Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Am 14. Juni 2020 wäre Louis Lowy 100 Jahre alt geworden. (17.06.2020, Münster)

Louis Lowy ist für die Entwicklung der Katholischen Hochschule NRW sehr bedeutsam. Als Sozialarbeiter, Sozialwissenschaftler und Hochschullehrer trug er dazu bei, Soziale Arbeit als wissenschaftlich fundierte Disziplin zunächst im amerikanischen Kontext zu etablieren. Er wirkte mit am Aufbau der Ausbildung zur Sozialen Arbeit in Deutschland. In den Jahren von 1964 bis 1984 arbeitete er eng mit Dr. Teresa Bock (1970 bis 1977 Rektorin der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen) und Kolleg_innen der Abteilungen Aachen, Münster und Paderborn zusammen. Er wirkte mit am Curriculum der Hochschule, stärkte die Mitbestimmung für Studierende und konzipierte den ersten Supervisionskurs in Münster.

Wichtigstes Ziel war ihm eine demokratisch geprägte Soziale Arbeit und ihr entsprechend eine von demokratischen Prinzipien geprägte Ausbildung. Hintergrund dafür waren seine Erfahrungen als Jude im Nationalsozialismus und Holocaust.

Im KZ Theresienstadt war er bereits als Groupworker in der Arbeit mit Kindern tätig. In Deggendorf übernahm er die Leitung des Displaced-Persons-Center und baute es als Modell demokratisch geprägter Selbstverwaltung im Sinne von Gemeinwesenarbeit auf.

Der rote Faden in seinen Werken und in der Praxis ist die Gruppe; sie schafft den Rahmen für Beziehungen; Beziehungen prägen die Souveränität des Einzelnen und zugleich die Bezogenheit untereinander. Im KZ Theresienstadt und in Deggendorf war Gruppe das Konzept zur Stärkung der Menschen und zur Förderung ihrer Handlungsfähigkeit. Lowy spricht aus Erfahrung: „Die Gruppe kann das bieten, was das Ego braucht – Hoffnung und ein Gefühl von Zukunft.“

An Louis Lowy zu erinnern, dient nicht allein dem ehrenden Gedenken, sondern geschieht besonders aus der Überzeugung, dass auch 100 Jahre nach seiner Geburt und etwa 50 Jahre nach seinem Wirken an unserer Hochschule seine intensiv vertretene Botschaft von Demokratie einen Ort bei uns braucht, wirksam zu werden, in weiterer Forschung, in den Inhalten der Lehre und in der Didaktik unserer Hochschulangebote.

Der Psychoanalytiker Paul Gaspar dazu: „Er war der Überzeugung, dass durch Vermittlung von Demokratie, Bildung und sozialen Einstellungen ein Bollwerk zu schaffen ist gegen autoritäre Systeme.“ (Paul Gaspar, zitiert nach Lammel, 2018, S. 137)

Literaturhinweise:
Gardella, Lorrie Greenhouse (2019), Louis Lowy, Sozialarbeit unter extremen Bedingungen, Lehren aus dem Holocaust, Freiburg i.Br.

Lammel, Ute Antonia, Erinnerung an Louis Lowy und sein Erbe, in: Gerards, Marion; Lammel, Ute Antonia; Frieters-Reermann, Norbert; Krockauer, Rainer; Hrsg. (2018), Aachens Hochschule für Soziale Arbeit, 100 Jahre Tradition-Reflexion-Innovation, Opladen, Berlin, Toronto, S. 135-146 (darin enthalten: Ansprache von Heinz Kersting zum Tod von Lowy, Juli 1991)

Bock, Teresa; Lowy, Louis u.a. (1974), Lehrplanentwicklung für Sozialarbeiter und Sozialpädagogen, hrsg., von der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen, Freiburg i.Br.


Prof. Dr. Ursula Tölle, KatHO NRW, Abteilung Münster
16. Juni 2020

 

 

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