Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Das erste Semester im Rektorat – Die Prorektorin im Interview (13.07.2020, KatHO NRW)

Dr. Barbara Schermaier-Stöckl ist seit Februar 2020 Prorektorin für Forschung und Weiterbildung an der KatHO NRW.

Prof. Dr. Barbara Schermaier-Stöckl ist seit Februar 2020 die Prorektorin für Forschung und Weiterbildung an der KatHO NRW. Als die Rechtsprofessorin ihr Amt antrat konnte sie noch nicht ahnen, dass ihr erstes Semester im Rektorat für die gesamte Hochschule unter besonderen Vorzeichen steht. Am Ende des Sommersemesters treffen wir Barbara Schermaier-Stöckl zu einem Gespräch.

Seit ca. fünf Monaten sind Sie im Rektorat der KatHO NRW. Welche Eindrücke haben Sie in dieser neuen Position von der Hochschule gewonnen und mit welchen Themen haben Sie sich beschäftigt?

Es ging mir am Anfang vor allem darum, dass ich mich einarbeite, die Strukturen und die Menschen hier in der Zentralverwaltung, in der Abteilung Köln, den Verwaltungsrat und Vernetzungspartner auf der Landesebene kennenlerne. Die persönliche Begegnung war Corona-bedingt stark eingeschränkt und das fand ich schade. Ein bleibender Eindruck dieser ersten Monate sind daher ganz, ganz viele Video- und Telefonkonferenzen. Viele Termine mussten verschoben werden: Zum Beispiel wollte ich gerne die Abteilungen gemeinsam mit Herrn Laurs und Frau Schinke vom Zentrum für Forschung und Weiterbildung (ZFW) besuchen, um die Forschung und Weiterbildung in den Abteilungen noch einmal präsenter zu machen. Ich hoffe, dass wir dies in absehbarer Zeit nachholen können.

Ich war und bin dankbar für die Hilfsbereitschaft und das große Engagement meiner Kollegen in der Hochschulleitung und aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Zentralverwaltung. Mein besonderer Dank gilt meiner Vorgängerin Liane Schirra-Weirich: Sie hat immer ein offenes Ohr für mich, wenn ich sie anrufe oder ihr maile. Eine große Stütze für mich ist natürlich Sarah Oetken als Referentin, die hier die Kontinuität gewährleistet. Auch Herr Laurs vom ZFW ist jemand, mit dem ich fast täglich telefoniere, um einen Überblick zu unserer Forschung und Weiterbildung zu erhalten und zu erfahren, was gut läuft oder wo es Bedarfe gibt.

Inhaltliche Themen ergaben sich in der Arbeit in den Gremien, nämlich der Kommission für Forschungs- und Entwicklungsaufgaben und der Kommission für Weiterbildung. Hier ging es mir darum, gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen die Themen zu justieren und zu fragen, wo es in den nächsten vier Jahren perspektivisch hingehen soll, aber auch die Herausforderungen durch Corona in den Blick zu nehmen.

Ich bin total beeindruckt, wie viel Engagement an der KatHO trotz Corona herrscht: In der Forschung gibt es ja durchaus Schwierigkeiten, beispielsweise Vorhaben wie geplant durchführen zu können, weil Einrichtungen Kontaktbeschränkungen haben oder Zugänge zum Feld nicht möglich sind. Es wird dennoch mit viel Kreativität damit umgegangen – auch wenn gleichzeitig die Anforderungen in der Lehre gestiegen sind. Viele Kolleginnen und Kollegen haben auch die neuen Themenfelder, die sich durch Corona aufgetan haben, sofort bedient. Diese rege Forschungs- und Weiterbildungstätigkeit finde ich ganz beeindruckend und unterstütze sie gerne.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Ganz aktuell beteiligt sich ein Kollege der Abteilung Paderborn an einem EU-weiten Forschungsprojektantrag zu den Auswirkungen von Corona. Es gibt Umfragen, wie zum Beispiel ein Masterstudierendenprojekt in Aachen zu den psychosozialen Folgen von Corona oder ein Projekt in Köln zum Kinderschutz im Lockdown. Kolleginnen und Kollegen veröffentlichten beispielsweise zu den Themen Alkoholkonsum in der Krise, zur Situation von Pflegebedürftigen oder an Covid-19 erkrankten, behinderten Menschen.

Großes Engagement sehe ich auch in den Weiterbildungen, die ganz schnell von Präsenz- auf Online-Lehre umgestellt wurden. Es herrschte bei allen Beteiligten eine große Offenheit sich auf die neue Situation und neue Formate einzustellen. Durch den hervorragenden Support der IT–Abteilung war dies realisierbar. Auch inhaltlich haben Kolleginnen und Kollegen bereits mit neuen Weiterbildungsangeboten reagiert, so startet im September eine neue Fortbildung zur digitalisierten Lehre in der Pflegelehrendenausbildung.

Welche Projekte sind Sie denn in Ihrem „ersten Semester“ angegangen?

