Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Abschied und Aufbruch beim Neujahrsempfang– Ein freudiger und stimmungsvoller Abend im Fachbereich Sozialwesen in Köln (06.02.2020, Köln)

Studierende verabschieden Prof. Dr. Schwarzer

Prof. Dr. Schwarzer hält sienen Abschiedsvortrag

Applaus für Prof. D.r Schwarzer

Dekanin Prof. Dr. Hoff überreicht Prof. Dr. Schwarzer ein Abschiedsgeschenk

Prorektor Prof. Dr. Klein verabschiedet Prof. Dr. Schwarzer

Talkrunde mit den neuen Kollegen Prof. Dr. Böhm und Prof. Dr. Löwenstein

Der Chor der Abt. Köln

Nachdem der Hochschulchor die Gäste musikalisch begrüßt hatte, eröffnete Dekanin Prof. Dr. Tanja Hoff den Neujahrsempfang des Fachbereichs Sozialwesen der Abteilung Köln am 07.01.2020 im vollen Audimax: „Abschied und Aufbruch kennzeichnen diese Jahreszeit, aber auch diesen Neujahrsempfang!“

Neben der Hochschulleitung, Professor_innen, Mitarbeiter_innen waren zahlreiche Familienangehörige, Trägervertreter_innen, Lehrbeauftragte, Ehemalige und Freunde der katholischen Hochschule in die Wörthstraße gekommen, um Prof. Dr. Wolfgang Schwarzer zu verabschieden und die neuen Professoren Dr. Sebastian Böhm und Dr. Heiko Löwenstein zu begrüßen. „Generationenwandel erfordert nicht nur auf der Makroebene gesellschaftliche Bewältigung und Anpassung, sondern auch in Mesostrukturen wie Hochschulen“, begann die Dekanin die Verabschiedung und die Begrüßung der Professoren und somit den Auftakt des Abends.

Zunächst richtete die Dekanin ihr Wort an Prof. Dr. Wolfgang Schwarzer, Professor für Sozialmedizin und Psychiatrie seit 1991, für den mit dieser Verabschiedung und seiner baldigen Emeritierung auch ein persönlicher Wandel ansteht. Er wird als „guter Kollege und hoch angesehener und beliebter Lehrender fehlen.“ Sie griff in ihrer Ansprache den sie gemeinsam prägenden individualpsychologischen und -psychiatrischen Blick darauf, wie Menschen akute und anhaltende Anforderungen bewältigen können auf und führte daraufhin die verschiedenen Copingstrategien der psychologischen Bewältigungsforschung an, um Prof. Dr. Schwarzers vorbildhaftes Beispiel im Coping in der Hochschule zu verdeutlichen. Bezüglich seines emotionsbezogenen Copings gelang es ihm der stetigen Hochschuldynamik mit Gelassenheit zu begegnen und auch in „mancher turbulenten Sitzung besonnen und mit stillem verschmitzten Humor teilzunehmen.“ Zum kognitiven Coping stellt sie seine „wunderbare Distanzierungs- und Entfremdungstechnik“ in den Fokus, indem Prof. Dr. Schwarzer im Hochschulalltag mit „liebevollem Unterton von ‚unserer Anstalt‘“ gesprochen hat. Zu seinen Problemlöse- bzw. handlungsorientierten Bewältigungsstrategien gelang es ihm „Aufgaben und Anforderungen stets sach- und lösungsorientiert und unaufgeregt zu begegnen.“ Für Prof. Dr. Schwarzer standen die Lehre, die Anliegen der Studierenden und das notwendige Engagement in der Selbstverwaltung an erster Stelle. Studierende sahen und sehen in ihm einen „absolut tollen Professor“, der stets klare und hohe Anforderungen an die Studierenden stellte, aber vor allem das von den Studierenden begrüßt wurde. Dekanin Prof. Dr. Hoff beschließt ihre berührende Ansprache und übergibt ein Geschenk von den Kolleg_innen aus dem Fachbereich Sozialwesen der Abteilung Köln: „Deine klare Fachlichkeit, dein feiner Humor, deine hohe Integrität als Professor und deine absolute Selbstverständlichkeit in der Aufgabenübernahme und Verantwortung für unseren Fachbereich und unsere Studierenden werden uns sehr fehlen.“ Sie wünscht ihm und seiner Familie alles Gute.

