Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

 

„Freundliche Distanz unter erschwerten Bedingungen“ (19.01.2018, Köln)

Prof. Dr. Werner Schönig bei der Präsentation

Alexander Stock (li) mit Mitarbeiterinnen der GAG und Studierenden

Die Studierenden und GAG Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bei der Präsentation

GAG-Delegation erhält Abschlussergebnisse einer Studierendenumfrage

„Ich freue mich, dass Sie da sind und die Studierenden hier in der Hochschule treffen“, eröffnete Professor Dr. Werner Schönig die Ergebnispräsentation der aktivierenden Bewohner/innen-Befragung in den „Elefantenhäusern“ am Ollenhauerring in Köln-Bocklemünd.
 
Im Rahmen des Seminars „Sozialraumorientierung“ der Abteilung Köln der KatHO NRW geleitet durch Professor Dr. Schönig, führten die Studierenden in Zusammenarbeit mit der GAG Immobilien AG diese Umfrage durch. Bei der Präsentation waren u.a. Alexander Stock, Abteilungsleiter im Bereich Sozialmanagement, Jutta Ponsar, Sozialarbeiterin im Sozialmanagement der GAG, Stefan Gisder ebenfalls vom Sozialmanagement, welche die Befragung gemeinsam mit Prof. Schönig organisierten sowie neun weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Immobilien AG anwesend.

Bei der Befragung im November 2017 besuchten die Studierenden in meist gemischten Zweierteams während der sogenannten Feldphase die Bewohnerinnen und Bewohner in den Gebäuden des Ollenhauerrings. Deren Beteiligungsquote lag bei knapp 50%, ein sehr gutes Ergebnis, welches wiederum auf das große Engagement der Studierenden und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der GAG zurückzuführen ist.

Heutzutage sind Nachbarschaften von einer freundlich-vorsichtigen Distanz geprägt, heißt es in dem Ergebnisbericht zur Umfrage. Die Menschen leben distanziert nebeneinander, zeigen sich aber kooperativ, wenn Hilfe in der Nachbarschaft nötig ist und bleiben dabei immer vorsichtig, um in der Nachbarschaft keine Probleme aufzubauen. Fühlen sich die Menschen in ihrer Umgebung ernstgenommen, ist besonders die eigene Wohnung und das Wohnumfeld in einem guten Zustand, so heißt es im Bericht weiter, lässt sich eine aktivierende Befragung durchführen und dadurch die Nachbarschaft stärken. Eine aktivierende Befragung bedeutet, Menschen zu unterstützen, damit diese sich für die eigenen Interessen in ihrem weiteren Wohnumfeld organisieren, einsetzen und solidarisieren.

„Das war eine krasse Performance“ zitierte Schönig seine Studierenden und leitete die Ergebnispräsentation ein. Nicht alle Ergebnisse konnten vorgestellt werden, aber die, aus Sicht der Studierenden, wichtigsten wurden ausgewählt. Die demografischen Daten beinhalteten, dass von den 77 Teilnehmenden 51 weiblich und 26 männlich sind. Davon machten 13 Personen keine Angaben zu ihrem Alter, der Großteil der Befragten ist über 41 Jahre alt. Die Befragten leben am häufigsten in zwei- und drei-Personen Haushalten (20 und 30 Befragte). Die Mehrheit der Haushalte ist kinderlos (29 Befragte) oder hat ein Kind (20 Befragte). Der Großteil der Teilnehmer und Teilnehmerinnen wohnt erst seit kurzer Zeit – bis zu zehn Jahren - in dem Haus, eine andere größere Gruppe wohnt seit bis zu 50 Jahren dort. Damit ist die Bewohner/innenschaft mit Blick auf die Wohndauer, aber auch andere Merkmale, nicht homogen, sondern in zwei oder mehr große Gruppen zu unterteilen, was für die Arbeit vor Ort eine Herausforderung darstellt.