Es ging mir vor allem darum, laufende Projekte zu finalisieren. Das war zum Beispiel die Rahmeninstitutsordnung, die noch von Liane Schirra-Weirich auf den Weg gebracht wurde. Diese sehe ich als einen wichtigen Schritt, weil in ihr eine Rahmung und die Basis für die Arbeitsweise von Forschungsinstituten grundgelegt sind. Der Senat hat der Gründung eines neuen KatHO-In-Instituts, im Rahmen des „Zentrums für Antisemitismus- und Rassismusforschung“, zugestimmt. Die Hochschule wächst nicht zuletzt mit ihren Instituten – der Forschungsschwerpunkt Bildung und Diversity ist ebenfalls auf dem Sprung zum Institut. Daher finde ich es gut und wichtig, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Ein weiteres Projekt, das bald finalisiert wird, ist der Forschungsbericht, der aber vor allem die Zeit meiner Vorgängerin betrifft.

Welche Ziele und konkreten Vorhaben haben Sie denn für Ihre eigene Amtszeit?

Ziel ist natürlich – auch wenn dies sehr unkonkret klingt – die Stärkung von Forschung, Weiterbildung und Transfer. Ganz konkret habe ich mich bereits intensiv mit den Zahlen und Ressourcen beschäftigt, die für die Forschung zur Verfügung stehen. Es gibt den Auftrag des Senats, Leitlinien für die Forschungsförderung zu entwickeln. Mir geht es darum, dass Forschung in allen Facetten, sei es empirisch oder hermeneutisch, auf hohem Niveau bei uns gelingen kann. Dabei müssen wir aber auch auf die Ressourcen schauen: Wir können Forschungssemester oder Lehrdeputatsreduktionen für Forschende vergeben und wir haben die begrenzten Mittel im K2-Haushalt. Mich beschäftigt daher die Frage: Wie setzen wir diese Möglichkeiten am besten für die einzelnen Forschenden und damit auch für die Forschung an der KatHO insgesamt ein? Wo können neue finanzielle Mittel, Ressourcen und Spielräume eröffnet werden? Das steht jetzt als großes Projekt an. Das ist natürlich nichts, was ich alleine entwickele, sondern gemeinsam mit den Gremien und allen Forscherinnen und Forschern, die daran mitarbeiten möchten.

Ich sehe – anders, als ich das zu meinem Beginn an der KatHO in 2012 wahrgenommen habe – eine viel stärkere Forschungsorientierung, gerade auch bei jüngeren Kolleginnen und Kollegen. Das ist gut und wichtig – und wir müssen dies strukturell gut begleiten.

Es gibt demnach also einen höheren Bedarf?

Genau, den gibt es. Deshalb möchte ich im Rahmen der Leitlinien für die Forschungsförderung auch die Institute stärken, da natürlich ganz viel Forschung, insbesondere Drittmittelforschung, dort stattfindet.

Weitere Themen sind für mich: Ich bin als Prorektorin 2 auch die Vorsitzende der Ethikkommission für Forschungsfragen. Die geltenden Richtlinien für die Ethikkommission sind fast zehn Jahre alt. Vor allem im Hinblick auf den Datenschutz gibt es Anpassungsbedarfe und dahingehend sind unsere Richtlinien zu überprüfen. Ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt, ist die Promotionsförderung hier an der KatHO. Diese läuft in den Abteilungen durchaus unterschiedlich. Ich bin gerade im Austausch mit den jeweiligen „Promotionsbeauftragten“ und auf der Suche nach Best-Practice-Beispiele. Ich möchte auch die Wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihre Perspektive einbeziehen, um Promotionen besser fördern zu können. Dies auch im Hinblick auf eine Mitgliedschaft im zukünftigen Promotionskolleg. Wir werden damit klare Aufgaben übernehmen und das gilt es vorzubereiten. Nur ein ganz kleines Beispiel in diesem Kontext: Promovierende sollen an der Hochschule eingeschrieben sein, was unsere derzeitige Einschreibesatzung gar nicht vorsieht.

Kommen wir zum Bereich Weiterbildung: Wir haben derzeit sieben laufende Weiterbildungen. Ich sehe schon, dass – gerade unter Corona-Bedingungen – die Situation vieler Menschen prekärer wird und dies natürlich Auswirkungen hat:  Teilnehmende springen ab beziehungsweise melden sich gar nicht erst für neue Angebote an. Wie können wir gewährleisten, dass bestehende Weiterbildungen weiterhin gut laufen? Ich sehe auch die Notwendigkeit, unser Angebot auszubauen: Welche Themen lassen sich als neue Weiterbildungen implementieren und passen in unser Portfolio? Der Markt ist sehr groß, unsere Hochschule hat viel zu bieten und dieses Potenzial sollten wir einsetzen. Ich möchte auch mit der Transferagentur noch viel mehr in den Austausch darüber kommen, wie wir das, was es bei uns an Forschung und Weiterbildung gibt, noch stärker nach außen tragen und mit der Gesellschaft verzahnen.