Im Anschluss hielt Prorektor Prof. Dr. Martin Klein eine Rede, in der er Prof. Dr. Schwarzers vielseitigen Werdegang nachzeichnete und damit alle Gäste im Audimax zum Staunen brachte. Denn es wurde deutlich, dass Prof. Dr. Wolfgang Schwarzer im Laufe seines Lebens viele neue Wege ging und dadurch zu einem Gelehrten mit ungewöhnlich vielseitigen Kenntnissen in verschiedenen Gebieten der Wissenschaften wurde, sodass der Prorektor, von ihm als ‚Universalgelehrten‘ spricht. Prorektor Klein wünscht Prof. Dr. Schwarzer alles Gute und beschloss seine Ansprache mit einem zu seinem Lebensweg zutreffenden Zitat von Hermann Hesse: „Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.“

Daraufhin hielt Prof. Dr. Schwarzer seinen Abschiedsvortrag, der die Gäste erneut zum Staunen brachte, vor allem aber allen Anwesenden viel Freude bereitete. Passend zu der zuvor hoch gelobten Art und Weise der Lehre, hielt Prof. Dr. Schwarzer einen interessanten und humorvollen Vortrag, der durch eine bilderreiche Präsentation, die Gäste zum Schmunzeln und Lachen brachte. Prof. Dr. Schwarzer begann seinen Vortrag damit, dass er drei Pakete in seinem Gepäck hatte, als er im September 1991 im Fachbereich Sozialwesen der Abteilung Köln, der heutigen KatHO NRW, als Professor für Sozialmedizin und Psychiatrie, begann.
Erstens, seine Heimat und seine Jugend in Trier. Er stellt fest, dass es eine „Gnadengabe“ war in Trier, dem Rom des Nordens geboren zu sein. Er absolvierte sein Abitur an einem der ältesten deutschen Gymnasien, dem Friedrich-Wilhelm-Gymnasium. Das Gymnasium wurde 1561 von Jesuiten gegründet, welche ihn seit seinem 10. Lebensjahr prägten.
Zweitens, hatte er seinen Katholizismus im Gepäck. Er spricht von sich „als Kind des zweiten Vatikanus.“ Zunächst wollte er Jesuit werden und hat daher zwei Jahre Noviziat absolviert. Seine Ausbildung als Jesuit führte ihn zu einer anderen Lebensentscheidung, da er über diese das Krankenhaus kennenlernt, da jeder ein Pflegepraktikum absolvieren musste. Im Rahmen dessen hat er unter anderem ein Praktikum in der Kinder- und Jugendpsychiatrie absolviert. In seinen Praktika ist er das erste Mal in Kontakt mit kranken und leidenden Menschen gekommen, woraus sich sein Wunsch entwickelte Arzt zu werden.
Drittens, hatte er seinen Beruf als Arzt mitgebracht, welchen er nun seit 35 Jahren ausübt und ihm neben den fachlichen Kenntnissen wichtige Lebens- und Menschenerfahrung sammeln ließ. Zentral für Prof. Dr. Schwarzer in seinem Arzt-Sein ist „die Erfahrung der Brüchigkeit in der Normalität“, eine Erfahrung, die sich im Arzt-Sein durch die „tägliche Erfahrung verdichtet.“ Diesen Teil seines Vortrags beschließt er mit der Beantwortung der Frage: „Was haben mich die 35 Jahre psychiatrische und psychotherapeutische Tätigkeit gelehrt? Nur eine naturwissenschaftlich fundierte und sozialwissenschaftlich orientierte Psychiatrie ist eine gute Psychiatrie!“

Im zweiten Teil seines Abschiedsvortrags stellt Prof. Dr. Wolfgang Schwarzer den Bezug zu seiner Lehre und zur Sozialen Arbeit her und veranschaulichte dies für die Gäste an Beispielen aus der sozialarbeiterischen Praxis. Sein Resümee: „Sozialarbeiterische Kompetenz ist heute ohne fundiertes medizinisches und vor allem psychiatrisches Grundlagenwissen nicht mehr denkbar und das gilt nicht nur für Soziale Arbeit in ausgewiesenen Feldern der Psychiatrie, sondern für allen Bereiche der Sozialen Arbeit.“ Für die Studierenden aus der Fülle des medizinischen und psychiatrischen Wissens eine Auswahl zu treffen, dieses Wissen fachlich korrekt und verständlich zu vermitteln und stets den Bezug zu Sozialen Arbeit herzustellen, beschreibt Prof. Dr. Schwarzer als seine Aufgabe und noch viel mehr als seine „Mission“ in den letzten 28. Jahren. Im Zuge dessen bedankte er sich bei allen Mitarbeiter_innen der Hochschule, den Student_innen und den anwesenden Praxisvertreter_innen. Er ist Dankbar für 28 schöne und erfüllte Jahre an der Hochschule und freut sich nun auf seine Zeit mit seiner Frau und seiner Familie. Zum Abschluss seines Vortrags führte er ein Zitat von Robert Gernhard an: „>>Viel schon ist getan, mehr noch bleibt zu tun<<, sprach der Wasserhahn zu dem Wasserhuhn.“

Daran anschließend bedanken sich Jana Schick und Max Hecht, als Vertretung für die Studierenden, bei Prof. Dr. Schwarzer für seine zugewandte Art in der Arbeit mit den Studierenden und sein Talent, die medizinischen und psychiatrischen Grundlagen verständlich und immer mit einem Bezug zur sozialarbeiterischen Praxis zu verdeutlichen.

