Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Vom „Schreibtisch Westfalens“ zu „Wissenschaft und Lebensart“: (11.04.2019, Münster)

v.l.n.r.: Claudia Prelle (Verw.-Leiterin), Bernadette Spinnen (Stadtmarketing), Prof. Dr. Christopher Beermann (Dekan Abt. Münster) und die Organisatorin des Abends, Prof. Dr. Ursula Tölle

Der Dekan begrüßt Frau Spinnen und das Publikum

Bernadette Spinnen gibt einen Einblick in ihre Arbeit

Diskussion mit dem Publikum (Prof. Dr. U. Tölle, B. Spinnen)

Forum an der Piusallee widmet sich dem Wandel Münsters im 21. Jahrhundert

2004 erhielt Münster im Rahmen des „LivCom-Award“ den Titel „lebenswerteste Stadt der Welt“. Diese Auszeichnung, auf welche man in der Stadt bis heute sehr stolz ist, kann auch als das Ergebnis eines erfolgreichen Stadtmarketings gesehen werden.

Zu dieser anhaltenden Erfolgsgeschichte war Bernadette Spinnen am Mittwochabend, 3. April, zu Gast an der Katholischen Hochschule Münster im Forum an der Piusallee. Unter dem Titel „WertE, dass wir hier leben?! Was eine Stadt wie Münster braucht, um lebenswert zu sein“ erklärte Spinnen zunächst die Bedeutung des Stadtmarketings und die damit verbundenen Prozesse und Methoden.

Seit dessen Gründung im Jahr 2001 ist Spinnen Leiterin des Münster Marketing. Ihre damals noch neue Aufgabe entstand aus einer Not heraus: Münster, eine Stadt, die bis dahin vor allem als Standort großer Verwaltungen von Banken und Versicherungen galt und den Namen „Schreibtisch Westfalens“ innehatte, brauchte ein neues Konzept, nachdem eine Reihe eben jener Banken und Versicherungen sukzessiv an andere Standorte verlegt wurden – und damit das bisherige Selbstverständnis fraglich wurde.

Ein Kernthema des Stadtmarketings, so Bernadette Spinnen, ist die Ehrlichkeit. „Man kann überall lügen – aber im Stadtmarketing nicht“. Ehrlichkeit sei bei der Entwicklung eines Selbstverständnisses daher fundamental. Dies spiegelte sich dann nicht zuletzt auch in ihrem Plädoyer wider, dass Städte keine Marke schaffen sollen, sondern ein Profil. „Die Bürger sind die Träger der Identität [Münsters] und nur sie!“

Partizipation bzw. Teilhabe waren und sind daher auch das tragende Element des Entwicklungskonzeptes der Stadt Münster.

Anhand dreier zentraler Fragen konkretisierte dann Bernadette Spinnen die Zukunftsplanung des hiesigen Stadtmarketings:

Wer sind wir (Münster)? - Was möchten wir sein? - Was können wir werden?

Mit diesen Fragen wurden die Leitorientierungen des Münster Marketings entwickelt und bei der Beantwortung dieser wird die Rolle der ehrlichen und ungeschönten Wahrheit deutlich. Auf die Frage „Wer sind wir?“ musste sich das Team von Frau Spinnen eingestehen: „Wir sind bekannt als der Schreibtisch Westfalens.“ Klar scheint damit ein Teil der Antwort auf die nächste Frage: „Was möchten wir sein?“ „Nicht der Schreibtisch Westfalens – aber was dann?“ zu sein. Die Antwort lautete unter anderem: „Eine Kulturhauptstadt!“. Hier kollidiert nun die ehrliche Antwort der dritten Frage mit den Vorstellungen aus der zweiten. Als Spinnen damals die Idee der Kulturhauptstadt nach außen trug, wurde sie gefragt, ob dieses Ziel denn zu erreichen sei. Wäre es möglich, dass Münster in den nächsten fünf Jahren bei Befragungen zu Kultur und Städten neben Paris, Rom oder Barcelona genannt würde? Die Antwort war ein deutliches nein.
Die Profilentwicklung bedurfte also mehr als Ideen von innen und damit wandte sich Münster Marketing an die Münsteraner mit der Frage „Was sind Einflussfaktoren, die die Zukunft der Stadt beeinflussen?“ Neben zu erwartenden Aspekten, wie der wirtschaftlicher Entwicklung und der Bedeutung als Wissenschaftsstandort, rückten vor allem humanitäre und ökolo-gische Faktoren in den Mittelpunkt. Daraus entstand das Profil Wissenschaft und Lebensart.

Bernadette Spinnen machte an vielen positiv verlaufenden Projekten deutlich, was entwickelt wurde, um das Stadtmarketing auszubauen. Beispiele hierfür waren das Adventssingen auf dem Prinzipalmarkt, die Etablierung des Maxisandes in der Innenstadt oder die nach ihrer Auskunft unter dem Namen „Hafenratschlag“ gut funktionierenden Austauschtreffen über die B-Side.

Im Anschluss an den Vortrag moderierte die Organisatorin der Veranstaltung, Ursula Tölle, Professorin für Theorien und Konzepte der Sozialen Arbeit, die Diskussion zwischen Bernadette Spinnen und dem anwesenden Publikum. Dabei wurde vor allem der Wohnraummangel, die steigenden Mietpreise und die Anbindung der äußeren Quartiere thematisiert. Spinnen wies in ihren Antworten u.a. auf zahlreiche Projekte für gefördertes Wohnen hin und erklärte dabei auch, dass die Stadtentwicklung eine kontinuierliche Gemeinschaftsaufgabe sei.

Text: Alexander Feldhaus, Johannes Nathschläger
Fotos: Alexander Feldhaus


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