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Michaela Labudda/ Marcus Leitschuh „Synodaler Weg – Letzte Chance? Standpunkte zur Zukunft der Katholischen Kirche“ (12.01.2021, Paderborn)

Buch von Wissenschaftlicher Referentin herausgegeben.

Der Synodale Weg der katholischen Kirche in Deutschland dient seit dem 1. Advent 2019 der Suche nach Schritten der Erneuerung und der Rückgewinnung von Vertrauen nach den Missbrauchsfällen. Michaela Labudda, M.A:, Wissenschaftliche Referentin an der katho Nordrhein-Westfalen im Fachbereich Theologie in Paderborn, und Marcus Leitschuh, beide Mitglieder der Vollversammlung des Synodalen Weges, haben ein Buch mit Stimmen aus und über den Synodalen Weg und zur Zukunft der Kirche herausgegeben.

 „Synodaler Weg - Letzte Chance? Standpunkte zur Zukunft der katholischen Kirche“ erscheint am 15.01.2021 im Bonifatius Verlag – pünktlich zur eigentlich geplanten dritten Vollversammlung des Synodalen Weges und dem jetzt geplanten „Digitalen Zwischenschritt“ am 4./5. Februar 2021.

In dem Buch ermöglichen Mitglieder der Vollversammlung des Synodalen Weges und von „vor der Tür“ Einblicke in den Maschinenraum dieses Reformprozesses. Dabei kommen vielfältige Stimmen zu Wort. Der Erscheinungstermin des Buches zur geplanten „Halbzeit“ des Synodalen Weges ist bewusst gewählt. Michaela Labudda: „Uns als Herausgebenden ist wichtig, den Weg vor etwaigen Beschlüssen transparenter werden zu lassen.“ Ihre Beobachtung ist, dass sich in der Kirche und beim Synodalen Weg nicht zwei Blöcke gegenüberstehen. „Es gibt freilich medial aufgebauschte Scheinriesen“, so Marcus Leitschuh. Deshalb stärkt diese Veröffentlichung den ehrlichen Dialog und bietet Basiswissen zum Mitreden. Ganz aktiv wird der Dialog zu den Themen des Buches unter www.facebook.com/synodalerwegletztechance angeregt.

Beiträge von Prof´ín Dr. Agnes Wuckelt und Prof. Dr. Stefan Silber

Weitere Lehrende der katho NRW haben an dem Buch mitgewirkt. Der Beitrag von Prof´in Dr. Agnes Wuckelt, auch stellvertretende Bundesvorsitzende der kfd (Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands) und em. Prof´in für Praktische Theologie und Religionspädagogik der katho, ist ein persönlicher Einblick in das Forum „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“:

„Einige und immer mehr stellen fest, dass sie – vielleicht sogar schon seit langem - den bisher vorgegebenen Weg nicht mehr gehen (wollen). Es ist der „Es-war-schon-immer-so-Weg“ – einerseits gewohnt und vertraut, andererseits mit immer der gleichen Perspektive, ohne neue Eindrücke, neue Impulse: Es bleibt so, wie es ist. Und genau das wird als Problem erkannt. Fragen an die – bleiben wir im Bild – Eigentümer des Rasenbeetes, die dieses sorgsam behüten und nicht betreten wissen wollen, werden laut: Warum nicht den gewohnten Weg verlassen? Warum soll der bisherige Weg der richtige oder gar der einzige sein, der zu gehen ist? Warum wird angenommen, dass der neue Weg die Beschädigung oder gar die völlige Zerstörung des Rasens zur Folge hat?
Der neue Weg eröffnet neue Perspektiven, schafft neue Erkenntnisse, weckt neue Fragen. Er lässt deutlich werden, dass der Rasen bei Nahem betrachtet gar nicht so einheitlich grün aussieht, wie er vom Weg darum herum erscheint. An einigen Stellen weist er bereits Schäden auf, durch Trockenheit oder falsches Düngen entstanden; an anderen zeigen sich wilde Kräuter mit bunten Blüten – von Vögeln zufällig ausgesät; an wieder anderen finden sich Maulwurfshügel und Löcher, die auf den Bau von Feldmäusen hinweisen. Wo muss ausgebessert, repariert, neu ausgesät werden? Dürfen die Maulwürfe und Feldmäuse bleiben oder sollen sie vertrieben, gar ausgerottet werden? Ist das Ziel ein englischer Rasen oder eine farbenfrohe Wiese, die vielfältige Nahrung für Insekten bietet?“ (Agnes Wuckelt, stellvertretende Bundesvorsitzende Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Mitglied der Synodalversammlung, Mitglied im Forum III in: Michaela Labudda / Marcus Leitschuh (Hg.): „Synodaler Weg – letzte Chance?“ Bonifatius Verlag 2021)

Prof. Dr. Stefan Silber, Professor für Didaktik der Theologie im Fernstudium mit Schwerpunkt Systematische Theologie trägt als „Stimme von außen“ zum Buch bei und lenkt den Blick auf die weltkirchliche Perspektive:

