Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

 

 

Zeit Campus – Talk mit Cordula Stratmann (27.06.2017, Köln)

Cordula Stratmann (3.v.l.), Prodekan Ziemons (1.v.l.) und Mitarbeiter_innen und Studierende der KatHO, Abt. Köln

Cordula Stratmann beantwortet Publikumsfragen

Prodekan Prof. Dr. Ziemons bei der Begrüßung

Cordula Stratmann und ZEIT Campus Moderatorin Leonie Seifert

Trotz sommerlicher Hitze kamen rund 80 Personen zum „Zeit Campus – Talk“ in der Aula der Katholischen Hochschulgemeinde, um einen unterhaltsamen Abend mit Cordula Stratmann zu verbringen.

„Die Bewerbungsfrist an der staatlichen Fachhochschule war schon verstrichen. Da habe ich mich bei der KFH beworben.“ Beim  „Zeit Campus – Talk: In der Mensa mit…“ erzählte Cordula Stratmann über ihre Studienzeit an der Abteilung Köln der KatHO NRW (damals noch KFH), ihre Arbeit als Familientherapeutin und ihr Leben als Komödiantin

Sie studierte von 1984 bis 1989 an der damaligen KFH, an der Abteilung Köln erfolgreich Soziale Arbeit. So kamen Studierende und Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Abteilung Köln, aber auch Interessierte zum Talk, um einen Eindruck von der Komödiantin und Sozialarbeiterin zu bekommen.

Prodekan Prof. Dr. Michael Ziemons stellte bei der Begrüßung des Publikums einen Auszug aus dem obligatorischen Motivationsschreiben Stratmanns vor. Sie sei in einer sehr katholischen Familie geprägt worden und ebenso stark in der katholischen Jugendarbeit engagiert gewesen, zitierte Ziemons aus ihrem Motivationsschreiben – „Hallo, das war ein Bewerbungsschreiben!!!“ so Stratmanns Zwischenruf.
 „Man darf sich auch nicht hetzen lassen!“, lautete ihre Antwort auf die Frage nach dem Grund für ihre etwas längere Studienzeit. Gespräche mit den WG-Mitbewohnern und Mitbewohnerinnen waren ihr zur Weiterentwicklung ihrer professionellen Haltung oft sehr wichtig– „und da wirkte ein Dozent nur störend“.

Sie selbst sah sich eher als den praktischen Typen an. Besonders die Praktika machten ihr viel Freude. Die Praxisanleitung beobachten, übertragene Aufgaben umsetzen und sich im Praktikumsbericht reflektieren. Gerade Letzteres hielt sie für sehr wichtig, da dies „wertvolle Momente der Auseinandersetzung“ bot.

Ein Publikumsgast fragte nach, welche Fächer die gelernte Sozialarbeiterin denn heute interessieren könnten. Die Antwort fiel ihr leicht: Methoden der Sozialen Arbeit fände sie heute immer noch interessant, genauso wie die Psychologie. Der Master Ehe-, Familie- und Lebensberatung, der an der KatHO NRW angeboten wird, wäre eventuell heute eine Alternative zur berufsbegleitenden familientherapeutischen Ausbildung für sie.

Nachdem die Studienzeit vorbei war, begann Stratmann ihre Arbeit als Sozialarbeiterin bei einer Beratungsstelle im Jugendamt Pulheim.
Bei dieser Tätigkeit hatte sie mit allen sozialen Milieus Kontakt und versuchte die Schwierigkeiten mit den Familien zu lösen. Während dieser für sie wertvollen Aufgabe absolvierte sie berufsbegleitend die Ausbildung zur Familientherapeutin. Wie bei der sozialen Arbeit typisch, hatte auch sie Fälle, die sie ratlos machten oder thematisch erst einmal verarbeitet werden mussten. „Mein Humor hilft mir grundsätzlich bei allem“ war ihre Reaktion auf den Umgang mit belastenden Situationen. Humor bedeutet nicht ständige Lachkrämpfe, wie so viele missdeuten, sondern Zuversicht.
Als Therapeutin hat sie sich selbst als eine Ansprechpartnerin mit Humor eingeschätzt. In einer traurigen oder belastenden Situation kann es helfen, mit der Kraft des Humors aus der Eskalation heraus und Distanz zum Geschehen zu finden, um neue Lösungen zu suchen.

