Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Youkoso – Studierendenexkursion der Sozialen Arbeit der KatHO NRW erneut willkommen in Japan (16.07.2019, Köln)

Besuch einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Tokyo

Besuch einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Tokyo

Seminar an der Hyogo Universität

Barbecue an der Hyogo Universität

Kawaii Kultur in Himeji

Besuch einer Gehörlosenschule in Hiroshima

Kinderdenkmal in Hiroshima

Kinderdenkmal in Hiroshima

Mit einem Abschlusstreffen zur Auswertung und Reflektion endete am 08.07.2019 in den heimischen Räumen der KatHO NRW, Abteilung Köln die diesjährige Japan-Exkursion des Fachbereichs Sozialwesen der Abteilung Köln.

Hier die Eindrücke der mitreisenden Studierenden:

Am 15. Mai ging es für 5 Bachelorstudierende, 3 Masterstudierende und den Dozentinnen Prof. Dr. Tanja Hoff und Dr. Ulrike Kuhn, Abteilung Köln, vom Flughafen Düsseldorf in das 16-stündige entfernte Tokio. Die 13- tägige Exkursion ermöglichte uns einen Einblick in die Teikyo University, die Hyogo University und die Hiroshima Bunka Gakuen University in den Städten Tokio, Himeji und Hiroshima. Bei den Universitätsbesuchen und den Praxiseinrichtungen hörten wir interessante Vorträge von Prof. Dr. Tanja Hoff und den japanischen Kooperationspartnern vor Ort. Dies erweiterte unser Verständnis bezüglich der aktuellen Situation der Sozialen Arbeit in Japan und schaffte einen Vergleich zu Deutschland.

Tokio
Überwältigend. Vielfältig. Japanischer Schritt.

Nach einem entspannten Flug begann unsere Reise im außergewöhnlichen Tokio. Wir besuchten eine Pflegeeinrichtung für Senioren und bekamen einen tollen Einblick in eine Demenz-WG. Außerdem durften wir uns eine Einrichtung für Menschen mit Schwerbehinderung und eine Einrichtung für psychisch- und suchtkranke Menschen anschauen. Die Tage in Tokio waren für uns ein gelungener Start in die Exkursion und haben unsere Neugierde auf die weiteren Tage erweckt. Nach dem trubeligen und lautem Tokio waren wir gespannt auf Himeji.    

Himeji
Burg der weißen Reiher. Gutes Essen. Universität mit realgetreuen Übungspuppen.
Nach der Weltmetropole Tokio ging es für uns mit dem Shinkansen in die 550.000 Einwohner Stadt Himeji. Getreu dem Motto „die Burg der weißen Reiher muss man einmal gesehen haben“ setzten wir dies in die Tat um. Wir können bestätigen, dass diesem Motto definitiv nachgegangen werden muss, da die Burg sehr beeindruckend war.
Auch die japanischen Professoren in Himeji hatten spannende Praxisbesuche für uns vorbereitet. Wir waren in einer Einrichtung für junge arbeitslose Menschen, die durch besondere Unterstützung wieder in das Arbeitsleben integriert werden sollen und in einem Seniorenheim. Besonders beeindruckend war für uns der technische Fortschritt der Hyogo Universität, da dort die Studierenden an realgetreuen Übungspuppen im Pflegestudium praktizieren können.
      
Hiroshima
Berührend. Lebhaft. Abschied.

Unser letzter Stopp war Hiroshima. Dort erwartete uns eine ganz andere Atmosphäre.
Am ersten Tag besuchten wir das Memorial Museum und setzten uns mit der verheerenden Atombombenkatastrophe von 1945 auseinander. Vor allem das Aufhängen der selbstgebastelten Kraniche an der Kindergedenkstätte berührte uns sehr. Neben weiteren kulturellen und historischen Orten standen weitere lehrreiche Praxisbesuche auf dem Plan. So besuchten wir eine Förderschule für Schülerinnen und Schüler mit geistiger Behinderung und oder Hörschädigung. Wir sind sehr dankbar die Möglichkeit bekommen zu haben ein Seniorenheim für Atombombenüberlebende besuchen zu dürfen. Nach einer Führung durch das gesamte Seniorenheim, hörten wir gespannt die Geschichte eines Zeitzeugens, welche uns sehr berührte. Mit einem letzten traditionellen japanischen Essen ließen wir die Exkursion ausklingen.

