Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

 

Podiumsdiskussion "Befindet sich das Parteiensystem in der Krise?" (02.01.2017, Münster)

- Das SPD-Landtagsmitglied Thomas Marquardt (l.) sowie der CDU-Landtagskandidat Dr. Stefan Nacke waren die Gäste von Moderatorin Dr. Alice Neuhäuser beim zweiten Termin der Podiumsdiskussion zum Thema "Befindet sich das Parteiensystem in der Krise?". Foto: Jan Schneider

- Moderatorin Dr. Alice Neuhäuser (r.) begrüßte zum ersten Termin der Podiumsdiskussion "Befindet sich das Parteiensystem in der Krise?" das Landtagsmitglied Josefine Paul (Grüne, M.) sowie die CDU-Landtagskandidatin Simone Wendland in der KatHO Münster. Foto: Jan Schneider

Studierende der KatHO Münster diskutieren mit Landtagsabgeordneten

"Transparenz ist sicherlich ein Schlüsselwort, um Politik erlebbar zu machen", betonte der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Marquardt bei einer Podiumsdiskussion an der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Münster (KatHO). An zwei Tagen leisteten dort vier Politiker auf Einladung von Dr. Alice Neuhäuser vor Studierenden der Sozialen Arbeit und der Heilpädagogik ihren Beitrag zu dieser Transparenz.

Neben Marquardt waren die Landtagsabgeordnete Josefine Paul (Grüne) sowie die CDU-Landtagskandidaten Simone Wendland und Dr. Stefan Nacke zu den Veranstaltungen unter dem Thema "Befindet sich das Parteiensystem in der Krise?" eingeladen worden. Dabei trafen sich am Dienstag, 20. Dezember, zunächst Paul und Wendland auf dem Podium. Am Mittwoch, 21. Dezember, waren Marquardt und Dr. Nacke zu Gast in der KatHO. An beiden Tagen moderierte Dr. Neuhäuser.

Mit den Studierenden hatte sie einen detaillierten Fragenkatalog erstellt, der die aktuelle Situation der Parteien ebenso beleuchtete wie die persönliche Motivation der Gäste, sich politisch zu engagieren. "Warum kommt es zur Erosion traditionsreicher Parteien?" war die Eingangsfrage am Dienstag. Es gebe das irrige Gefühl, "dass Politiker heute keine Menschen aus Fleisch und Blut sind", so Simone Wendland. Hier gelte es gegenzusteuern. Josefine Paul erklärte, die Gesellschaft sei "nicht unpolitischer, sondern pluraler geworden". Es gebe "ganz viel Politik außerhalb der Parteien". Ähnlich äußerten sich Marquardt und Dr. Nacke am Mittwoch mit Hinblick auf die Wählerverluste der etablierten Parteien besonders in den neuen Bundesländern. Insgesamt sei die Gesellschaft "vielfältiger, bunter und kritischer geworden", so Marquardt. Dr. Nacke verwies darauf, dass die Volksparteien gegenüber dem Trend zur Individualisierung immer noch das Allgemeinwohl bei entsprechendem Interessenausgleich im Blick hätten. Einer eventuellen politischen Zusammenarbeit mit der AfD erteilten die Politikerinnen und Politiker eine deutliche Absage.

Während Wendland wohl mit Blick auf mögliche Koalitionen darauf verwies, dass CDU und Grüne in der Bewahrung der Schöpfung durchaus ein gemeinsames Ziel hätten, erklärte Paul, ihre Partei suche Koalitionspartner danach aus, welche politischen Inhalte man mit ihnen verwirklichen könne. Landesmutter Hannelore Kraft (SPD) schließe eine Koalition mit der Linken aus, so Marquardt, ansonsten wandte er sich gegen die "Kaffeesatzleserei" von Prognosen. Dr. Nacke hielt sich mit Koalitionsaussagen zurück, betonte aber: "Ich glaube, man muss immer sagen, wo man steht!"

Auch nach den Antworten der Politik angesichts einer sich rapide verändernden Berufswelt fragte die Moderatorin. Nachdem Wendland vor den Studierenden der Sozialen Arbeit eine ständige Modernisierung der Ausbildung angemahnt hatte, brachte es Paul auf den Punkt: "Das, was Sie alle studieren, wird nie ein Roboter übernehmen können." Die ständig zunehmende Digitalisierung müsse so gestaltet werden, dass bei Älteren Berührungsängste abgebaut werden, erklärte Marquardt. Dabei müsse die Politik neue Rahmenbedingungen vorgeben, ergänzte Dr. Nacke.

Natürlich wollte die Moderatorin auch wissen, warum sich ihre Gäste überhaupt politisch engagieren. Simone Wendland berichtete, dass ihr Einsatz für einen Radweg vor der eigenen Haustür ihr Einstieg in die Politik war. Dabei müsse man stets dorthin gehen, "wo den Menschen der Schuh drückt" und auch schon mal deutlich Widerspruch formulieren. Josefine Paul kam über das elterliche Engagement schon in ihrer Jugend zur Politik, wollte jedoch nie Landespolitikerin werden, aber das habe "sich irgendwie so ergeben". Thomas Marquardt führte die kommunalpolitische Arbeit in die Landespolitik. Dort fand er nach der Wahl 2012 seinen "Traumjob", denn: "Man kann etwas bewegen, wenn man in Düsseldorf ist." Dort will Dr. Nacke noch hin. Er habe sich schon immer für Politik interessiert, betonte er.

Alle Diskussionsteilnehmer riefen die Studierenden auf, ihr Wahlrecht wahrzunehmen. Auch Einladungen zu Landtagsbesuchen wurden ausgesprochen. In anschließenden Fragerunden wandten sich die Studierenden an die Politiker und baten häufig um Präzisierung von deren Aussagen. Und eine Studierende konnte am Mittwoch auch gleich ihren Frust loswerden: Wegen eines ausgefallenen und eines verspäteten Zuges verpasste sie eine Stunde der Diskussion. Marquardt und Dr. Nacke nutzen diese Steilvorlage flugs zu einer Diskussion über die Verbesserung der Verkehrslage im Land.

Text: Jan Schneider

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2014