Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Wolfgang Wetzel

„Was machen Sie beruflich?“

„Ich leite – seit 1998 – die Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle für Suchtfragen beim Caritasverband Zwickau. Zwickau ist eine 90.000-Einwohner-Stadt im Südwesten Sachsens, manchen bekannt als Geburtsort Robert Schumanns, als Gründungsort der Automobilfirma  Audi  oder als Produktionsort des DDR-Kleinwagens „Trabant“.“

„Welche Ausbildung haben Sie gemacht bzw. was haben Sie studiert?“

„Ich bin ein DDR-Fossil. Ich bin Jahrgang 1968 und stamme aus einer christlich-kirchlich aktiven Herkunftsfamilie. Dies brachte es mit sich, dass mir der SED-Staat Abitur und Studium verweigerte. Ich absolvierte deshalb zunächst eine Krankenpflegeausbildung, spezialisierte mich dort aber noch zu DDR-Zeiten auf die Suchthilfe. Als 1989/1990 die so genannte Wende kam, war ich bereits werdender Vater eines  Kindes – ein langjähriges „Studentenleben“ mit den dazugehörigen finanziellen Zwängen wollte ich unserer Familie nun nicht mehr zumuten. Weiterhin in der Suchthilfe tätig nutzte ich deshalb die Möglichkeit eines berufsbegleitenden Studiums der Sozialarbeit/Sozialpädagogik an der Evangelischen FH Dresden. Mitte der 1990er Jahre absolvierte ich dann noch eine dreijährige suchtspezifische systemisch-familientherapeutische Weiterbildung in Berlin.“

„Warum haben Sie sich für den Weiterbildungsmaster an der KatHO entschieden?“

„Die Entscheidung war zunächst ganz pragmatisch: Ich wollte in unserer Suchtberatungsstelle die ambulante medizinische Rehabilitation implementieren. Dafür muss die Beratungsstelle eine bestimmte Wochenstundenzahl Personal vorhalten, die die dafür von der Rentenversicherung anerkannte Zusatzausbildung vorweisen kann, und systemisch-familientherapeutische Ausbildungen zählen da nicht. Dies halte ich bis heute für Quatsch, aber so war und ist es eben. Also musste ich mich noch mal einer „großen“ Weiterbildung widmen und dachte mir: Wenn schon, dann richtig und umfassend. Und da schien mir das Angebot zum Masterstudiengang in Köln konkurrenzlos. 2005 bis 2009 habe ich dann an der KatHO berufsbegleitend studiert.“

„Können Sie in Ihren Worten beschreiben, was Sie in dem Studiengang gelernt haben? Was ist das Besondere an dem Studiengang?“

„Selbstverständlich kann ich das! Es geht dabei ja gerade um das Alleinstellungsmerkmal dieses Studiengangs!
Die üblichen suchtspezifischen Weiterbildungen für MitarbeiterInnen in der Suchthilfe sind nach meiner Einschätzung zu eng geführt auf therapeutische Qualifikation. Moderne professionelle Suchthilfe muss neben therapeutischer Kompetenz aber ebenso über suchtmedizinisches, juristisches und suchtpolitisches Grundwissen verfügen. Da ist der Masterstudiengang Suchthilfe nach meiner Einschätzung auch heute noch die einzige suchtspezifische Weiterbildung in Deutschland, die dieses für die Bedürfnisse moderner Suchthilfe erforderliche Portfolio wirklich abdeckt. Der Masterstudiengang Suchthilfe bietet eine solide Ausbildung in Kognitiver Verhaltenstherapie für Abhängigkeitskranke – aber daneben eben auch noch in den anderen genannten Disziplinen.“

„Wie studiert es sich an der KatHO?“

„Der Abschluss meines Masterstudiums liegt nun auch schon wieder über 5 Jahre zurück. Ich kann Ihnen nur sagen, dass mich die Studienzeit in Köln so nachhaltig beeinflusst hat, dass ich bis heute die „Kölner Netzwerke“ mit großer Freude weiterhin pflege. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer unseres Studienganges von damals treffen sich bis heute mindestens alle zwei Jahre, weil uns das Studium damals offenbar so sehr geprägt und bereichert hat.“
„Wie haben Sie den Spagat zwischen Beruf und Studium gemeistert?“
„Jeden zweiten Freitag und das Wochenende aus der sächsischen Provinz nach Köln und zurück – das war schwierig. Mir kam damals die Billigflieger-Ära zugute – bei langfristiger Buchung brachte mich Germanwings ab Dresden oder Leipzig für 50 Euro damals nach Köln und zurück. Ökologisch fragwürdig, das muss ich zugeben, ganz zu Recht geht das heute nicht mehr ganz so billig – andererseits gibt es ja momentan Fernbusse zu lächerlichen Kampfpreisen. Aber die zusätzlichen Kosten, zum Beispiel die teuren Übernachtungen in Köln, waren tatsächlich ein finanzieller Kraftakt. Dennoch habe ich das Studium nie bereut, weil es jeden investierten Euro wert war. Heute könnte ich das Masterstudium ja zum Beispiel auch in Berlin absolvieren, da komme ich von Zwickau aus in zwei Stunden mit der Bahn hin. Vor knapp zehn Jahren ging es aber nur in Köln.“

„Mit welchen Argumenten würden Sie KollegInnen das Studium empfehlen?“

„Alles bereits gesagt.“

„Wie sieht Ihre berufliche Zukunft aus?“

„Ach wissen Sie, viele Kolleginnen und Kollegen in Deutschland denken, dass das Leben hier in der ostdeutschen Provinz trist ist. Ich weiß das besser: Mitteldeutschland ist so reich an Kulturgeschichte und schönen Städten und Landschaften – man kann hier sehr gut leben. Deshalb werde ich wohl weiterhin hier in Zwickau bleiben und dafür Sorge tragen, dass den Menschen in diesem südöstlichen Zipfel Deutschlands eine moderne und professionelle ambulante Suchthilfe zur Verfügung steht.“

Interview: Julia Uehren

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2019