Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

 

Forum an der Piusallee (16.11.2017, Münster)

Der Schritsteller Feridun Zaimoglu (rechts) stellte auf Einladung von Dekan Hans-Rüdiger Schwab und Prof. Dr. Heinrich Greving (v. l. ) seinen Luther-Roman "Evangelio" vor.

Feridun Zaimoglu (rechts) im Gespräch mit Prof. Dr. Heinrich Greving (links).

Feridun Zaimoglu stellte in der Katholischen Hochschule NRW seinen Luther-Roman "Evangelio" vor.

Als 11jährigen wollte die Bibliothekarin ihn überreden, „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ zu lesen, sagte Feridun Zaimoglu. Der spätere Schriftsteller entschied sich stattdessen für die Bibelübersetzung von Martin Luther. Der Reformator und sein Wirken haben ihn bis heute nicht mehr losgelassen. Nun hat er einen Roman über ihn vorgelegt. Das eindringliche Werk „Evangelio“ stellte er am Montagabend im „Forum“ der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Münster, vor.

Zaimoglu ist spätestens seit seiner literarischen Vorlage für den Kinoerfolg „Kanak Attack“, die das Leben und den Alltag junger türkischstämmiger Männer in Deutschland sprachgewandt thematisierte, einem breiten Publikum bekannt. Den Kontakt zu ihm stellte Prof. Dr. Heinrich Greving her. Kennengelernt haben sich die beiden bei der Bundesfachtagung des Berufs- und Fachverbandes Heilpädagogik im vergangenen Jahr in Berlin, bei dem Zaimoglu zu Gast war. „Ich habe gemerkt, dass man gut mit ihm zusammenarbeiten kann“, so Greving. Und da lag die Einladung nach Münster nahe, die Zaimoglu auch ohne Zögern annahm: „Nicht lang schnacken, Kopp´ in Nacken!“, zitiert der Schriftsteller, der in der türkischen Stadt Bolu geboren wurde, augenzwinkernd ein norddeutsches Sprichwort: Seit nunmehr über 30 Jahren lebt Zaimoglu in Kiel.

Und da war er nun. Seine Lesetour führte ihn direkt in die Katholischen Hochschule NRW. Eine Premiere sei das, erklärte Dekan Prof. Dr. Hans-Rüdger Schwab. Zum ersten Mal veranstalte man hier eine Dichterlesung. Die fand im Rahmen der bereits etablierten Veranstaltungsreihe „Forum an der Piusallee“ statt. Ein offenes Konzept: Jeder Zuhörer sei herzlich willkommen, erläuterte Greving. Auch ehemalige Studierende der Katholischen Hochschule waren an ihren alten Lernort gekommen, um Zaimoglus Sicht auf Luther kennenzulernen.

Ein Stoff, den sich der türkischstämmige Schriftsteller schon lange vorgenommen hatte, wie er betonte: „Ich habe nicht auf das Reformationsjubiläum hingeschrieben.“ Zu dem Reformator, der ihn zeit seines Lebens faszinierte, habe er historische Quellen recherchiert, Predigten gelesen und sich in sein Leben hineinversetzt. Gebetet und gefastet hat er wie Luther selbst.

Mit ruhiger und konzentrierter Stimme entführte Zaimoglu seine Zuhörer ohne Umschweife in die Luther-Zeit. In die neun Monate zwischen Mai 1521 und März 1522, in denen sich der Reformator auf der Wartburg aufhielt. Von Anfeindungen bedrängt, im Kampf mit eigenen Zweifeln und als Junker Jörg getarnt, schuf er doch sein markantestes Werk, die Übersetzung des Neuen Testaments. Zaimoglu wagt den Kunstgriff einer fiktiven Figur: den kommentierenden, kritisierenden und zugleich verstehenden Landsknecht Burkhard, der auch zwischen der geschichtlichen Figur Luthers und dem heutigen Leser und Zuhörer vermitteln kann. Die zentrale, auch kompromisslose Frage: der eigene Glaube.

Die Zaimoglu für sich nicht unbeantwortet lässt: „Ich glaube an den einen, an den schönen Gott.“ Dazu habe auch sein Medizin-Studium beigetragen: „Wer da nicht anfängt mit dem Glauben, dem ist nicht mehr zu helfen.“ Aber auch das: „Jeden Tag hackt der Zweifel auf mir rum.“ Sein Standort ist ein höchst individueller Glaube, alles Fundamentalistische ist ihm fremd: „Davon geht eine apokalyptische Gefahr aus.“ Und so sind also auch Zweifel erlaubt. Denn, so war auch das Motto der Veranstaltung: „Im Zweifel für den Glauben.“

Zaimoglu arbeitet schon wieder an einem neuen Buch. Es geht um historische und mythische Frauengestalten, von der Antigone über Brunhilde bis hin zu Beispielen aus der neueren Geschichte. Dann wird Zaimoglu auch wieder in der Katholischen Hochschule NRW zu erwarten sein. Die Einladung steht.

 

Text und Fotos: Siegmund Natschke

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2014