Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

„Schau hin, wenn es um Alltagsrassismus geht!“ Forum an der Piusallee an der KatHO Münster (12.11.2014, Münster)

Ayse Cindilkaya, Tasnim Baghdadi, Kübra Gümüsay, Karim Fereidooni, Prof. Dr. Brigitte Hasenjürgen

Prof. Dr. Ursula Tölle begrüßt das Publikum und stellt das Veranstaltungsformat vor

Ca. 250 interessierte Gäste im Hörsaal der KatHO Münster

Anne Kolkmann stellt SEKA Projekt vor

Logo Forum an der Piusallee der KatHO Münster

Am 4.11. von 18.30-21.00 Uhr fand an der KatHO Münster das zweite Forum an der Piusallee mit dem Thema "Geschichten der anderen - Momente, in denen wir zu "anderen" (gemacht) werden!" statt. Dass das Thema der Veranstaltung ein gesellschaftlich relevantes ist zeigte sich an ca. 250 Interessierten, die zuhörend und mit diskutierend im Hörsaal der KatHO Münster zu Gast waren. Bereits vorab wurde die KatHO Münster von zahlreichen münsteraner Institutionen, Organisationen, dem Einzelhandel sowie Privatpersonen bei der Bewerbung der Veranstaltung unterstützt.

Herzlich begrüßte die Prodekanin Prof. Dr. Ursula Tölle die Anwesenden und lud sie ein zum Zuhören, Nachdenken und Mitdiskutieren. „Vor einigen Jahren wäre diese Veranstaltung nicht möglich gewesen – der alltägliche Rassismus war kein Thema an den Hochschulen; und es wären auch nicht so viele Leute wie heute gekommen.“ führte Prof. Dr. Brigitte Hasenjürgen inhaltlich in den Abend ein. Denn erst ganz allmählich werde Rassismus in all seinen Facetten ernster genommen. Haltungen werden zunehmend auch dann als rassistisch erkannt, wenn sie statt in Bomberjacke und Springerstiefel in Anzug und Krawatte oder auch in Röcken und Turnschuhen daherkommen. Soziale Bewegungen und zivilgesellschaftliche Organisationen auf sich die Auseinandersetzung mit Rassismus in ihre Agenda aufgenommen.  

Die Hauptreferentin des Abends, Kübra Gümüsay -  Politikwissenschaftlerin, Journalistin, Bloggerin und Aktivistin setzt sich seit Jahren gegen Alltagsrassismus und strukturellen Rassismus ein. Sie ist u.a. Gründerin des Netzwerks Zahnräder, in dem sich junge Muslime in Deutschland kulturell und politisch engagagieren. In ihrem Blog ein-fremdwoerterbuch.com, der für den Grimme Online Award nominiert wurde, schreibt sie über Politik und Gesellschaft, Feminismus und Islam. Letztes Jahr initiierte sie mit anderen den Hashtag #SchauHin sowie den #SchauHin Story Salon gegen Alltagsrassismus im deutschsprachigen Raum, in dem Nutzer_innen von ihren Diskriminierungserfahrungen berichten.

Dass Alltagsrassismus schwer greif-, an- und besprechbar ist veranschaulichte Kübra Gümüsay eindrucksvoll in ihrem Vortrag. Gesellschaftliche Probleme und Missstände müssen benannt werden, um handlungsfähig zu werden und Präventionsmaßnahmen möglich zu machen, betonte sie und verwies auf das mehrheitliche Versagen im Umgang mit Thilo Sarrazin. „Wir haben Hemmungen, Probleme als das zu benennen, was sie sind. Sprechen über Rassismuserfahrungen ist Macht, gehört zu werden bedeutet Macht und hierfür müssen Räume geschaffen werden“ so Gümüsay.

Einer dieser Räume war der Hörsaal der KatHO Münster. Die drei Erzählenden Tasnim Baghdadi, Karim Fereidooni und Ayse Cindilkaya berichteten nacheinander von ihren persönlichen Rassismuserfahrungen bei der Arbeit, beim Einkaufen, im Bus - durch Blicke, (in)direkt geäußerte Vorurteile, abwertendes Verhalten, das Wegschauen der umstehenden Personen. „Ich dachte, das muss ich ertragen und wurde zu jemand anderem gemacht.“ so Cindilkaya in einer Geschichte aus ihrer Kindheit.

Sehr deutlich wurde im Verlauf des Abends auch durch die abschließende Diskussion im Publikum die gesamtgesellschaftliche Verantwortung im Umgang mit Alltagsrassismus. Denn alle Menschen haben rassistisches Wissen in sich und können sich rassistisch verhalten. Wichtig sei jedoch zu verstehen, Menschen aufgrund einer rassistischen Handlung / Äußerung nicht direkt als Rassist_innen zu verurteilen, gleichwohl jedoch sensibel zu sein, Augen und Ohren zu öffnen, dem Schweigen entgegenzuwirken und zu reagieren. „Schau hin!“

Ein herzliches Dankeschön gilt auch AStA und StuPa für ihren Getränkeverkauf, mit dem sie 286,43 € Spenden für das  „SEKA“ Projekt in Gorazde/Ostbosnien eingenommen haben.

Interessiertenliste

Interessierte können sich in den e-mail Verteiler aufnehmen lassen und werden 2-3 Mal jährlich über die nächste Veranstaltung des Forums an der Piusallee informiert. Mail an Doris Eberhardt: d.eberhardt(at)katho-nrw.de 

Text: Doris Eberhardt, Bilder: Michael Katzer

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