Das ist eine beträchtliche Zahl an Vorhaben! Aber Sie haben ja auch noch dreieinhalb Jahre Amtszeit.

Ja, aber man darf die Zeit auch nicht verstreichen lassen. Ich merke natürlich die letzten Monate, die durch Corona ins Land gegangen sind und hätte mir gewünscht, an der ein oder anderen Stelle schon einen Schritt weiter zu sein.

Das führt uns zur nächsten Frage und zur Corona-Pandemie: Für das Studieren und Lehren an der KatHO bedeutete dies vor allem die zügige Umstellung auf digitale Lehre. Welche Herausforderungen sehen Sie angesichts Corona in Ihrem Verantwortungsbereich?

Ich möchte zunächst genereller einsteigen: Ich sehe in diesem Bereich große Herausforderungen, denn die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften haben zwar nach dem Hochschulgesetz die Aufgabe, zu forschen und weiterzubilden, aber sie erhalten dafür eigentlich keine Ressourcen. Das sehe ich schon als Problem. Jetzt sind wir zudem in der besonderen Herausforderung, dass wir als staatlich refinanzierte Hochschule gewisse Nachteile im Vergleich zu anderen haben. Dazu kommt, dass die Forschungsförderung auf Bundes- und Landesebene an bestehende Strukturen und die Stärkung von Schwerpunkten anknüpft. Diese müssen wir erst einmal haben, die müssen wir vorweisen können, um überhaupt an Fördertöpfe zu kommen. Hier dürfen wir nicht den Anschluss verlieren.

Diese Ausgangslage besteht also generell und unabhängig von der Corona-Pandemie. Aber diese macht es natürlich nicht einfacher. Ich hatte ja bereits erwähnt, dass viele Forschungsprojekte nicht wie geplant durchgeführt werden können. In der Drittmittelforschung werden durchaus Laufzeiten verlängert, aber natürlich nicht unbegrenzt. Da braucht es also einen guten Blick darauf, dass Projekte dennoch gut abgeschlossen werden. Ein bisschen Bauchweh habe ich nicht nur als Prorektorin, sondern auch als wachsame Bürgerin: Wer soll das mal alles bezahlen, was Corona an Kosten verursacht? Wo werden die Prioritäten liegen und liegen sie dann in der Forschungsförderung und in unseren Themenfeldern? Ich habe etwas Sorge, dass der Kampf um finanzielle Mittel zukünftig noch stärker sein wird als jetzt.

Gibt es denn bereits Ansätze an der Hochschule oder Ideen von Ihnen, wie die KatHO sich besser positionieren kann?

Das sind die Leitlinien für die Forschungsförderung. Mit ihnen werden wir gut entscheiden können, wofür wir die Ressourcen einsetzen, sodass Input und Output auch passen. Ich möchte alle Forschenden bestmöglich unterstützen. Doch wir haben nur begrenzte Mittel – und natürlich soll auch für die KatHO Gutes dabei herauskommen.

Einen Verbesserungsbedarf sehe ich – und das betrifft nun den Transfer – in den Kooperationen mit der Praxis: In Drittmittelprojekten ist es häufig erforderlich, dass man Praxiskooperationspartner hat. Hochschulen, die eher technisch oder wirtschaftlich ausgerichtet sind, haben es leichter, Partner zu gewinnen, die auch bereit sind Geld in die Hand zu nehmen. Natürlich haben wir beispielsweise mit den Sozialverbänden und mit Trägern zahlreiche Partner. Aber es ist schwieriger diese zu motivieren, dass sie sich auch finanziell einbringen. Unser zukünftiger Blick muss sein: Wo gewinnen wir Kooperationspartner, die sich auch in der Forschung und in der Weiterbildung mitbeteiligen? Diese Aufgabe liegt sowohl auf strategischer Ebene bei der Hochschulleitung, als auch bei den Forschenden mit ihren Kooperationen und Verknüpfungen zur Praxis.

Wir wünschen dabei viel Erfolg und danken Ihnen für das Gespräch.  

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Prof. Dr. Barbara Schermaier-Stöckl lehrt Recht in der Sozialen Arbeit an der Katholischen Hochschule NRW. 2012 begann die Juristin ihre Professur an der Abteilung Aachen, zum Sommersemester 2020 wechselte sie in den Fachbereich Sozialwesen der Abteilung Köln. Gleichzeitig trat sie ihr Amt als Prorektorin für Forschung und Weiterbildung an und bildet gemeinsam mit Rektor Hans Hobelsberger und Prorektor Martin Klein das Rektorat der Hochschule.

Zur Lehrenden-Seite:
www.katho-nrw.de/koeln/studium-lehre/lehrende/hauptamtlich-lehrende-im-fachbereich-sozialwesen/schermaier-stoeckl-barbara-prof-dr/

Interview:
Holger Walz, h.walz(at)katho-nrw.de

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