Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

 

Tagung „Inklusive Sozialplanung für das Alter(n)“ erreichte viele Kommunen und Einrichtungen in Westfalen-Lippe (25.11.2016, Münster)

Sehr gut besucht war die Fachtagung „Inklusive Sozialplanung für das Alter(n)“ am 03.11.2016 in Münster. Es trafen sich zahlreiche Vertreter*innen der Alten- und Behindertenhilfe im LWL-Landeshaus zu einer von der KatHO Münster und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe ausgerichteten Tagung.
Die Veranstaltung bildete den Rahmen der Abschlusspräsentation der Ergebnisse des Forschungsprojektes „SoPHiA“ („Sozialraumorientierte kommunale Planung von Hilfe-und Unterstützungsarrangements für Menschen mit und ohne lebensbegleitende Behinderung im Alter“), welches von Frau Prof. Dr. Sabine Schäper, Herrn Prof. Dr. Friedrich Dieckmann und Frau Prof. Dr. Christiane Rohleder von der Katholischen Hochschule NRW in Zusammenarbeit mit dem LWL, der Stadt Münster und dem Kreis Steinfurt ins Leben gerufen wurde.
Nach den einführenden Worten von Herrn Jürgen Kockmann, Leiter der Abteilung LWL Behindertenhilfe Westfalen, zu Beginn des Veranstaltungstages folgten zwei Fachvorträge. Frau Ursula Kremer-Preiß vom Kuratorium Deutsche Altershilfe thematisierte in ihrem Beitrag „Quartiersentwicklung und kommunale Sozialplanung für die Vielfalt von Menschen im Alter“ die Strukturprinzipien von Quartiersansätzen, Herausforderungen und Chancen bei der Umsetzung. Herr Prof. Dr. Johannes Schädler vom Zentrum für Planung und Evaluation Sozialer Dienste der Universität Siegen stellte aus der Perspektive der kommunalen Teilhabeplanung für älter werdende Menschen mit Behinderungen Chancen und Herausforderungen feldübergreifender Ansätze dar. Die Projektleitenden stellten im Anschluss daran zentrale Ergebnisse des Projektes „SoPHiA“ vor. Die Tagungsteilnehmenden hatten dann in fünf verschiedenen Workshops die Möglichkeit, unterschiedliche Aspekte einer inklusiven Sozialplanung zu diskutieren.
Im Workshop von Bianca Rodekohr (KatHO Münster, wiss. Mitarbeiterin) und Christine Menke (Stadt Münster, Sozialplanerin) zur sozialräumlichen Analyse und Berichterstattung unter Einbezug von Geographischen Informationssystemen (GIS) ging es insbesondere um Chancen und Hindernisse der GIS-Einbindung in die Sozialplanung. Die Gestaltung von Kooperationen mit externen Partnern in Bezug auf Datenaustausch, Analysen und Planungen sowie eigene Erfahrungen mit kommunalen (Sozial-)Berichterstattungen wurden von den Teilnehmenden rege und kritisch diskutiert.
Der Workshop zu Partizipation von Bürgerinnen und Bürgern mit besonderem Blick auf „schwach vertretener Interessen“ wurde von Michael Katzer (KatHO Münster, wiss. Mitarbeiter) und Frank Woltering (Kreis Steinfurt, Stabsstelle Sozialplanung) geleitet. Nach einem Impulsbeitrag veranschaulichten viele Beispiele der Workshop-Leitenden und der Teilnehmenden Prozesse, Chancen und Hindernisse bezüglich der Partizipationsmöglichkeiten im Rahmen von Sozialplanungsprozessen. Die verschiedenen Blickwinkel der am Prozess beteiligten Sozialplaner_innen, Mitarbeiter_innen der Institutionen, Betroffenen sowie der Wissenschaft wurden deutlich gemacht. Besonders eindrücklich war die kritische Rückmeldung eines Menschen mit Sehbeeinträchtigung zur Sichtbarmachung aller Zielgruppen partizipativer Prozesse. Eingefordert wurde außerdem eine Orientierungshilfe zur Gestaltung inklusiver Sozialplanung, welche absehbar durch die Erscheinung des Manuals „Inklusive Sozialplanung für Menschen im Alter“ (Schäper, Dieckmann & Rohleder, 2017) eingelöst werden kann.
Prof. Dr. Friedrich Dieckmann (KatHO Münster), Walter Rott (Kreis Steinfurt, Leitung des Amtes für Soziales und Pflege) und Yvonne von Kegeler (Stadt Münster, Sozialplanung und Quartiersentwicklung) leiteten einen Workshop zur Einbettung inklusiver Sozialplanung in kommunale Planungsstrukturen und –prozesse. Es entwickelte sich ein Erfahrungsaustausch zwischen den Referierenden und den Teilnehmenden. Thematisiert wurde unter anderem die Fragestellung, ob und inwiefern Kommunen, Städte und Gemeinden in die Arbeit miteinbezogen werden.
Der Workshop zu Prozessmodellen und Arbeitsschritten inklusiver Sozialplanung, moderiert von Prof. Dr. Sabine Schäper (KatHO Münster), Renate Siegert (LWL Behindertenhilfe Westfalen) und Dr. Susanne Graumann (KatHO Münster), setzte sich konkreten Prozess-Schritten inklusiver Sozialplanung auseinander. Die Teilnehmenden diskutierten bereits erfahrene oder vermutete Hindernisse und wichtige Gelingensfaktoren für eine inklusive Planung in der Kommune.
Die Auseinandersetzung mit einer „inklusiven“ Evaluation von Planungs- und Beteiligungsprozessen wurde im Workshop von Prof. Dr. Christiane Rohleder (KatHO Münster) und Doris Rüter (Stadt Münster, Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen) thematisiert. Im Austausch mit den Teilnehmenden wurden Fragen zur Handhabbarkeit einer Evaluation in Leichter Sprache und der Unterstützung durch Assistenz beantwortet sowie weitere Umsetzungsmöglichkeiten diskutiert.
Die abschließende Podiums- und Plenumsdiskussion zu Chancen und Herausforderungen einer inklusiven Sozialplanung aus Sicht der Kommunen – für diese Perspektive standen Florian Meyer von der Stadt Münster und Frank Woltering vom Kreis Steinfurt zur Verfügung – einerseits und der LWL Behindertenhilfe Westfalen andererseits bot Raum für die Darstellung von Erfahrungen aus dem Projekt und für die Entwicklung von Zukunftsperspektiven. Schließlich öffnete der Moderator der Podiumsdiskussion, Herr Prof. Dr. Friedrich Dieckmann, den Raum für Anmerkungen und weitergehende Fragen aus dem Publikum.

Weiterführende Links zur Tagung und anderen Materialien:
Informationsmaterial zum Projekt SoPHiA und Präsentationsfolien der Tagung: www.katho-nrw.de/sophia

Informationen zum Manual „Inklusive Sozialplanung für Menschen im Alter“ als Buchveröffentlichung (erscheint voraussichtlich 2017):
www.kohlhammer.de/wms/instances/KOB/appDE/Vorschau/Inklusive-Sozialplanung-fuer-Menschen-im-Alter/

Das Projekt SoPHiA wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Förderlinie „SILQUA-FH“ von 09/2012 bis 09/2015 unter dem Förderkennzeichen 03FH010SX2 gefördert.

 


Text und weitere Informationen:
Marina Schramm und

Ines Röhm: i.roehm(at)katho-nrw.de

Bilder:
Kim Hoffmann

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2014