Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

KatHO beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (28.09.2020, Münster)

„Gesellschaft unter Spannung“ lautete das Thema des nunmehr 40. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS), der wegen der aktuellen Corona-Pandemie erstmals in digitaler Form stattfand. Vom 14. bis zum 24. September 2020 kamen 2.300 zum Kongress angemeldete Soziolog_innen und an soziologischen Themen Interessierte zusammen, um gesellschaftliche Spannungen in unterschiedlichsten Verhältnissen zu analysieren und zu erklären, Diagnosen zu gesellschaftlichen Um/Ordnungen zu stellen und Anforderungen an die gegenwärtige Soziologie auszuloten.

Gleich mehrere Professor_innen der KatHO NRW waren mit ihren fachlichen Einschätzungen bei dem DGS-Kongress vertreten. Zwei von ihnen wirkten am Panel „Um_Ordnung der Generationenverhältnisse!? Biographische und generationale Spannungen in modernen Gesellschaften“ (gemeinsame Veranstaltung der Sektionen Soziologie der Kindheit, der Jugend und des Alter(n)s) mit: Prof. Dr. Grit Höppner (Münster) stellte mit dem Ansatz „un/doing age“ einen multiperspektivischen Rahmen zur Analyse von spannungsreichen Altersverhältnissen vor. Zum einen wurde Alter als eine soziale Differenzkategorie zusätzlich zu der in der Intersektionalitätsdebatte üblichen Trias von race, class und gender skizziert. Zum anderen wurde dafür plädiert, sowohl Konstruktions- als auch Dekonstruktionsprozesse in der Analyse von sozialen Ungleichheiten in den Blick zu nehmen (zusammen mit Dr. Anna Wanka, Frankfurt a.M.). Basierend auf empirischen Erhebungen im Institut für Teilhabeforschung untersuchte Prof. Dr. Marc Breuer (Paderborn) Erwartungen an Unterstützung im Alter unter Einwanderern der ersten und zweiten Generation. Gezeigt wurde, wie die Befragten sich in ihren Positionierungen zur Altenpflege auf Erfahrungen sowohl im Einwanderungs- als auch im Herkunftsland bezogen. Fragen der Pflege wurden von ihnen in spannungsreicher Weise mit solchen der ethnischen Identität, der Assimilation sowie der generationalen Zugehörigkeit verknüpft.

Prof. Dr. Judith Conrads (Münster) referierte in der Sektionsveranstaltung der Jugendsoziologie „Jugend in Bewegung. (Un)Sichtbarkeiten in gesellschaftlichen Transformationsprozessen“ zu ambivalenten Prozessen jugendlicher Geschlecht- und Subjektwerdung. Mit dekonstruktivistischem Ansatz wurde anhand empirischer Daten dargelegt, wie im Rekurs auf geschlechtliche und sexuelle Autonomie Handlungsräume eröffnet und zugleich gesellschaftliche Ungleichheits- und Machtverhältnisse verunsichtbart werden. Deutlich wurde das Spannungsfeld, in dem Jugendliche sich als vergeschlechtlichte Subjekte formen und als solche immer auch hierarchisch positionieren.

Prof. Dr. Grit Höppner organisierte und moderierte zudem eine Ad-hoc-Gruppe zum Thema „Materialitäten unter Spannung“ (zusammen mit Dr. Julia Hahmann, Vechta). Auf der Grundlage des so genannten material turn wurde das Zusammenspiel von Körpern, Alltagsgegenständen, technischen Artefakten und Dokumenten hinsichtlich der sich darin konstituierenden Spannungen diskutiert. Spannungen wurden dabei nicht nur als Störungen, Be- und Überlastungen oder Bedrohungen gedeutet, sondern es wurde auch deren Potential zur Um/Ordnung von alltäglichen Abläufen, Leitbildern und Diskursen aufgezeigt.

Die Fachdiskussionen verdeutlichten, dass eine Gesellschaft unter Spannung gefordert ist, mit problematischen und existentiellen Entwicklungen wie Exklusionsmechanismen, sozialen Ungleichheiten und Gewalt umzugehen – Entwicklungen also, mit denen auch Soziale Arbeit unablässig befasst ist. Ein intensiver Austausch im Rahmen dieses Kongresses ermöglichte es, die vielfältigen und komplexen Spannungen pluraler Gesellschaften zu reflektieren und Ideen zu entwickeln, um einer weiteren Verschärfung dieser problematischen und existentiellen Entwicklungen vorzubeugen.

 

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Grit Höppner, Kontakt: g.hoeppner(at)katho-nrw.de
Prof. Dr. Marc Breuer, Kontakt: m.breuer(at)katho-nrw.de
Prof. Dr. Judith Conrads, Kontakt: j.conrads(at)katho-nrw.de

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