellen Grundfragen konfrontiert. Daher erwerben die Studierenden im Studium entsprechend das notwendige philosophische, theologische und anthropologische Orientierungs- und Reflexionswissen. Das ermöglicht ihnen einerseits, eigenständig und verantwortlich Urteile zu bilden, aber auch eine berufsethische Orientierung zu entwickeln und sich mit den grundlegenden Werten, Normen und Maximen der Profession zu identifizieren.
Darüber hinaus steht der Mensch als soziales Wesen, als Mitglied einer Gesellschaft und Gemeinschaft, als Rechtssubjekt und Bürgerinnen und Bürger im Mittelpunkt dieses Studienbereichs. Die Studierenden erwerben politische Urteilsfähigkeit und Kenntnisse zur Wahrnehmung anwaltschaftlichen Engagements und von Aufgaben auf der Ebene sozialpolitischer Interventionen im Interesse der Adressatinnen und Adressaten der Heilpädagogik

4. Grundlagen menschlicher Existenz und Entwicklung
Im Mittelpunkt dieses Inhaltsbereichs steht das Individuum mit seiner Entwicklung im Lebenslauf, seinen Problemen, Störungen und Beeinträchtigungen. Die Studierenden lernen, Entwicklungsprozesse von Klient_innen einzuordnen, gesundheitliche und psychische Beeinträchtigungen zu erkennen sowie Hilfe, Unterstützung und Förderung einzuleiten, zu planen, durchzuführen und zu evaluieren.

5. Konzepte in der Behindertenhilfe / Erziehungshilfe
Diesen Inhaltsbereich erarbeiten sich die Studierenden in Form der Praxisphase II im 5. Semester. Hier führen sie unter Anleitung einen Prozess der Begleitung von Klient_innen in einem heilpädagogischen Praxisfeld durch, wenden exemplarisch erlernte Methoden an und verknüpfen Theorie- und Handlungswissen zu einem situations- und bedarfsangemessenen Handlungskonzept im Blick auf eine konkrete Bedarfslage einer Person oder einer Personengruppe. Die Praxisphase umfasst 79 Arbeitstage in einer Praxiseinrichtung und wird durch begleitende Seminare unterstützt. Parallel erhalten die Studierenden die Möglichkeit, ihre Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit der eigenen Person sowie den Beziehungskonstellationen und Organisationsdynamiken in der Praxis im Rahmen einer Gruppensupervision zu reflektieren.

Praxis- und Anwendungsorientierung im Studium
Unverzichtbar sind Praxisanteile im Studium, die (Selbst-)Erfahrung sowie die Anwendung der erworbenen Handlungskompetenzen ermöglichen. Praxisbezogene Studien- und Projektphasen, die von der Hochschule begleitet werden, sind daher Kernbestandteil des Studiums. Zwei Praxisphasen in das Studium integriert: Das „Studienprojekt 1“ in der Studieneingangsphase und das „Studienprojekt 2“ im fünften Semester.

Das „Studienprojekt 1“ besteht in der Durchführung eines von einem Praxispartner/einer Praxispartnerin formulierten Projektes, das eine zentrale Fragestellung  zur Theorie und Praxis der Heilpädagogik tangiert.. Die Studierenden formulieren sinnvolle Projektziele, recherchieren den Stand der Forschung in dem jeweiligen Feld, entwickeln konkrete Arbeitspläne und Methoden zur Bearbeitung des Projektes und Möglichkeiten der Evaluation.  Abschließend dokumentieren und präsentieren sie ihre Ergebnisse. Sie eignen sich durch diesen Studieneinstieg eine Haltung forschenden Lernens an und entwickeln eigenständig unter Anleitung in den Seminaren Problemlösungsstrategien für komplexe Anforderungen in der Praxis.

Das „Studienprojekt 2“, das auch im Ausland stattfinden kann, legt den Schwerpunkt auf pädagogisch-therapeutische Konzepte in der heilpädagogischen Praxis  und erweitert die Kompetenzen der Studierenden zum präventiven und intervenierenden Handeln. Die Studierenden wenden in einem von ihnen gewählten Handlungsfeld das erworbene Wissen in der konkreten Ausgestaltung heilpädagogischer Unterstützung von Klientinnen und Klienten an, setzen Handlungskonzepte und Methoden um und reflektieren ihr Handeln in begleitenden Seminaren und Supervisionsgruppen.

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2014