„Ich denke, dass diese Frageperspektive wichtig ist: Was muss die Kirche an ihren eigenen Strukturen ändern, um in der Welt handlungsfähig zu werden? Die Themen, die sich der Synodale Weg als Schwerpunkte gesetzt hat, sind dabei wichtig. Sie gehören zu den Bereichen in der Kirche, die eine dringende Umkehr nötig haben. Aber die aktuellen brennenden Herausforderungen der Menschheit erfordern eine viel weitergehende, tiefer reichende Bekehrung von der Kirche in Deutschland. Diesem Umkehrruf sollten wir nicht ausweichen.“ (Prof. Dr. Stefan Silber in: Michaela Labudda / Marcus Leitschuh (Hg.): „Synodaler Weg – letzte Chance?“ Bonifatius Verlag 2021)

Ein „trotziger Beitrag“ zum Reformprozess

In einem eigenen Beitrag spricht Michaela Labudda, Wissenschaftliche Referentin im Fernstudiengang Angewandte Theologie von der Motivation zu Buch und Mitwirken am Synodalen Prozess:

„Ich hatte das Glück, einen Glauben der Freiheit zu erfahren, der mich auch in nötige Distanz brachte und mir doch immer wieder Halt und Geländer ist. Und ich glaube auch wegen mancher Erfahrungen, die ich mir glasklar als Gotteserfahrung deuten kann: eine zarte und manchmal deutliche Antwort meiner Gebete. Engagiert in der Kirche bin ich gerade deshalb, weil dort so vieles davon ermöglicht wurde und immer noch wird. Aber vor allem bin ich in dieser Kirche trotzdem. Trotz ... der vielen Menschen, die ich erlebe, denen meist die Moralvorstel-lungen der kirchlichen Verkündigung ein zwanghaftes Gefängnis erbauten. Trotz ... einer ver-kündeten lehramtlichen Meinung, die viel zu oft im Widerspruch zu dem steht, was mich unsere freiheitliche Demokratie lehrt. Trotz ... der Erfahrung, dass ich als engagierte Christin in der Kirche systemisch keine andere Chance habe, als mit dem Kopf immer wieder vor jene dicke Glaswand zu laufen, die aus Gendergründen vor jede Frau als reale, aber vor allem auch intellektuell beleidigende Voraussetzung des kirchlichen Engagements gesetzt ist. Und trotz der schmerzlichen Erkenntnis, durch meine Mitarbeit ein System zu unterstützen, das so viele Menschen zu Opfern hat werden lassen und dieses immer noch tut. Trotzdem. Trotzig.“ (Michaela Labudda, Gemeindereferentin und wissenschaftliche Referentin, Mitglied der Synodalversammlung, Mitglied im Forum II in: Michaela Labudda / Marcus Leitschuh (Hg.): „Synodaler Weg – letzte Chance?“ Bonifati-us Verlag 2021).


Zu den Autorinnen und Autoren gehören außerdem Reinhard Kardinal Marx, Mara Klein, Christiane Bundschuh-Schramm, Thomas Söding, Matthias Sellmann, Wolfgang Picken, Julia Knop, Sabine Demel, Bischof Felix Genn, Franziska Kleiner, Bettina-Sophia Karwath, Bischof Gregor Maria Hanke, Sr. Katharina Kluthmann, Sr. Philippa Rath, Martina Kreidler-Kos, Erzbischof Hans-Josef Becker, Joachim Frank, Christian Weisner, Lisa Kötter u.a.

 

Begleitende Aktion auf facebook

Das Buch hat eine eigene Fanpage auf „facebook“, um den angestrebten Meinungsaustausch und partizipativen Dialog zu stärken. Zahlreiche Mitglieder der Synodalversammlung sind hier bereits als Diskussionspartner_innen vernetzt: www.facebook.com/synodalerwegletztechance

 

Bibliographische Angaben

Michaela Labudda / Marcus Leitschuh (Hg.): Synodaler Weg – letzte Chance?

 Bonifatius Verlag 2021

18,90 €, ISBN 978-389710-873-8   

www.bonifatius-verlag.de/shop/synodaler-weg-letzte-chance

Die Herausgeber/in:
Michaela Labudda (Unna) ist Wissenschaftliche Referentin an der Katholischen Hochschule NRW und Gemeindereferentin im Erzbistum Paderborn. Sie ist Vorsitzende des Bundesverbandes der Gemeindereferent/-innen Deutschlands e.V., Mitglied der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, der Synodalversammlung und im Forum II „Priesterliche Existenz heute“. 

Marcus Leitschuh (Kassel) ist Rektor an einer Gesamtschule in Immenhausen und Autor zahlreicher Bücher und kommt aus dem Bistum Fulda. Fünf Jahre war er Berater der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz. Er ist Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken sowie Mitglied der Vollversammlung des Synodalen Weges.

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2021