Der zweite Höhepunkt des Neujahrsempfangs war die Talkrunde mit den 2019 berufenen Professorinnen des Fachbereichs Sozialwesen. Die Dekanin Prof. Dr. Hoff begrüßte die neuen Professoren: Dr. Sebastian Böhm für die Professur Soziologie und Dr. Heiko Löwenstein für die Professur Theorien, Konzepte und Methoden der Sozialen Arbeit mit dem Schwerpunkt Inklusion und lud sie für die Talkrunde auf die Bühne ein. Prof. Dr. Böhms Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte liegen in der Familiensoziologie, im Work-Life-Interface, der Sozialstrukturanalyse und dem Thema Soziale Ungleichheit. Prof. Dr. Löwensteins Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte sind die Wissenschaft Soziale Arbeit, Inklusion und Teilhabe, Sozial- und Gemeindepsychiatrie, soziale Netzwerkanalyse, rekonstruktive Forschung, relationale und pragmatistische Theorieentwicklung. Den Gästen im Audimax wurde die Möglichkeit gegeben, Fragen an die neuen Professoren zu stellen.

Auf die Frage „Worauf freut Ihr Euch in den nächsten 30 Jahren an der KatHO NRW“ antwortete Prof. Dr. Sebastian Böhm, dass er sich freue eigene Ideen, mit denen er an die Hochschule gekommen sei, zu realisieren, Projekte gemeinsam mit den Studierenden voranzutreiben und ein gemeinsames Lernen zu ermöglichen. Prof. Dr. Heiko Löwenstein ergänzte, dass diese Frage auf zwei Ebenen zu beantworten sei: 1. Die Hochschule als Familie mit dem Kollegium, auf die man sich freuen kann, 2. Die fachliche Ebene, wobei seine beruflichen Fragen immer auch Lebensfragen seien, die Bezug nehmen auf gesellschaftliche Entwicklung: wie kann man Gesellschaft verändern, wie kann man Menschen emanzipieren, wie man die Gesellschaft gerechter machen? Dabei unterstütze ihn seine Arbeit mit diesen Fragen und den aktuellen Problemstellungen in der Gesellschaft zurechtzukommen. Das gemeinsame Denken und Diskutieren mit den Studierenden, wie man die Welt besser machen kann und das Wissen, dass diese später in der Sozialen Arbeit tätig sind, motiviere ihn, die nächsten Jahrzehnte an der KatHO NRW zu arbeiten.

Eine weitere Frage lautete: Welches Fachbuch muss man gelesen haben und warum? Prof. Dr. Löwenstein empfahl Klaus Mollenhauer „Einführung in die Sozialpädagogik“, der nach seiner Einschätzung nach vieles vorweggenommen hat und dies mutiger und konsequenter ausformuliert hat, was viele Jahre später von anderen Kolleg_innen in der Disziplin Sozialen Arbeit aufgegriffen wurde. Böhm empfahl einen Klassiker der Soziologie von Émile Durkheim über soziale Arbeitsteilung. In dem Werk erläutert Durkheim wie Gesellschaften voranschreiten und sich in der Moderne entwickeln. Diese Ausführungen haben bis heute Bestand. Zudem beschrieb er Durkheim als „Meister darin zu zeigen, dass Wissenschaft nicht nur ein theoretisches Spielfeld ist, sondern stets auch eine empirische Wissenschaft darstellt.“ Dekanin Prof. Dr. Hoff beendete den Talk mit abschließenden Worten zu den neu berufenen Professoren. Der Fachbereich und das Kollegium freut sich über die Bereicherung durch die neuen Professoren und auf viele kreative und entwicklungsorientierte gemeinsame Jahre und wünscht ihnen alles Gute. Prodekanin Prof. Dr. Julia Steinfort-Diedenhofen schloss den feierlichen Akt mit einem Gebet zum Abend.

Wir bedanken uns bei der wunderbaren musikalischen Begleitung durch den Chor der Abteilung Köln, geleitet von Martin Kirchhübel.

Im Anschluss wurde im Foyer der Hochschule noch weiter gefeiert und es gab ausreichend Raum für persönliche Begegnungen. Das Dekanat bedankt sich bei allen Akteurinnen und Akteuren für den gelungenen Abend und wünscht Gottes Segen für 2020!

Weitere Informationen
Dekanat des Fachbereichs Sozialwesen (dekanat.swkoeln(at)katho-nrw.de)

Text und Bilder
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Nora Sellner

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2020