Abschließend können wir sagen, dass die Exkursion unsere fachlichen- und interkulturellen Kompetenzen herausgefordert, wie auch gefördert hat. Der Austausch mit japanischen Studierenden war ein großer Erfolg und wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle Frau Prof. Dr. Tanja Hoff für Ihr Engagement und die ganze Organisation dieser Reise, wie auch Frau Dr. Ulrike Kuhn, die als Begleitung und Unterstützung unsere Exkursion bereicherte.
„Kyoto Verlängerungsgruppe“ – Mara Benner, Stefanie Nesseler, Maren Schäfer, Vincent Wickert, Laura Zander, 2. / 5. Semester Bachelor Soziale Arbeit und 6. Semester Master Soziale Arbeit der Abteilung Köln


Was habe ich allgemein mitgenommen:
Mir ist schon zur Reisevorbereitung aufgefallen, dass Japaner ein anderes Menschen- und Gesellschaftsbild haben als wir Deutsche. In Japan steht der Kollektivismus im Vordergrund, das heißt dass das Individuum sich dem großen Kollektiv anpassen muss. Individualismus wird im Vergleich zur deutschen Kultur kleingeschrieben. Der Einzelne passt sich der Gruppe an und schaut was der Gruppe guttut und welch Schlechtes man vermeiden kann. Ansichten wie: Achtsamkeit, Respekt und des nicht im Wege sein – stehen im Vordergrund. Eigene Belange und Bedürfnisse werden zurückgestellt. Im Alltag habe ich dieses oft im Zug gesehen, dass die Fahrgäste zum Beispiel nicht gesprochen haben, sondern geflüstert oder Gespräche gemieden haben, um nicht der Allgemeinheit zu stören.

Bei den Praxisbesuchen oder bei den Gesprächen von den Professoren habe ich schnell wahrgenommen, dass die Bürger von Japan leben, um zu arbeiten und nicht arbeiten um zu leben. Sie identifizieren sich stark mit ihrem Beruf und setzen ihren Fokus auch auf ihn. Dies wird aber auch von der Gesellschaft gewollt, da die Sozialisation die Azubis oder Studenten drillt direkt zu arbeiten, weil sie sonst im Anschluss weniger Einkommen zur Verfügung haben. Das nimmt Heranwachsende schon ziemlich schnell den Gedankengang sich nach der Schule einen Auslandsaugenhalt oder Ähnliches zu widmen, weil sie sonst nicht mehr attraktiv für den Arbeitsmarkt sind.
Ebenfalls habe ich wahrgenommen, dass Japaner sehr pragmatisch Probleme lösen als die Deutschen. Beispiel: dass in Straßenbahnen ein Frauenwagon erschaffen wurde, wo nur weibliche Fahrgäste sich aufhalten dürfen, damit sie nicht von Männern betatscht oder ähnliches werden. In Deutschland wäre sicherlich eine andere Herangehensweise verfolgt worden.


Was habe ich im Bezug zur Sozialen Arbeit gelernt?

Ich fand den Personalschlüssel sehr erstaunlich. In Seniorenhäusern und Krankenhäuser herrscht ein ganz anderer Personalschlüssel als in Deutschland. Eine Fachkraft hat deutlich weniger Leute zu betreuen als in unserem Land. Ebenfalls finde ich interessant, dass der Pflegeberuf innerhalb eines Studiums erlernt wird und nicht anhand einer Ausbildung. Aufgrund des kollektiven Gedankens erkennt man schnell, dass die Heranwachsenden halt nicht zu selbst denkenden Wesen erzogen werden, sondern als Menschen die sich schon zu Beginn lernen zurückzuhalten und nicht aufzufallen, Individualisten werden nicht erwünscht haben da auch Probleme in dem System „zu überleben“.

