Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

 

Brisante Ergebnisse, überraschende Lernerfahrungen - (19.12.2017, Münster)

Das Studieneingangsprojekt der KatHO Münster präsentiert vielfältige Ergebnisse

Macht Geld glücklich? Offenbar nicht unbegrenzt. Eine Erstsemestergruppe der Katholischen Hochschule Münster (KatHO) fand zu ihrer eigenen Überraschung über die Daten des sozio-ökonomischen Panels heraus, dass ab 60 000 Euro Jahreseinkommen die Lebenszufriedenheit der Bürger_innen in Deutschland wieder abnimmt. Bei der öffentlichen Präsentation von insgesamt 62 Studieneingangsprojekten (StEP) aus den Bereichen Soziale Arbeit und Heilpädagogik am Mittwoch (13. Dezember) reichte das Themenspektrum von "Wer macht die dreckige Arbeit?" über "Armut als Auslöser für Kriminalität" bis zu "Lehren lernen" oder "Kommunikation auf Knopfdruck" 42 davon wurden seit dem 12. Oktober im Bereich Soziale Arbeit erstellt, 20 im Bereich Heilpädagogik. Die Heilpädagogik-Projekte sind bereits abgeschlossen, die Studierenden der Sozialen Arbeit haben dafür noch bis Februar 2018 Zeit.

Die Präsentation der Projekte begann mit einer „Sendung“ von Radio-KatHO im großen Hörsaal der Hochschule. Unterhaltsam moderiert von Janina Wiesel und Micha Poser wurden aus den ersten sieben Wochen der Projektarbeit O-Töne aus den Arbeitsgruppen präsentiert und die Modulbeauftragte des Studiengangs Heilpädagogik Prof. Dr. Barbara Ortland befragte als rasende Reporterin das Publikum. Von vollkommen entspannt bis ziemlich aufgeregt reichte dabei der Stimmungsbogen unter den anwesenden Erstsemestern. Klangvoll begleitet wurde die Auftakt-Veranstaltung vom KatHO-Chor und von Dr. Jörg Rövekamp auf der E-Gitarre.

Anschließend gab es zwischen 9.30 und 15.15 Uhr in neun KatHO-Räumen im Halbstundentakt die Projektpräsentationen. Zudem gab es zwei Ausstellungen zu den Themen "Zu arm um Kind zu sein - Armut aus Sicht der Kinder" sowie „Jetzt reicht’s! Migrantinnen zwischen häuslicher Gewalt und finanzieller Abhängigkeit“.

Bei diesen Vorstellungen der Forschungsergebnisse erläuterte eine KatHO-Erstsemestergruppe beispielsweise, wie sie zu der eingangs erwähnten Erkenntnis gelangte, dass Geld nur bedingt glücklich macht. Die Studierenden hatten zum Thema "Deutschland - das Flüchtlingsland! Ohnmacht im Paradies" geforscht und auch das "subjektive Armutsempfinden" unter die Lupe genommen. Dies reiche oft viel weiter als reine Geldnot, stellten sie fest.

Neben ausreichenden Finanzen seien auch Sprache, Bildung, Wohnen und Integration "Aspekte der zufriedenstellenden Erschließung der neuen Lebenswelt". "Geld ist hier für Geflüchtete zweitrangig", fanden die Studierenden heraus. Einer der Schlüsse, die die Studierenden ebenfalls aus ihren Gesprächen mit afghanischen Flüchtlingen zogen, lautete: "Armut ist nicht definierbar. In verschiedenen Kontexten ist sie laufend Veränderungen und Neudefinitionen ausgesetzt."

Zu ähnlichen Schlussfolgerungen kam eine weitere Projektgruppe. "Frauenpower im sozialen Brennpunkt" hieß ihr Projekt, das sich mit der Kinderhauser Initiative freiRAUM beschäftigte. Sie bietet Frauen einen Schutzraum, in dem sie ihre Zeit miteinander selbst gestalten können. Armut nur als materielle Armut zu sehen, greife viel zu kurz, stellten die Studierenden in diesem Zusammenhang fest, vielmehr stehe heute auch kulturelle Armut im Fokus.

Beim Projekt "Zu arm um Kind zu sein" stellten sich Studierende schließlich die Frage, ob man Kinder überhaupt nach Armut fragen dürfe. Im Kinder- und Jugendtreff der Gemeinde St. Mauritz gab es dazu mit Kindern eine Diskussion. Anschließend wurden mit ihnen Interviews geführt. "Wir waren überrascht, wie viel die Kinder in ihrem kurzen Leben schon über Armut gelernt haben und wie viel sie dazu wussten", so die jungen Forscher_innen bei der Präsentation.

Mit den Tücken der Empirie setzte sich eine andere Projektgruppe auseinander. Sie hinterfragte kritisch, ob die in der Forschung genutzten teilstandardisierten Fragebögen wirklich für die Befragung von Menschen mit einer geistigen Behinderung etwas taugen. Fazit eines der Projekt-Forscher: "Es war sehr komisch, noch gar keine Ahnung zu haben und Leute kritisieren zu müssen, die schon Ewigkeiten im Geschäft sind. Aber wir wurden ernst genommen."

Brisant waren auch die Erkenntnisse einer Projektgruppe, die unter der Fragestellung "Mehr Schein als Sein" vor dem Hintergrund des "Bildungs- und Teilhabepakets" für Hartz-IV-Empfänger untersuchte, ob eine Teilnahme am sozialen Leben mit den im "Paket" festgelegten 10 Euro im Monat überhaupt möglich ist. Gute Idee, schlechte Umsetzung, fanden die Studierenden heraus. Der Betrag reiche keinesfalls für eine soziale Teilhabe.

Am Ende der Präsentationen dankte die Modulbeauftragte des Studiengangs Soziale Arbeit, Prof. Dr. Christiane Rohleder allen Beteiligten für den sehr gelungenen Tag, bevor das Münsteraner Impro-Theater Ratzfatz den Tag humoristisch ausklingen ließ.

Text: Jan Schneider, Anna Hürten

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2014