Während ihrer Zeit in der Familienberatung bekam sie die Einladung zu einem Casting als Moderatorin für eine Comedy-Show. Vorbereitet hat sich die Komikerin auf diese Situation ganz spontan während der Bahnfahrt dorthin. Sie überzeugte die Jury und bekam die Zusage, acht Folgen für diese Show zu drehen. Im Anschluss daran musste sie sich entscheiden, ob sie den Schritt in die neue, komödiantische Welt gänzlich wagt oder in ihrem alten Leben bleibt, denn für die Dreharbeiten hatte sie ihren Jahresurlaub verbraucht, der Sender wollte aber weitere Folgen produzieren.
Die Neugier auf neue Erfahrungen in einer gänzlich fremden Welt hat ihre Entscheidung schlussendlich beeinflusst.
Ihre Arbeit im Fernsehen oder auf der Bühne bezeichnet die gelernte Sozialarbeiterin als „Verabredung“. Die Leute kommen bewusst zu ihr oder schalten ein, um ihr Programm zu sehen. Werden die Erwartungen des Publikums nicht erfüllt, so handelte es sich aus ihrer Sicht um eine „falsche Verabredung“. Diese positive Haltung spiegelt sozialarbeiterische Werte wider. Ihre falsche Verabredung mit den Emmelshausenern im Hunsrück amüsiert sie noch heute. Am liebsten hätte sie von der Bühne in die bewegungslose Menge gesagt: „Oje, ihr findet mich nicht lustig, mir macht es keinen Spaß mit Euch – sollen wir nicht einfach alle nach Hause gehen und da ein leckeres Bier trinken?“ Das habe sie sich aber leider damals nicht getraut. Heute würde sie das ausprobieren.

Wer die Entwicklung der Komödiantin über die Jahre verfolgt hat, weiß, dass sie viele verschiedene Figuren verkörpert. Ihre bekannteste ist „Annemie Hülchrath“. „Ich habe mich noch nie selbst verwechselt!“, und das, obwohl ihre Rollen alle auch etwas von ihr selbst haben. Weitere Anregungen zur komödiantischen Ausgestaltung holt sie sich im Alltag – im Bus, beim Metzger, auf der Straße.

Im „Social Media“ Bereich ist Stratmann nicht vertreten. „Ich gehe davon aus, dass, wer meine Arbeit mag, mich nicht vergisst. Und wer mich vergisst, der braucht mich auch nicht, um den rudere ich nicht bei Instagram.“ Außerdem findet sie, dass die Distanz verloren geht, wenn sich öffentlicher und privater Raum dermaßen überschneiden.
Auch ist Konkurrenz unter Komödiantinnen kein Thema für sie. Denn jede hat sich ihr eigenes Feld erschlossen und so fragt ein Produzent/eine Produzentin bewusst die Komikerin an, die diese/r braucht.

Ihr Ziel bei den Besuchern sei es immer, eine gute Zeit auszulösen. Wir hatten auf jeden Fall eine gute, amüsante Zeit und konnten immer wieder die sozialarbeiterisch geprägte Grundhaltung und das wertschätzende Menschenbild der Familientherapeutin wahrnehmen.

Wir möchten uns auf diesem Wege noch einmal bei Cordula Stratmann und dem Team von „Die Zeit“ für den tollen Talk bedanken.

Und denken Sie immer dran: „Alles wird immer besser!“, wie es uns die Komikerin und Familientherapeutin noch mit auf den Weg gegeben hat.

Weitere Informationen

Leonie Würfel (leonie@wuerfel-produktion.de)

Fotos
Copyright ZEIT Campus_Fulvio Zanettini (fulvio@Zanettini.net)

Text
Dekanatsreferentin Julia Jung (ju.jung@katho-nrw.de)

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