Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Fachtagung Entwicklungszusammenarbeit: Soziale Arbeit muss sich einmischen! (04.06.2018, KatHO NRW)

Graphic Recording während der Fachtagung.

Dr. Claudia Lücking-Michel (AGEH) im Podiumgespräch.

Teilnehmer_innen in einem Workshop. (Fotos: Jens Wenzel)

Ein deutscher Geograph unterstützt Dörfer in Kolumbien dabei, ihre Rechte bei der Land- und Wassernutzung durchzusetzen, und ein Journalist baut in Osttimor einen Radiosender auf, damit dessen Programm über Frieden und Gerechtigkeit überall auf der Insel gehört und diskutiert werden kann. Und mit welchen Aufgaben können sich Sozialarbeiter_innen in der Entwicklungszusammenarbeit einbringen? Dr. Claudia Lücking-Michel beantwortet diese Frage und stellt Fachkräfte vor, die für einige Jahre ihre Expertise und Arbeitskraft in Ländern des globalen Südens einbringen. Lücking-Michel ist die Geschäftsführerin der AGEH, dem katholischen Personaldienst für Entwicklungszusammenarbeit, der eben solche Fachkräfte vermittelt und diese auf ihre Auslandseinsätze vorbereitet. Beim #socialworkgoesglobal-Fachtag am 24. Mai in der Abteilung Köln hielt sie den Gastvortrag am Abend. 100 KatHO-Studierende und ProfessorInnen, aber auch externe Teilnehmende hatten sich seit dem Nachmittag im Audimax zusammengefunden und folgten den Vorträgen und Impulsreferaten.

Im von Ute Soldierer moderierten Podiumgespräch stand Claudia Lücking-Michel gemeinsam mit Dr. Monika Többe-Schukalla, Professorin der KatHO Abteilung Paderborn, und Andreas Hennig, Projektleiter bei Engagement Global, Rede und Antwort. Auf die kritische Nachfrage, inwieweit denn der Fachkräftetransfer aus dem Norden in den Süden belehrend sei, antwortete die ehemalige Bundestagsabgeordnete: „Es geht nicht um besser können, sondern um anders können“ und verwies auf die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe und eine bereichernde Diversity. Andreas Hennig verantwortet bei Engagement Global die entwicklungspolitische Bildungsarbeit und lobte die Verantwortlichen an der Hochschule für ihre Offenheit: „Durch solche Veranstaltungen bringen sie die 17 Ziele für Nachhaltigkeit auch an Ihrer Hochschule ins Gespräch.“ Denn darum ging es schließlich bei der von KatHO und Engagement Global gemeinsam geplanten Fachtagung: Was kann die Soziale Arbeit zur Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung beitragen?

Prof. Dr. Monika Többe-Schukalla gab in ihrer eröffnenden Keynote erste Antworten: Soziale Arbeit sollte in der konkreten Entwicklungszusammenarbeit stärker als bislang mit anderen Professionen sowie politisch Verantwortlichen kooperieren, damit die eigenen Maßnahmen auch nachhaltig wirken. Zudem setzte die Politikwissenschaftlerin die Soziale Arbeit in einen interkulturellen und globalen Kontext: Die Ethnologie sei als weiteres Bezugsfach der Sozialen Arbeit notwendig, ein transnationaler Austausch in Ausbildung, Praxisgestaltung und Forschung wäre bereichernd. Angela Wittchen von Illu-Front hielt die Keynote live in Graphiken und Worten auf einem Chart fest.

Auf den Eröffnungsvortrag folgten Impulsreferate, deren Inhalte die Teilnehmenden in anschließenden Workshops diskutierten: Lars Wissenbach (Universität Siegen) legte seinen Fokus auf eine gleichberechtige Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in Partnerländern der Entwicklungszusammenarbeit. Die Soziale Arbeit sei hier als Schnittstelle gefordert zwischen einem sozialen Sicherungssystem auf der einen und den einzelnen Personen, die der Unterstützung bedürfen, auf der anderen Seite. Dr. Heinz Theisen, Politikprofessor der Abteilung Köln, sprach über Bildungsgerechtigkeit am Beispiel des Nahen Ostens: Wie kann Soziale Arbeit den Verlierern des globalen Wettbewerbs Chancen eröffnen und deren Anschlussfähigkeit an den Arbeitsmarkt erhöhen? Vortrag und Workshop von Serge Palasie (Eine Welt Netz NRW) befassten sich mit den Nachhaltigkeitszielen im Kontext von Flucht und Migration. Dabei machte er deutlich, dass die 17 Ziele nicht nur einen Entwicklungsbedarf im globalen Süden, sondern auch im globalen Norden sehen, wenn es darum gehe Ungleichheiten zu verringern. Bei „uns“ als Zielgruppe setzte der Workshop von der Nachhaltigkeitsexpertin und Designerin Dunja Karabaic (ökoRAUSCH) an. Sie zeigte anschaulich, was Kreativität und Kommunikation dazu beitragen können, dass sich mehr Menschen für sozial-ökologische Themen interessieren und vom Wissen ins Handeln kommen. Auch die Ergebnisse und Diskussionspunkte der vier Workshops wurden per Graphic Recording aufgezeichnet und mitgeschrieben. Die Charts sind aktuell im Foyer der Abteilung Köln ausgestellt.

Nach vier Stunden mit Vorträgen, Workshops und leckerer Verpflegung durch die „Nudelmafia“ fanden sich alle ReferentInnen und TagungsteilnehmerInnen motiviert zum bereits eingangs erwähnten Podiumgespräch im Audimax ein. Eine Forderung dort lautete: „Soziale Arbeit muss sich in die Entwicklungszusammenarbeit einmischen - in interdisziplinären Projekten vor Ort, aber auch hier in der Hochschule." Zahlreiche weitere Statements, Fragen und Antworten aus Plenum und Podium zeigten: Der Anfang davon geschieht gerade hier!

Und das Sich-Einmischen wird weitergehen – nicht nur, aber auch – am 12. Juni bei „KatHO NRW global engagiert!“ (18 bis 20 Uhr, Abt. Köln).

Fotos zur Fachtagung können Sie sich hier anschauen.

Die Fachtagung war der zweite Teil der Reihe #socialworkgoesglobal – Entwicklungszusammenarbeit & Soziale Arbeit, welche die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit Engagement Global - Service für Entwicklungsinitiativen am Standort Köln der KatHO NRW veranstaltet. Bereits stattgefunden hat die Foto-Vernissage & Diskussion zum Thema Religion & Entwicklungszusammenarbeit am 18. April. Der dritte und letzte Termin ist der 12. Juni, 18 bis 20 Uhr: KatHO NRW global engagiert! Best Practice.

Für weitere Informationen:
Alexandra Potratz (Tel.: 0221/7757-208, goingglobal(at)katho-nrw.de).

Redaktion:
Holger Walz (h.walz(at)katho-nrw.de)

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