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Eröffnung des Zentrums für Antisemitismus- und Rassismusforschung an der KatHO NRW (11.12.2020, KatHO NRW)

Hans Hobelsberger, Rektor der KatHO NRW, eröffnet die Veranstaltung.

Sibylle Keupen, Oberbürgermeisterin von Aachen, bei ihrem Grußwort.

Martin Spetsmann-Kunkel, Dekan der Abteilung Aachen, stellt das neu gegründete Zentrum vor, dessen Leiter er ist.

Die Eröffnungsveranstaltung wurde aus der Aula der Abteilung Aachen gestreamt.

Die Referent_innen und Teilnehmer_innen der Podiumsdiskussion (von oben rechts im Uhrzeigersinn): Stephan Grigat (Universität Passau), Stefanie Schüler-Springorum (Direktorin des Zentrums für Antisemitismusforschung, TU Berlin), Felix Klein (Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus).

Bernward Robrecht, Kanzler der KatHO NRW (rechts), und Joachim Söder während der Podiumsdiskussion.

Am 07.12.2020 fand die Eröffnungsveranstaltung des neugegründeten Zentrums für Antisemitismus- und Rassismusforschung der KatHO NRW (CARS) statt. Aufgrund der Covid-19-Pandemie fand die Veranstaltung in einem digitalen Format statt und wurde aus der Aula der Abteilung Aachen gestreamt. Die Abteilung Aachen ist der Sitz des Zentrums.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch den Rektor der Hochschule, Prof. Dr. Hobelsberger, der in seinem Grußwort die Genese des Zentrums sowie die besondere Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit Antisemitismus betonte. Vor allem die seit 2016 gepflegte Partnerschaft mit dem Gordon Academic College of Education (GACE) in Haifa, die in Form des noch zu gründenden Komitees gestärkt werden soll, stellt einen zentralen Teil der Arbeit des CARS dar. So werden in diesem Rahmen kooperative Lehrprojekte, Austauschfahrten und die gemeinsame Erforschung und Bekämpfung von Antisemitismus angestrebt.

Die Aachener Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen, die ebenfalls mit Grußworten aus der Aula der Aachener Abteilung an der Eröffnung des CARS teilnahm, betonte die Relevanz der Beschäftigung mit Antisemitismus und Rassismus und ihre Freude darüber, dass ein solches Zentrum in Aachen angesiedelt ist.

Prof. Dr. Spetsmann-Kunkel, Leiter des CARS, leitete seine Eröffnungsrede mit einem Verweis auf die Aktualität rassistisch und antisemitisch motivierter realer und virtueller Gewalt und den antisemitischen Verschwörungsideologien der Corona-Leugner ein. Er betont die Verpflichtung einer katholischen und weltoffenen Hochschule, sich mit Antisemitismus und Rassismus verstärkt auseinanderzusetzen. Als zentrale Aufgabe des CARS benennt Prof. Dr. Spetsmann-Kunkel die theoriegeleitete Analyse und Kritik von Antisemitismus und Rassismus, die dabei „eines erweiterten Blicks auf die Erscheinungsformen, Ursachen und Entwicklungen von Antisemitismus und Rassismus“ bedarf. Insbesondere die deutliche Differenzierung von Antisemitismus und Rassismus, als zwei Phänomene mit Gemeinsamkeiten, aber vor allem auch essentiellen Unterschieden, stellt Prof. Dr. Spetsmann-Kunkel als eine Aufgabe für die dezidierte Forschung in diesem Bereich heraus.

Prof. Dr. Spetsmann-Kunkel positionierte sich abschließend in aller Klarheit zum Staat Israel:

„Für ein Zentrum für Antisemitismus- und Rassismusforschung darf es nach meiner Überzeugung keinen Zweifel geben, wo wir stehen. Eine deutsche Hochschule in kirchlicher Trägerschaft kann wegen ihrer historischen Verantwortung kein wie auch immer geartetes ‚neutrales‘ Verhältnis zum Staat Israel haben. Wenn wir Verantwortung für das Leid und die Schuld der Shoah auf uns nehmen, schließt das meiner Meinung nach nicht nur die Bejahung des Existenzrecht des Staates Israel ein, sondern auch die Zusicherung grundsätzlicher Solidarität. Diese Solidarität aber zeigt sich eben auch im aktiven Abweisen von Dämonisierung, Doppelstandards und Delegitimierung.“

Anschließend an die Grußworte hielt Prof.‘in Dr.‘in Schüler-Springorum (Direktorin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin) ihren Vortrag „Religion, Rassismus, Judenfeindschaft: Was ist das Besondere am Antisemitismus?“ aus ihrer Perspektive als Historikerin und ging dabei insbesondere auf die religiösen Dimensionen des Antisemitismus ein.

Dr. Grigat (Universität Passau) widmete sich in seinem anschließenden Vortrag „Kritik des Antisemitismus: Wie uns die Kritische Theorie gegen aktuelle antisemitische und rassistische Projektionen helfen kann“ aus Perspektive der Kritischen Theorie dem Thema und erläuterte dabei unter anderem die Differenz zwischen Rassismus und Antisemitismus. Auch der in den Grußworten zuvor mehrfach erwähnte israelbezogene Antisemitismus wurde von Dr. Grigat erläutert.

In einer an die beiden Vorträge anschließenden Podiumsdiskussion, die von Prof. Dr. Söder moderiert wurde und an der neben den beiden Referent_innen auch der Kanzler der KatHO NRW, Bernward Robrecht und der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland, Dr. Felix Klein teilnahmen, diskutierten die Teilnehmer_innen die Rolle der Hochschule und des neu gegründeten Zentrums im Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus.

Zum Ende der Eröffnungsveranstaltung ist vor allem die Notwendigkeit und Dringlichkeit des entschlossenen Kampfes gegen Antisemitismus und Rassismus zweifelsfreier Konsens.

Für weitere Informationen:
Prof. Dr. Martin Spetsmann-Kunkel, m.spetsmann-kunkel(at)katho-nrw.de

www.cars-institut.de

Redaktion:
Julia Maria Breidung, Tobias Tillmann

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2021