Was habe ich persönlich gelernt – wovon ich etwas für mich mitnehme?
Ich fand großartig, dass Japaner in der Lage sind Privates und berufliches voneinander zu trennen. Sie bringen ihr Privates nicht mit in die Öffentlichkeit, sondern behandeln es privat. Sie versuchen aufeinander Rücksicht zu nehmen und haben intrinsisch verankert respektvoll und Achtsam miteinander umzugehen. Ich würde mir wünschen, dass wir Deutschen in manchen Situationen ein wenig mehr dieses Verhalten zeigen würden.  
Benedict Lieffertz, 2. Semester Master Soziale Arbeit der Abteilung Köln


Die Exkursion nach Japan war voller spannenden Ereignissen und hoch interessant. Es war sehr beeindruckend zu erfahren, inwieweit sich die Soziale Arbeit zu Deutschland unterscheidet als auch ähnelt. Eine niedrige Geburtenrate, wie schon in Deutschland festzustellen aber gefühlt kein anderes Land altert schneller als Japan.  Menschen jenseits der 90 sind ein fester Bestandteil der Gesellschaft, was sich als eine besondere Herausforderung im Pflegesystem erweist. Beeindruckend während des Besuchs verschiedener Einrichtungen war hier der gute Betreuungsschlüssel/ Personalschlüssel. Hier konnte man einen gewaltigen Unterschied zu Deutschland wahrnehmen. Tatsächlich stellt die schnell alternde und gleichzeitig schrumpfende Bevölkerung die Gesellschaft Japans vor ein großes Problem. Die Zahl derer, die sich um die Alten kümmern, schrumpft. Da dieses Problem zunehmend auch in Zukunft ein Problem in Deutschland darstellen wird, war es sehr spannend zu erfahren, welche Interventionen unternommen werden. Besonders beeindruckt hat mich die Pflegeausbildung in Japan, die wahnsinnig umfassend und sehr intensiv ist. Es wird vor Praxiseinsatz zunächst an menschlichen Puppen geübt, die täuschend echt aussehend und sogar Atmen und Blinzeln können, wo deren Vitalzeichen an Monitoren überwacht werden. Eine große Herausforderung stellte die Schwierigkeit in der Interaktion mit Studierenden dar aufgrund der Sprache. Die meisten Studierenden sprechen kein Englisch oder kaum Englisch. Viele, die vielleicht etwas Englisch sprechen könnten, trauen sich nicht zu sprechen aufgrund von Fehlern, die sie machen könnten. Hier war die Interaktion seitens unserer Studierenden aus Deutschland gefragt, um den japanischen Studierenden ihre Angst zu nehmen, was sehr gut geklappt hat. Alles in einem nehme ich viele Eindrücken und tolle Erfahrungen mit und bin sehr dankbar dafür, an dieser Exkursion teilgenommen haben zu dürfen.
Sabrina Goldyszewicz, 2. Semester Bachelor Soziale Arbeit der Abteilung Aachen

Als begleitende KatHO-Dozierende freuen wir uns besonders über eine weitere gelungene Exkursion mit vielen interkulturellen Erfahrungen und Begegnungen im professionellen Kontext der Sozialen Arbeit – und dies mit mittlerweile langjährig verbundenen Partnerhochschulen und Kolleg_innen. Über die durch die KatHO NRW ermöglichte kontinuierliche Austauschkultur können wir mittlerweile auf verlässliche und vertraute Strukturen in Japan zurückgreifen. Dass auch unsere mitreisenden Studierenden zu diesen gelingenden Kooperationen sehr viel beitragen können, macht sich beispielsweise an diesem Erfolg deutlich: Der Leiter des Seniorenheims für Atombombenüberlebende – davon existieren nur drei im Großraum Hiroshimas – hat uns nach dem diesjährigen Besuch eingeladen, auf jeden Fall bei der nächsten Exkursion, hoffentlich in 2020, sie wieder zu besuchen. Eine besondere Ehre, denn normalerweise werden solche Besuche nur sehr limitiert erlaubt. Daher danken wir auch unseren Studierenden für die inhaltlich und gruppendynamisch tolle gemeinsame Exkursion.
Prof. Dr. Tanja Hoff und Dr. Ulrike Kuhn, Fachbereich Sozialwesen der Abteilung Köln

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