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Vorträge von Philip Manow und Floris Biskamp im Dezember 2020 (10.11.2020, Aachen)

 

‚the people vs. democracy‘? Populismus und die liberale Ordnung.

Philip Manow / 03. Dezember 2020, 17:30 Uhr

Der Vortrag findet im Hörsaal statt und wird über Webex übertragen.

 

Populismus ist ein allgegenwärtiges Phänomen. Mit ihm scheint eine enorme politische Polarisierung einherzugehen, zugleich eine Absage an einen politischen Diskurs, der an Vernunft und Verständigung orientiert ist. All das verdichtet sich oft zur Diagnose, die liberale Demokratie westlichen Zuschnitts sei in Gefahr. Wie sind diese Entwicklungen zu erklären? Philip Manow entwickelt die These, dass wir zunächst nicht mit einer Krise der Demokratie, sondern mit einer Krise der politischen Repräsentation konfrontiert sind, die gerade aus der ungemeinen Ausweitung politischer Kommunikations- und Partizipationschancen resultiert, also aus einer Demokratisierung der Demokratie. Diese Entwicklung nimmt vermittelnden Repräsentationsinstanzen – wie Parteien, Parlamenten oder der Presse – ihre kanalisierenden und disziplinierenden Funktionen der Interessenaggregierung und -formulierung. Entmediatisierung – das Wegbrechen intermediärer Instanzen – führt dann zu einer Radikalisierung der Debatte, in denen die Extrema sich wechselseitig attestieren, Feinde der Demokratie zu sein. Das wächst sich dann tatsächlich zu einer Krise der Demokratie aus.

 

Philip Manow, Politikwissenschaftler, ist Professor für Vergleichende Politische Ökonomie an der Universität Bremen und Sprecher des Forschungszentrums Ungleichheit und Sozialpolitik. In den letzten Jahren sind bei Suhrkamp von ihm „Die Politische Ökonomie des Populismus“ und „(Ent-)Demokratisierung der Demokratie“ erschienen.

 

Weitere Informationen:

www.socium.uni-bremen.de/ueber-das-socium/mitglieder/philip-manow/

www.suhrkamp.de/autoren/philip_manow_6063.html

 

 

Rechtsruck, welcher Rechtsruck? Über die Liberalisierung der Gesellschaft und die Radikalisierung einer Minderheit.

Floris Biskamp / 09. Dezember 2020, 17:30 Uhr

Der Vortrag findet digital über Webex statt.

 

Mit großer Selbstverständlichkeit wird immer wieder über einen „Rechtsruck der Gesellschaft“ und eine laufende „Rechtsverschiebung von Sagbarkeitsgrenzen“ gesprochen. Vergleicht man die gegenwärtigen Zustände aber mit denen vor 20, 40 oder gar 60 Jahren, ist nicht erkennbar, dass Gesellschaft, Diskurse und Politik insgesamt jemals „weniger rechts“ gewesen wären. Die Entwicklungen, die sich stattdessen beobachten lässt, ist die einer fortschreitenden Liberalisierung der Gesellschaft, die jedoch wie jede Liberalisierung mit Ambivalenzen eingehrgeht. Was oftmals für einen „Rechtsruck“ gehalten wird, geht nicht auf eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung, sondern vielmehr auf das sehr laute Wirken einer rechtsradikalen Minderheit zurück.

 

Floris Biskamp, Politikwissenschaftler und Soziologe, ist Koordinator des Promotionskollegs Rechtspopulistische Sozialpolitik und exkludierende Solidarität an der Universität Tübingen. Zuletzt ist von ihm bei Transcript „Orientalismus und demokratische Öffentlichkeit. Antimuslimischer Rassismus aus Sicht postkolonialer und neuerer kritischer Theorie“ erschienen.

 

Weitere Informationen:

promotionskolleg-rechtspopulismus.net/team/floris-biskamp

www.transcript-verlag.de/author/biskamp-floris-320001032/

 

 

Für eine Teilnahme an den Vorträgen ist eine Anmeldung per Mail bei Vanessa Vajdic (v.vajdic(at)katho-nrw.de) erforderlich.

Die Plätze im Hörsaal am 03.12.2020 sind sehr begrenzt. Die Teilnehmer*innen an der Präsenzveranstaltung erhalten nach der Anmeldung eine Bestätigungsmail.

Die Teilnehmer*innen an den digitalen Veranstaltungen (03.12. und 09.12.2020) erhalten nach der Anmeldung die Zugangdaten zum Webex Meeting.

 

 

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