Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

 

Soziale Kompetenz für die alternde Gesellschaft - KatHO NRW verleiht erste Zertifikate in Sozialgeragogik (26.09.2017, Köln)

Dass immer mehr Menschen immer älter werden, ist inzwischen allseits bekannt. Dass dies eine Herausforderung, aber auch eine Zukunftschance für viele gesellschaftliche Institutionen ist, wird zunehmend gesellschaftlich sichtbar. Ziel ist es, sich auf die Zielgruppe der „neuen Alten“ einzustellen und vorzubereiten.

Die Kath. Hochschule NRW in Köln hat nun erstmalig bundesweit neun Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Zertifikat als Sozialgeragogin/ Sozialgeragogen verliehen und ihnen damit bescheinigt, als Profis den demographischen Wandel mitgestalten zu können. Die Bandbreite der Einsatzfelder ist beachtlich: so kamen Teilnehmer aus eher traditionellen Bildungsorten, wie einer kirchlichen Familienbildungsstätte, oder Seniorenzentren, die ein umfangreiches Programm für die Bewohner anbieten. Aber auch aus Behörden oder Beratungszentren, in denen das Thema Alter und der richtige Umgang damit einen immer breiteren Raum einnimmt, hatten sich Teilnehmer angemeldet.

„Sozialgeragoginnen und Sozialgeragogen wirken aktiv dabei mit, neue Lernorte und Formen niederschwelliger oder auch zugehender Seniorenarbeit zu entwickeln“, so Prof. Dr. Julia Steinfort-Diedenhofen, eine der Initiatorinnen der Weiterbildung. Orte dafür sind zum Beispiel Begegnungsstätten, Bürgerzentren oder Mehrgenerationenhäuser. Da das Leben im Alter zunehmend von gesellschaftlichen Veränderungen geprägt ist, wird das Altern immer mehr zu einem Prozess ständiger Bemühungen um eine Balance und Neuorientierung. Alter ist Chance und Risiko zugleich, Lernaufgaben sind individuell: in Beziehungen und in der Gesellschaft. „Sozialgeragogen werden gebraucht, damit eine Gesellschaft des langen Lebens Gestalt annehmen kann“, so Steinfort-Diedenhofen.

Irmgard Boos-Hammes ist eine der Absolventinnen der ersten Zertifikatsweiterbildung und darf sich jetzt stolz „Sozialgeragogin“ nennen. In Köln-Chorweiler hat die Mitarbeiterin einer Kath. Familienbildungsstätte ein Drei-Generationen-Projekt umgesetzt: Großeltern, Eltern und Enkel besuchen eine Spielgruppe. Nicht nur die Kinder profitierten von dieser neuen Situation: „Viele vertrauensvolle und offene Gespräche sind geführt worden: Über die eigene Kindheit, die Zeit der Pubertät, das Verlassen des Elternhauses, Geschwisterrivalität/Geschwisterliebe, das Verhältnis zur Schwiegermutter, das Verhältnis zur eigenen Mutter“, führt Boos-Hammes aus. So wurde die Spielgruppe zu einem Ort, in dem es möglich war, begleitet durch die Sozialgeragogin, Missverständnisse und Konflikte auszuräumen, sich über Werte in der Erziehung und über Zukunftspläne auszutauschen.
Die Veränderung und Weiterentwicklung der institutionellen Ebene hatte Matthias Ziegler, Theologe beim Bistum Fulda, im Blick. Er bringt in seiner Arbeit Organisationen, Verbände und Einrichtungen zusammen, die sich mit älteren Menschen beschäftigen und so gemeinsame Ansatzpunkte und Zielgruppen haben. Das von ihm koordinierte Seniorennetzwerk Fulda „will die pastoralen Initiativen im Bistum Fulda bündeln und so eine generationensensible Pastoral fördern, die auf die Unterschiedlichkeit der Menschen und ihrer Lebensthemen Rücksicht nimmt und darauf mit differenzierten Konzepten und Angeboten ihrer (Netzwerk)Mitglieder antwortet“, so Ziegler. Bildungseinrichtungen, Pflegeinstitutionen, Soziale Dienste und Verbände, das Seelsorgeamt und freie Gruppen werden dazu vernetzt und erhalten Unterstützung und einen verlässlichen Rahmen.
Die Weiterbildung spricht damit Menschen an, die bereits jetzt in Feldern der Altenbildung arbeiten und sich weiter qualifizieren möchten, ist aber auch hilfreich für alle, die die Geragogik gerade erst als Thema Sozialer Arbeit neu entdecken und darin weiter beruflich Fuß fassen möchten. Mit der bundesweit ersten Verleihung eines Zertifikates zur Sozialgeragogin/ zum Sozialgeragogen habe die KatHO NRW damit auch eine Lücke schließen wollen, so Prof. Dr. Michael Ziemons, Prodekan und Mit-Initiator der Weiterbildung: „Um die Gesellschaft auf die Herausforderungen des demographischen Wandels vorzubereiten, braucht es qualitativ gut ausgebildetes und kompetentes Personal, nicht nur schöne Worte“, so Ziemons. Es reiche nicht, Senioren mit Angeboten zum ehrenamtlichen Engagement zu kommen, nach dem Motto: „Wir sind froh, wenn jemand die Arbeit für uns macht“. Sozialgeragogik nehme die Menschen und ihre Bedürfnisse in den Blick und wolle zu einem guten Miteinander der Generationen beitragen, von denen alle Beteiligten nur profitieren könnten. Dazu müsse vor allem das Personal gut ausgebildet sein. Viele Einrichtungen hätten noch nicht die vielfältigen Chancen entdeckt, die sich mit der alternden Gesellschaft ergeben würden, so Julia Steinfort-Diedenhofen, die daher dazu ermuntert, aktiv an der Weiterentwicklung der Sozialgeragogik mitzuwirken: „Da stehen noch viele Wege und Zugänge offen“, so die Geragogin.

Die nächste Weiterbildung startet 2018.

Text und weitere Informationen:

Prof.´in Dr. Julia Steinfort-Diedenhofen (j.steinfort-diedenhofen(at)katho-nrw.de // 0221 - 7757 360)
oder: www.katho-nrw.de/katho-nrw/weiterbildung/seminarangebot/

 

 

 

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