Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

 

KatHO-Studenten erforschen Wechselwirkung von Studium und Ehrenamt (04.01.2017, Münster)

Die Studentinnen Nadine Meinert (v.l.), Marlene Kemper, Rebecca Niewerth, Katharina Schmidt und Julia Willmes untersuchten, welche Veränderungen für Ehrenamtler ein Studienbeginn an der Katholischen Hochschule (KatHO) Münster mit sich bringt. Geleitet wurde das Projekt von Professor Ursula Tölle.

Ihre Vermutung hat sich nicht bestätigt, aber genau darüber freuen sich fünf Erstsemester-Studentinnen der Katholischen Hochschule (KatHO) Münster. Nadine Meinert, Marlene Kemper, Rebecca Niewerth, Katharina Schmidt und Julia Willmes wollten zeigen, dass Stress im Studium zur Aufgabe von Ehrenämtern führt. Sie fanden aber mit einer Umfrage heraus, dass ein Studium häufig Grundlage für die Neuorientierung bei der Wahl eines Ehrenamts ist. Weiteres Ergebnis ihrer Untersuchung: Von den befragten 269 KatHO-Studierenden des ersten und dritten Semesters wird so viel ehrenamtliche Arbeit geleistet, dass dies etwa 20 vollen Sozialarbeiterstellen entspricht.
Im Rahmen eines von Professor Ursula Tölle geleiteten Projekts über "Soziale Arbeit und sozialen Wandel" untersuchten die fünf Studentinnen die Vereinbarkeit von Ehrenamt und Studium. "Diese Thematik ist gesellschaftlich relevant", betont Prof. Tölle. Um zu erfahren, wie es die Studierenden an der KatHO mit dem Ehrenamt halten, entwickelten die Studentinnen einen Fragebogen, den sie in Vorlesungen jeweils zur Hälfte an Erst- sowie Drittsemester verteilten. Das Ausfüllen dauerte jeweils nur zehn Minuten, betonen die Forscherinnen.
Die Auswertung der Umfrage zeigte, dass vor dem Studium 87,7 Prozent der Befragten ehrenamtlich tätig waren. Die weitaus meisten von ihnen arbeiteten im kirchlichen Bereich beispielsweise als Messdiener, Küster oder in Pfarrgemeinderäten sowie als Jugendgruppenleiter. Sport, Soziale Dienste, Behindertenhilfe und Bildung sind weitere Bereiche, in denen KatHO-Studierende vor ihrem Studium häufig ehrenamtlich arbeiteten, meist drei bis fünf Stunden wöchentlich.
Nach Aufnahme des Studiums ändert sich dieses Bild, wie die Untersuchung der fünf Studentinnen zeigt. 46,5 Prozent der Befragten reduzierten die Stundenzahl ihres Ehrenamts, 43,9 Prozent gaben ihr altes Ehrenamt auf und 16 Prozent suchten sich ein neues.
Nur noch 11,1 Prozent der Erstsemester, aber satte 30,2 Prozent der Drittsemester opfern drei bis fünf Stunden in der Woche dem Ehrenamt. Bis zu zwei Stunden pro Woche arbeiten 13,9 Prozent der Erstsemester und 20,9 Prozent der Drittsemester ehrenamtlich. Sechs bis zehn ehrenamtliche Wochenstunden leisten sich nur noch 5,6 Prozent der Studienanfänger, aber immerhin 16,3 Prozent der älteren Studierenden. Keiner der befragten Studienanfänger arbeitete 11 bis 15 Stunden wöchentlich ehrenamtlich, bei den Drittsemestern waren es 2,3 Prozent. Umgekehrt ist kein Drittsemester über 15 Stunden in der Woche ehrenamtlich tätig, bei den Studienanfängern sind es 5,6 Prozent. 30,6 Prozent der Erstsemester arbeiten jede Woche unregelmäßig für ihr Ehrenamt, bei den Drittsemestern sind es nur 14 Prozent.
Die meisten Erstsemester (32,3 Prozent) suchten sich nach Studienbeginn neue Ehrenämter im Bildungsbereich. Dort sind inzwischen auch 31,4 Prozent der Drittsemester tätig. Spitzenreiter bei den Ehrenamtlern im dritten Semester ist der Soziale Dienst (37,1 Prozent). 25,8 Prozent der Erstsemester finden dort ihre neue ehrenamtliche Heimat.
Weitere von KatHO-Studenten gewählte Ehrenamtsbereiche sind die Behindertenhilfe (Erstsemester: 22,8 Prozent; Drittsemester: 34,3 Prozent), die Politik (Erstsemester: 19,4 Prozent, Drittsemester: 5,7 Prozent), die Leitung von Jugendgruppen (Erstsemester: 9,7 Prozent; Drittsemester: 20 Prozent), der Bereich "Kultur, Kunst und Musik" (Erstsemester: 3,2 Prozent; Drittsemester: 11,4 Prozent) und der Sport (Erstsemester: 3,2 Prozent; Drittsemester: 5,7 Prozent. Ausschließlich Erstsemester übernahmen neue Ehrenämter im Pflegebereich (6,5 Prozent) und im kirchlichen Bereich (3,2 Prozent). Nur Drittsemester übernahmen Ehrenämter im Umwelt- und Tierschutz (17,1 Prozent) sowie im Unfall- und Rettungsdienst (5,7 Prozent). Insgesamt mindestens 765 Stunden sind die Befragten im Durchschnitt pro Woche in ihren neuen Ehrenämtern tätig, haben die Studentinnen errechnet. Die entspreche der Stundenzahl von etwa 20 vollen Stellen.
Hauptgrund für den Wechsel des Ehrenamts ist laut Umfrage der Wohnungswechsel (40 Prozent) gefolgt vom veränderten Zeitrahmen (21,8 Prozent). Prof. Tölle wertet als einen wichtigen Grund für die Veränderungen in der studentischen Ehrenamtsskala auch das gewachsene Engagement in der Flüchtlingsarbeit.
Die Erstsemester-Arbeitsgruppe erfragte auch, wie die KatHO studierende Ehrenamtler noch weiter unterstützen könne. Die meisten Studierenden sprachen sich in diesem Zusammenhang für möglichst frei wählbare Kurse (42 Prozent), Vorlesungen nur am Vormittag (29,8 Prozent) und den Verzicht auf Blockseminare am Wochenende (elf Prozent) aus. Allerdings votierten auch 6,8 Prozent für Blockseminare am Wochenende. 21,1 Prozent der Befragten wünschen sich, dass die KatHO unterschiedliche Seminare zum Thema Ehrenamt anbietet, auf Vermittlung und Kooperation in puncto Ehrenamt durch die KatHO hoffen 18,9 Prozent der Befragten und 12,2 Prozent hätten gerne Infoveranstaltungen und -hefte zum Thema Ehrenamt. 34,6 Prozent der Umfrageteilnehmer sprechen sich schließlich dafür aus, dass die KatHO Münster neben StuPa und Asta noch weitere Ehrenämter in den Bereichen Kinderbetreuung, Studierendenzeitung, Freizeitangebote, Veranstaltungstechnik sowie bei der Unterstützung von geflüchteten Menschen anbietet.

Text: Jan Schneider
Fotos: Jan Schneider

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