Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

 

Aquavit - Lebenselixier oder Selbstzerstörungsmittel - Zur Psychologie des Trinkens und Genießens von Wasser und anderen Flüssigkeiten (13.06.2017, Köln)

Prof. Dr. Michael Klein

Prof. Dr. Michael Klein spricht im Rahmen der Kölner Wissenschaftsrunde „Wir im Rathaus" über das Trinken und Genießen von Flüssigkeiten

Wissenschaft im Rathaus (WiR) ist eine öffentliche Veranstaltung der Kölner Wissenschaftsrunde, die jeden ersten Montag im Monat im Rathaus stattfindet. Hierzu referieren Kölner Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zu unterschiedlichen Themen. Das Jahr 2017 setzt sich inhaltlich mit „Alles im Fluss: Lebensader Wasser" auseinander.

Prof. Dr. Michael Klein, Dozent an der Katholischen Hochschule NRW, wurde zu diesem Thema eingeladen, um die Wirkung des Wassers und anderer Flüssigkeiten aus Sicht der Gesundheitsförderung und mit dem möglichen Risiko eines Suchtpotentials zu betrachten.
Zum einen ist es ihm als Klinischer Psychologe, psychologischer Psychotherapeut und Leiter des „Deutschen Instituts für Sucht und Prävention" (DiSuP) sehr wichtig, den Umgang mit Wasser und anderen Getränken wissenschaftlich zu analysieren, zum anderen ist Professor Klein persönlich mit „Wasser als Heilmittel" in Bad Kreuznach aufgewachsen.

Vorab wurde der Professor für klinische Psychologie und Suchthilfe von WiR zum Thema Wasser befragt, welche Rolle Wasser in seinem Alltag einnehme:
„Ich habe erst allmählich die Rolle und Wichtigkeit des Wassers im Alltag schätzen gelernt. Als Bewohner gemäßigter Breiten keine Überraschung.“

Zusätzlich sollte er sein persönliches Alltags-Wasser-Ritual benennen.
„Mein liebstes Ritual ist das Trinken. Dafür nehme ich inzwischen immer und überall eine 0,75 Liter große (kleine) Wasserflasche mit. So sorge ich für eine kontinuierliche Wasserzufuhr, an kalten sowie heißen Tagen."

Den fachlichen Einstieg in seinen Vortrag fand er mit den Worten: „Das Trinken an sich als menschliches Verhalten". Er geht dabei darauf ein, dass das Durst-Löschen an sich ein primäres Bedürfnis ist und der Mensch in seinem Leben 55.000 bis 80.000 Liter Getränke zu sich nimmt.
Gesund ist es für die meisten Menschen, 2,5 Liter Flüssigkeit über den Tag verteilt zu sich zu nehmen, da der Körper Wasser nicht selbst produzieren kann. Ein Zufluss muss daher kontinuierlich gewährleistet werden.
Wird nicht regelmäßig getrunken, so ist zum Beispiel die Mundtrockenheit ein erstes Symptom, dass jemand nicht genügend Wasser zu sich genommen hat. Oft wird vor Dehydrierung gewarnt, aber Achtung, erst, wenn 5 – 10% Flüssigkeit in Bezug auf die Körpermasse verloren ist, handelt es sich um eine schwerwiegende Dehydrierung.
Allerdings entstehen auch schon bei ein- bis zweiprozentigem Flüssigkeitsmangel Symptome, so kann sich dieser geringere Mangel auf die Stimmung, die Wachheit, den Antrieb und bisweilen auch auf die kognitive Leistung auswirken. Im Gegensatz dazu ist zu viel zu trinken, ab zehn Litern täglich, genauso ungesund und sogar gefährlich.

In Bezug auf Alkohol weist Prof. Dr. Klein darauf hin, dass dieser ein Kulturbestandteil ist, aber ebenso eine Problemdroge. Alkohol schafft Euphorie und Glücksgefühle, macht gesellig und schafft so soziale Nähe. Er ist bei uns überall und günstig verfügbar, wird häufig als Selbstmedikation eingesetzt und zur Entspannung getrunken.
Ein genussvoller Umgang mit Alkohol ist in Ordnung. Ungefährlich sind bei Männern drei Gläser und bei Frauen zwei Gläser Kölsch pro Tag. Allerdings sollte es mindestens 2 - 3 alkoholfreie Tage in der Woche geben.
Der Substanzkonsum in Deutschland ist hoch und dementsprechend erkranken viele Menschen an Suchtstörungen, denn Alkohol ist eine hochriskante Droge - das wusste schon Martin Luther vor 500 Jahren „Alle Mühsal können die Deutschen ertragen; könnten sie ebensogut doch auch ertragen den Durst."
Zur Suchtprävention ist es wichtig zu sagen, dass jeder genügend Wasser und alkoholfreie Getränke trinken sollte, Alkohol nur zum Genuss trinken und niemals zur Selbstmedikation einsetzen sollte.

Wenn Sie nun überprüfen möchten, ob Ihr Trinkverhalten gut ist, lassen Sie sich auf trinkberater.de beraten.
Für Wenig-Trinker kann die App „Aqualert" eine gute Unterstützung beim richtigen Trinkverhalten sein.
Das Buch „Trink Dich fit!" von Günter Wagner kann Sie ebenfalls dabei unterstützen.

Vergessen Sie also nicht, Sie sind Vorbild beim Trinken und Mark Twain wusste schon „Wasser mäßig genossen, ist unschädlich"!

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Michael Klein (mikle@katho-nrw.de)

Text und Bild: Dekanatsreferentin Julia Jung (ju.jung@katho-nrw.de)

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