Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Teilhabe in Armutslagen – Studie zu Sozialpässen in Nordrhein-Westfalen (29.04.2020, KatHO NRW)

Der Sozial-Wissenschaftsladen, der die Studie begleitet hat, ist ein Pilotprojekt des s_inn-Transfernetzwerks.

Armutsbetroffene Menschen können oft nur schwierig am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Mit der Einführung des Sozialpasses, wie z.B. des Köln-Passes, soll Menschen und Familien mit wenig Geld die Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben ermöglicht werden. Eine Studie des Sozial-Wissenschaftsladens hat die Verbreitung und Gestaltung von Sozialpässen in Nordrhein-Westfalen untersucht.

Sozialpässe berechtigen Menschen in Armutslagen dazu, vergünstigt Kultur- und Freizeitangebote sowie weitere Dienstleistungen in ihren Städten und Kommunen zu nutzen. Die Ergebnisse einer ersten Erhebung zeigen, dass etwa ein Drittel der Kommunen in Nordrhein-Westfalen einen Sozialpass ausgeben.

Zudem steigt die Wahrscheinlichkeit eines Sozialpasses, je größer die Kommune ist. In vielen Kommunen können ausschließlich Bezieher_innen von Sozialleistungen (zumeist nach SGB II und XII) einen Sozialpass nutzen. Geringverdiener_innen, deren Einkommen nur 10 Prozent über den ALG-II-Satz liegt, dürfen in etwa ein Fünftel der Fälle ebenfalls einen Sozialpass beziehen. Sozialpässe, die alle Zielgruppen einbeziehen, werden nur selten eingeführt. In vielen Fällen beschränkt sich der Leistungsumfang der untersuchten Sozialpässe auf Ermäßigungen im kulturellen Bereich.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass Kommunen Sozialpässe teilweise sehr unterschiedlich ausgestalten. Zudem sind im kommunalpolitischen Kontext weitere Faktoren zu berücksichtigen, die auf die Entscheidung für oder gegen einen Sozialpass einwirken. Hierunter fallen beispielsweise die Haushaltslage der jeweiligen Kommune sowie ihr tatsächliches Kultur- und Freizeitangebot.

Die Studie geht auf eine Anfrage des Netzwerks von Menschen mit Armutserfahrung NRW „Experten in eigener Sache“ und des Diözesan-Caritasverbands Köln zurück. Anna Liza Arp, Absolventin des Masterstudiengangs an der Katholischen Hochschule NRW Abteilung Köln, hat die Anfrage im Rahmen ihrer Abschlussarbeit bearbeitet. Initiiert und begleitet wurde das Projekt vom Sozial-Wissenschaftsladen an der KatHO NRW. Auf Grundlage der Ergebnisse wird die Selbstvertretung von Menschen mit Armutserfahrung gemeinsam mit dem Caritasverband Köln in den folgenden Monaten Forderungen an die Politik erarbeiten und stellen.

Der Sozial-Wissenschaftsladen ist eine Anlaufstelle für Praxis und Zivilgesellschaft an der Hochschule. Praxisvertreter_innen, Betroffenenverbände und Bürger_innen können sich mit Fragen und Ideen für Forschungsprojekte an den Sozial-Wissenschaftsladen wenden. Diese Anfragen werden dann an Professor_innen und Studierende vermittelt und können im Rahmen von Seminaren oder Abschlussarbeiten bearbeitet werden.

Kurzfassung der Studie: PDF-Download

Weitere Informationen: www.sozial-wissenschaftsladen.net/

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