Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

 

Im Alltag der Straße Gottes Spuren suchen (04.05.2016, Köln)

Buchvorstellung im Domforum

Angela Krumpen befragt den Jesuitenpater Christian Herwartz nach seinem Tattoo vom brennenden Dornbusch

Podiumsgespräch mit Angela Krumpen, Christian Herwartz, Elisabeth Tollkötter, Josef Freise und Elisabeth-Maria Weinrich

Buchvorstellung zu Straßenexerzitien

Alles kann g o t t  sprechen
in Dir
im Du
in Dingen
und
im Klingen
und niemand weiß
und keiner hat
und alle können finden
So begann das Gedicht, mit dem Markus Roentgen vom Erzbistum Köln am 5. Mai die Vorstellung eines neuen Buches zu Straßenexerzitien im Domforum eröffnete. Das Buch mit dem Titel  "Im Alltag der Straße Gottes Spuren suchen. Persönliche Begegnungen in Straßenexerzitien" hatte der Jesuitenpater Christian Herwartz mit drei Exerzitienbegleiterinnen und Prof Dr. Josef Freise von der Katholischen Hochschule NRW jüngst herausgebracht. In ihm beschreiben Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre sehr persönlichen Erfahrungen bei Exerzitien auf der Straße.

Angela Krumpen, die moderierend durch den Abend führte, stellte im Gespräch mit Christian Herwartz dessen Leben in der von ihm gegründeten offenen Wohngemeinschaft in der Naunynstraße in Berlin-Kreuzberg vor. Niemand wird in dieser Wohngemeinschaft gefragt, woher er kommt, denn „das ist eine Polizeifrage“, so Herwartz. Der Jesuitenpater schilderte eindrücklich einzelne Begegnungen mit Menschen in Not, die an seine Tür geklopft haben und Aufnahme fanden.

Im Folgenden beschrieb er seine neue Form der Exerzitien auf der Straße und erklärte, wie sie durch die herausfordernde Anfrage eines Theologiestudenten aus Frankfurt entstanden. „Bei den Straßenexerzitien ist nicht mehr die Kirche, die Kapelle der Ort, wo wir Gott begegnen, sondern die Straße.“ Hierbei bettete er die Straßenexerzitien in den biblischen Kontext von Moses und dem brennenden Dornbusch ein und er zeigte auf Nachfrage der Moderatorin sein Tattoo des brennenden Dornbusches als Symbol für die Exerzitien.

Elisabeth Tollkötter berichtete aus ihrer Perspektive als Begleiterin von Straßenexerzitien, wie sie ihre Unzufriedenheit mit den klassischen Formen der Exerzitien zu den Straßenexerzitien geführt hat und welche Erfahrungen sie mit dieser neuen Form der geistigen Übung gemacht hat. Sie erklärte, wie in den Exerzitien ihrer inneren Sehnsucht nach Mehr durch einfaches Leise werden, Lauschen und Schauen Raum gegeben wird.

Prof. Freise ordnete die Straßenexerzitien in den gesellschaftlichen Kontext ein: In den Exerzitien auf der Straße werden die Teilnehmenden mit dem konfrontiert, was tief in ihnen selbst bisher tabuisiert, ausgeschlossen wurde und sie begegnen Menschen, die gesellschaftlich ausgeschlossen werden: Durch die Annahme des innerlich und gesellschaftlich Ausgegrenzten passiert Solidarisierung und Heilung.

Sr. Elisabeth Maria Weinrich berichtete sehr persönlich von einer solchen Erfahrung, die für sie bei Exerzitien vor sechs Jahren Aussöhnung bewirkte.

Im Anschluss wurde die Gesprächsrunde für Fragen des Publikums geöffnet, das vor allem an der Bedeutung der Straßenexerzitien und den Teilnahmevoraussetzungen und -bedingungen interessiert war. Herwartz verwies hierbei auf die Website www.strassenexerzitien.de.

An der Katholischen Hochschule in Köln werden seit mehreren Jahren unter Leitung von Prof. Dr. Joachim Windolph solche Straßenexerzitien im Rahmen des Studiums angeboten. Nach einer theoretischen Reflexion sind die TeilnehmerInnen dieses Seminars angefragt, drei Tage  auf der Straße zu verbringen und die Gegenwart Gottes zu erspüren. Diese "Exerzitien der Straße" werden gemeinsam vorbereitet und reflektiert. Begleitet werden sie von Bärbel Ackerschott, der Leiterin der Drogennotschlafstelle "Notel", die selbst Kennerin der Kölner "Straßen-Szene" ist.

Buchhinweis:

Christian Herwartz, Maria Jans-Wenstrup, Katharina Prinz, Elisabeth Tollkötter, Josef Freise (Hg.) 2016: Im Alltag der Straße Gottes Spuren suchen. Persönliche Begegnungen in Straßenexerzitien, Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlagsgesellschaft.

Text und Fotos:
Anni Botens

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2014