Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

 

Hochschule und Praxis leben den Vernetzungsgedanken: Praxis- und Forschungstag 2017 an der KatHO Münster (03.07.2017, Münster)

Der jährliche Praxis- und Forschungstag an der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Münster (KatHO), ist immer wieder ein wichtiger Ort der Begegnung und des Austauschs zwischen Hochschule und regionalen Praxispartnerinnen und Praxispartnern. Ähnlich wie in den letzten Jahren wurden am 28. Juni 2017 zwei inhaltliche Schwerpunkte gesetzt: am Vormittag stand ein aktuelles Thema im Vordergrund, welches Hochschule und Praxis gleichermaßen beschäftigt und aus den unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wurde. Im zweiten Teil der gut angenommenen Veranstaltung gab es für die Praxis – thematisch offener – Gelegenheit zu Einblicken in aktuelle Themen, Fachdiskurse und Forschungsprojekte der Hochschule.

„Netzwerke: Kraftfelder oder Sumpfgebiete? – Anforderungen an professionelles Handeln in Netzwerken aus der Perspektive von Hochschule und Praxis", so lautete der Titel für den Vormittag. Die Praxis der Sozialen Arbeit und der Heilpädagogik ist wie selbstverständlich damit beschäftigt, Netzwerke zu nutzen und sich darin zu begegnen. Neben dem vielerorts proklamierten Anspruch, sich zu vernetzen, ist oftmals allerdings nicht klar, wie sich Netzwerke definieren und welchen Dynamiken sie unterliegen. Die Aspekte von Netzwerken in der Praxis im Detail genauer zu betrachten, Erfahrungen auszutauschen, zu bündeln und Handlungsnotwendigkeiten zu benennen, das war das gemeinsame Vorhaben für den ersten Teil des Tages. Mehr als 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen Praxiseinrichtungen waren der Einladung der KatHO zum diesjährigen Praxis- und Forschungstag gefolgt. Zudem führten 8 weitere FachkollegInnen aus der Praxis gemeinsam mit Dozierenden in die Workshops des Vormittags ein, weitere VertreterInnen aus dem Kollegium der Hochschule wirkten darüber hinaus am Nachmittag mit.

Eröffnet wurde der Tag durch ein Grußwort von Prof. Dr. Heinrich Greving, Prodekan der KatHO Münster. Im Anschluss begrüßte Prof. Dr. Sabine Schäper, die gemeinsam mit Prof. Dr. Sabine Ader und Tim Middendorf als Praxisteam die Veranstaltung mit weiteren helfenden Händen aus Verwaltung und Studierendenschaft vorbereitet hatte, die Gäste. Alle hoben die enge Verzahnung von Forschung, Lehre und Praxis als wichtiges Merkmal einer guten Ausbildung hervor.

Prof. Dr. Hugo Mennemann hielt im großen Hörsaal der KatHO Münster den Eingangsvortrag zum Thema "Netzwerke(n) - Eine Aufgabe für Profis?". Er verwies auf die grundlegende Bedeutung von Netzwerken in der Sozialen Arbeit und der Heilpädagogik. Er machte aber auch deutlich, wie schwierig es sein kann, Netzwerke zu schaffen. Einen ganz simplen Grund dafür nannte der Referent gleich zu Beginn seiner Ausführungen: "Netzwerken ist Mehrarbeit." Daher gelte es, zum Aufbau von Netzwerken auch menschliche und berufliche Grundhaltungen zu verändern. Aber, so der Referent weiter: "Wenn man erst einmal verstanden hat, was Netzwerkarbeit grundlegend bedeutet, sind die weiteren Schritte viel klarer". Der gemeinsam geteilte Wunsch nach Teilhabe an einem Geschehen sei eine wichtige Basis für die Bildung von Netzwerken, rief Prof. Dr. Mennemann den Zuhörerinnen und Zuhörern ins Gedächtnis. Es gehe bei Netzwerken um freiwilliges und sinnvolles Zusammenwirken unterschiedlicher Interessengruppen. Der Referent verdeutlichte anschließend die Schwierigkeiten auf dem Weg dorthin. Im praktischen Handeln der verschiedenen Berufsgruppen seien Aufgaben und Begrifflichkeiten ausdifferenziert, so der Wissenschaftler. "Komplett gegen den Strom der Moderne" gelte es aber in Netzwerken, über berufliche Abgrenzungen hinweg neue Verbindungen aufzubauen, um wirksamere Hilfen in der Heilpädagogik und der Sozialen Arbeit zu ermöglichen. Der Referent sprach sich für einen fachlich fundierten Netzwerkbegriff aus, der mehr beinhaltet als bloße Zusammenarbeit. Nach einer kurzen Fragerunde teilten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Praxis- und Forschungstags in Arbeitsgruppen auf, um einzelne Aspekte des „Netzwerkens“ näher zu betrachten und zu diskutieren. So wurden zum Beispiel die Machtstrukturen in Netzwerken analysiert, es wurde aufgezeigt, wie Netzwerke in das Gemeinwesen hineinwirken können, was es bedeutet, AdressatInnen wirksam zu beteiligen, und wie Stolperfallen gemeinsam überwunden werden können. In einem kurzen Plenum zum Abschluss des Vormittags wurden gemeinsame „Botschaften“ formuliert, was Praxis, Ausbildung und Forschung jeweils beitragen können, damit Netzwerkarbeit im Sinne der AdressatInnen gut gelingt.

Während der Mittagspause konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei einer "Postersession" einen Eindruck von aktuellen Forschungs-, Master- und Dissertationsprojekten an der Hochschule verschaffen. Fünf Workshops, die über Aktivitäten und Forschungsprojekte der Hochschule informierten und Einblick in aktuelle Fachdiskurse gaben, rundeten am Nachmittag den diesjährigen Praxis- und Forschungstag ab. Die Themen reichten hier von "Notfällen, Krisen und Kriseninterventionen in der Sozialen Arbeit und Heilpädagogik" über die "Verstrickung pädagogischer Fachkräfte in die gesellschaftlichen Verhältnisse" bis hin zu vertieften Fragen der Netzwerkarbeit und Netzwerkforschung. Ein gemeinsamer Ausklang beim gemeinsamen Kaffee rundete bei strömendem Regen einen spannenden und ereignisreichen Tag ab.

Text: Jan Schneider, Tim Middendorf

Fotos: Jan Schneider

 

Vortrag Prof. Dr. H.S. Mennemann

Workshop 2:
Stolperfallen überwinden - Miteinander gestalten (Netzwerk Gewaltprävention + Konfliktregelung in Münster)
Michael Geringhoff & Prof. Dr. Christiane Rohleder


Workshop 11:
Netzwerkarbeit - Erwartungen und Anforderungen an einen (gar nicht so) neuen Handlungsansatz
Prof. Dr. Helmut Lambers & Kolja Hecke
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Workshop 6:
Von AdressatInnen lernen - ins Gemeinwesen wirken (Der Sozialpsychiatrische Verbund im Kreis Borken)
Reinhild Wantia & Prof. Dr. Sabine Schäper

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