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„Männertherapeut“ zu Gast im Online-Seminar (23.11.2020, Paderborn)

Dipl.-Psych. Johannes Vennen war zu Gast im Online-Seminar zur Jungengesundheit. (Foto: Vennen privat).

Er eröffnete seine Praxis mit einer Männerquote, organisierte den ersten Männergesundheitstag in Schleswig-Holstein, das ZEIT-Magazin interviewte ihn zum Thema Männer und Psychotherapie. Jetzt war Diplom-Psychologe Johannes Vennen aus Rendsburg Gast im Online-Seminar Jungengesundheit von Prof. Dr. C. Blomberg im Rahmen des Master-Studiengangs Gesundheitsbezogene Soziale Arbeit. Vennen schilderte sehr kurzweilig seine Arbeit als Therapeut, Trainer und bundesweiter Anbieter von erfahrungsbezogenen Fortbildungen explizit für Männer. Zu Beginn seiner Tätigkeit als niedergelassener Psychotherapeut habe er durch eine 50%-Quote Männern eine bessere Möglichkeit für einen Therapieplatz in seiner Praxis geben wollen.  Auch den Zugang zu seiner Praxis wollte er ihnen durch niedrigschwellige Angebote wie Coaching, Burn-Out-Prophylaxe oder Gespräche in der Natur erleichtern. Seine Erfahrung: Hätten Männer einmal den Weg in die Praxis gefunden, könne er keine größere Hemmschwelle bzgl. einer Thematisierung von Problemen feststellen als bei Frauen. Unterstützung bedürfe es dagegen öfter bei der Suche nach passendem sprachlichen Ausdruck des Innenlebens. Eine andere Unterstützung hält Vennen für ebenfalls wichtig: Eine Enttabuisierung gesundheitlicher Probleme von Männern wie z.B. der Depression könnte den Betroffenen Unterstützungsmöglichkeiten eröffnen – nicht nur unter Fachleuten, sondern auch in Familie und Beruf. Hier blickt Vennen nach seiner langjährigen therapeutischen Erfahrung einerseits optimistisch auf aktuelle und kommende junge Männer und Väter – für sie seien Selbstsorge, aber auch direkte familiäre Sorge selbstverständlicher. Andererseits beginne jetzt für diese Männer auch der Spagat zwischen beruflichen und privaten (Selbst-) Anforderungen. Schlecht sehe es dagegen hinsichtlich der Versorgungslage für Jungen und Männer aus: Wie in der Medizin auch belegten in der Psychologie inzwischen deutlich mehr Frauen als Männer die Studienplätze. Gleiches gilt für Pädagogik und Soziale Arbeit. Das führt zu einer entsprechenden Geschlechterverteilung in der Versorgungslage: Die von ihm gewünschte Wahlmöglichkeit ist für Männer eingeschränkt, damit aber auch die Fruchtbarkeit einer therapeutischen Begleitung: Für die Betroffenen könne es einen Unterschied machen, ob sie z.B. bei Sexualitätsproblemen einer männlichen oder weiblichen Fachkraft gegenübersäßen. Leider zeigten die Schulleistungsdaten, dass sich an dieser Ungleichverteilung auf längere Sicht nur dann etwas ändert, wenn Jungen in schulischem Kontext eine stärkere Berücksichtigung fänden. Für seine eigene Praxis war der geschlechtstypische Blick ein voller Erfolg: Bei ca. 70% männlicher Klientel braucht es bei ihm keine Quote mehr. Seine Öffentlichkeitsarbeit bezüglich „Männer und Gesundheit“ hat gefruchtet; gefruchtet hat aber wohl auch seine direkte Arbeit: Es hat sich rund um den Nord-Ostsee-Kanal herumgesprochen, dass es vor Ort einen Therapeuten gibt, der sich explizit mit Männern beschäftigt. 

Kontakt: Prof. Dr. Christoph Blomberg

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2021