Weitere Themen, die innerhalb der Umfrage angesprochen und deren Ergebnisse vorgestellt wurden, beinhalteten die Un- und Zufriedenheit mit der Wohnung, dem Wohnhaus und dem Wohnumfeld, das Unsicher- und Sicherheitsgefühl der Befragten, Möglichkeiten der Nutzung von Zuwege und Freizeitangeboten, die Bereitschaft der Aktivität zur Verbesserung der Nachbarschaft, sowie weitere Umstände, die sich auf die Lebensqualität und Nachbarschaft auswirken. Herauszustellen ist dabei, dass 30 Personen ihre Wohnung im Allgemeinen gefällt. Allerdings sorgen bei knapp der Hälfte der Befragten Wohnungsmängel dafür, dass sie nicht zufrieden sind. Die Interviewten machten ebenfalls Verbesserungsvorschläge. Dazu zählen die Renovierungen/Reparaturen der Wohnungen und des Wohnhauses (24 Personen), eine erhöhte Sauberkeit und die Entfernung von Ungeziefer (19 Personen), sowie die Erreichbarkeit der GAG oder einen Hausmeister, der permanent vor Ort zur Verfügung steht und das Schützen und Verbessern der Außenbereich (jeweils 11 Personen). Ebenfalls wurde konkretisierend nachgefragt, was den Bewohnerinnen und Bewohnern im Alltag fehle. Hierbei hatten über 50% der Befragten keine Vorschläge, 19% wünschten sich Angebote und Orte für Jugendliche, 8% eine bessere Kommunikation mit der GAG. Aber auch Einkaufsmöglichkeiten und Sauberkeit (jeweils 6%) wurden genannt. Sich aktiv zu engagieren, um die Situation zu verbessern, dazu wären 20% der Befragten bereit.

Angesichts der positiven und der negativen Bewertungen der Bewohner/innen zur Situation vor Ort, haben die Studierenden und Prof. Schönig Vorschläge zu nachhaltigen Situationsverbesserung im Rahmen eines Gesamtkonzeptes erarbeitet. Dazu zählen u.a. Sanierungen der Wohnungen und des Wohnhauses und das Einrichten eines Nachbarschaftscafés zur Förderung eines positiven nachbarschaftlichen Umgangs, sowie die Optimierung der Sicherheit und Hygiene und das Einstellen eines weiteren Hausmeisters. Von besonderer Bedeutung ist nach ihrer Ansicht das bereits erfolgte Bereitstellen eines Raumes für einen GAG Mitarbeiter/eine Mitarbeiterin unmittelbar im Gebäude, um die Kommunikation zu erleichtern. Aber zusätzliche Angebote, wie z.B. Hausaufgabenbetreuung, intensivere Kinder- und Jugendarbeit, Bewegungsangebote für Jung und Alt, Beratungsangebote für Integration und Familienhilfe würden nachhaltig die Situation verbessern.

In der anschließenden Diskussion wurden einige Punkte noch einmal präzisiert und die Studierenden konnten den GAG-Mitarbeiter/innen ergänzende Erläuterungen geben. Die Studierenden hatten so die Möglichkeit, ihre gewonnene Expertise vertiefend zum Ausdruck zu bringen und sie erhielten eine unmittelbare Rückmeldung seitens der GAG-Mitarbeiter/innen. So wurden Bereiche, wie die Beleuchtung, der Lärm, Barrierefreiheit, Rassismus, Drogenkonsum, aber auch die Erreichbarkeit der GAG, sowie das Sicherheitsgefühl konstruktiv mit weiteren Lösungsvorschlägen diskutiert.

Um das gesamte Ergebnis nachlesen zu können, bekam Herr Stock drei Ausgaben des gemeinsam verfassten Berichts, sowie 10 Ressourcenbögen, von Personen, die sich vor Ort besonders engagieren möchten und bei der aktivierenden Umfrage ausgefüllt wurden, überreicht. Die GAG bedankte sich bei Professor Dr. Schönig und den Studierenden mit einem kleinen Präsent für die konstruktive und gute Zusammenarbeit – ein Dank, den Professor Schönig gerne an die GAG erwiderte. Ein ganz besonderer Dank gilt den Studierenden des Seminars „Sozialraumorientierung“ für das besondere Engagement und die damit verbundene Extra-Arbeit bei der Entwicklung, Umsetzung und Auswertung der Befragung.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Werner Schönig (w.schoenig(at)katho-nrw.de // 0221 - 7757 145)

Text und Bilder
Dekanatsreferentin Julia Jung

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2014