Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

 

Programme zur Vorsorgeplanung in der Alten- und Behindertenhilfe (20.09.2017, Münster)

Tagung in der Katholischen Hochschule Münster am 23.09.2017

Mit dem neuen Hospiz- und Palliativgesetz (HPG) ist eine „Gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase“ als bezahlte Leistung der Krankenkassen eingeführt worden. Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe können diese Planung gemäß § 132g SGB V anbieten, sie müssen dies aber nicht. Inhalte und Risiken der Vorsorgeprogramme sowie Alternativen beleuchten Wissenschaftler und Praktiker aus Hospizen und Palliativmedizin im Rahmen einer Tagung, die am 23. September an der Katholischen Hochschule Münster stattfindet. Die Tagung richtet sich nicht nur an Fachleute, sie ist für jedermann zugänglich.

 

Im Rahmen der Versorgungsplanung sollen Bewohner/innen von Pflege- und Behinderteneinrichtungen durch speziell geschulte Berater/innen motiviert werden, eine Patientenverfügung zu erstellen. Ziel ist es, Behandlungsentscheidungen für einen medizinischen Notfall im Voraus gemeinsam zu durchdenken und anschließend, aber jenseits der konkreten Behandlungssituation, festzulegen; diese Planung gilt ausdrücklich auch in Bezug auf den Verzicht auf Therapien, die Leben retten können. Der Willen der Heimbewohner/innen soll schriftlich vorab verfügt und verbindlich dokumentiert werden. Gelten Bewohner/innen rechtlich als nicht (mehr) einwilligungsfähig, zum Beispiel Menschen mit Demenz oder geistiger Behinderung, sollen gesetzliche Betreuer/innen oder Bevollmächtigte den Willen ihrer Schutzbefohlenen stellvertretend vorab erklären. Diese so genannte „Vertreterverfügung“ ist allerdings – anders als die 2009 per Gesetz anerkannte Patientenverfügung – gesetzlich in Deutschland nicht abgesichert.

Solche Versorgungsplanungen erscheinen auf den ersten Blick attraktiv. Die Einrichtungen möchten die im Gesetz vorgesehenen Beratungsleistungen nutzen, um mehr Zeit zum Gespräch zu haben, die Bewohner/innen sorgen sich darum, ob sie gut versorgt werden, auch wenn sie nicht mehr für sich selbst werden sprechen können.

„Im Kern geht es bei der Gesundheitlichen Versorgungsplanung also um die Voraberklärung des Behandlungsverzichts – und zwar außerhalb der Sterbephase", erklärt Inge Kunz von der Hospizvereinigung OMEGA Bocholt und warnt: „Statt über einfache Lösungen und Formulare müssen wir über die kritikwürdigen Verhältnisse in den Pflegeeinrichtungen und über eine Sorgekultur sprechen, die diesen Namen verdient.“ Kunz lädt als Veranstalterin dazu ein, gemeinsam mit Erika Feyerabend, Geschäftsführerin des Essener Vereins BioSkop – Forum zur Beobachtung der Biowissenschaften und Professor Dr. Andreas Heller, Leiter des Instituts für Palliative Care und Organisationsethik in Wien. „Über solche Programme und auch über ihre Gefahren für Menschen mit geistiger Behinderung oder Demenz öffentlich und in den Einrichtungen zu diskutieren, halten wir für äußerst wichtig“, bemerkt Professorin Sabine Schäper von der Katholischen Hochschule NRW, die die Tagung als Kooperationspartnerin unterstützt.

 

Nähere Informationen und Anmeldung: Prof. Dr. Sabine Schäper (s.schaeper@katho-nrw.de)

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