Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Dritte Jahrestagung des Instituts für Teilhabeforschung: „Teilhabe im Alter – Unterstützung und Pflege älterer Menschen mit Migrationshintergrund“ (10.12.2019, KatHO NRW)

Um Einwanderer_innen in ihrer Diversität gerecht zu werden, müssten auch biographische Erfahrungen, Bildung und Lebensstile berücksichtigt werden, sagte Prof. Dr. Dr. Hürrem Tezcan-Güntekin von der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin.

Bei der Ausgestaltung der Beziehung und den Unterstützungsbedarfen spielten auch das Geschlecht, die ethnische Herkunft oder die Religion eine wichtige Rolle, betonte Prof. Liane Schirra-Weirich in ihrem Vortrag.

Reges Arbeiten in den vier Workshops zum Tagungsthema.

In der Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass sich im Feld der professionellen Unterstützung älterer Menschen mit Migrationserfahrung zentrale Fragen einer teilhabeorientierten Wohlfahrtspflege und Sozialarbeit konkretisieren.

Am 25. November 2019 fand an der Abteilung Paderborn der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (KatHO NRW) die dritte Jahrestagung des Instituts für Teilhabeforschung statt. Unter dem Titel „Teilhabe im Alter – Unterstützung und Pflege älterer Menschen mit Migrationshintergrund“ tauschten sich etwa 90 Interessierte aus Wissenschaft und Praxis über neue Erkenntnisse und aktuelle Entwicklungen aus.

Die Zahl älterer Menschen mit Migrationserfahrung, die professionelle Unterstützung und Pflege benötigen, wird in den nächsten Jahren kontinuierlich zunehmen. Es handelt sich insbesondere um frühere Arbeitsmigrant_innen und ihre Angehörigen sowie um Spätaussiedler_innen, die in den vergangenen Jahrzehnten nach Deutschland kamen. Den ersten Vortrag hielt Prof. Dr. Dr. Hürrem Tezcan-Güntekin von der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin, die durch eine Vielzahl von Publikationen zum Thema der Tagung ausgewiesen ist. Ihr Beitrag trug den Titel „Pflegesituation und -erwartungen in der Einwanderungsgesellschaft – zur Notwendigkeit einer diversitätssensiblen Versorgung“. Eine angemessene Unterstützung von Menschen mit Migrationserfahrung, so wurde deutlich, sollte nicht ausschließlich unter dem Aspekt der Kultursensibilität konzipiert werden. Vielmehr sei es sinnvoll, auch andere relevante Kategorien, zum Beispiel biographische Erfahrungen, Bildung und Lebensstile, zu berücksichtigen, um Einwanderer_innen – wie allen älteren Menschen – in ihrer Diversität gerecht zu werden.

Den zweiten Vortrag zum Thema „Teilhabe in einer Gesellschaft der Vielfalt“ hielt Prof. Dr. Liane Schirra-Weirich von der Abteilung Aachen der KatHO NRW, die zugleich Prorektorin für Forschung und Weiterbildung der Hochschule ist. Sie orientierte sich ebenfalls an einem sozialwissenschaftlichen Verständnis von Diversität und behandelte die Vielgestaltigkeit der Lebensphase Alter. Dabei stützte sich die Referentin auch auf Erkenntnisse ihres bereits abgeschlossenen Forschungsprojektes PfADe: Präventive Versorgungsstrukturen für versorgende Angehörige für Menschen mit Demenz. Sie zeigte, dass im Blick auf die Beziehungen zwischen Demenzerkrankten und versorgenden Angehörigen eine intersektionale Betrachtung unumgänglich ist. So spielen bei der Ausgestaltung der Beziehung und den damit verbundenen Unterstützungsbedarfen neben dem Aspekt des Alters bzw. der Demenz beispielsweise auch das Geschlecht, die ethnische Herkunft oder die Religion eine wichtige Rolle.

In der Mittagspause bestand die Möglichkeit, sich im Rahmen von Posterpräsentationen über die Arbeitsfelder des Instituts für Teilhabeforschung zu informieren. Anschließend wurde das Tagungsthema in vier Workshops vertiefend behandelt:

  • Prof. Dr. Sabine Engel (KatHO NRW, Abt. Paderborn) stellte die Angehörigenschulung EduKation Demenz® und ihre Weiterentwicklung für türkische Migrant_innen in Deutschland vor.
  • Lisa-Marie Verhaert (KatHO NRW, Abt. Köln) gab vertiefte Einblicke in das von Prof. Dr. Schirra-Weirich in ihrem Eröffnungsvortrag erwähnte Forschungsprojekt PfADe. Ergänzt wurde diese wissenschaftliche Perspektive durch Helga Reinisch, Leiterin des Regionalbüros Alter, Pflege und Demenz, in Ostwestfalen-Lippe.
  • Prof. Dr. Marc Breuer, Jannah Herrlein und Christoph Frohn (KatHO NRW, Abt. Paderborn) präsentierten in ihrem Workshop Zwischenergebnisse aus dem laufenden Forschungsprojekt Religiöse Migrantengemeinden als Kooperationspartner von Altenhilfe und Seniorenarbeit in NRW (ReMigAS NRW) und diskutierten mit den Anwesenden Möglichkeiten der Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen Kommune, Altenhilfe und Migrantenselbstorganisationen.
  • Einen „Stadtteil der Zukunft“ entwickelten die Teilnehmenden unter Eike Breustedt (Transfernetzwerk Soziale Innovation, KatHO NRW) und Sinem Ulutas (EVH Bochum) in einem sogenannten „Utopieworkshop“. Dabei wurden zentrale Aspekte herausgearbeitet, die zu einer optimalen Versorgung von älteren Menschen mit Migrationshintergrund beitragen könnten.

 

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurden ausgewählte Erkenntnisse und Debatten aus den Workshops zusammengeführt. Deutlich wurde, dass sich im Feld der professionellen Unterstützung älterer Menschen mit Migrationserfahrung zentrale Fragen einer teilhabeorientierten Wohlfahrtspflege und Sozialarbeit konkretisieren. Auf der Homepage des Instituts für Teilhabeforschung werden fortlaufend weitere Informationen zu diesen Zusammenhängen bereitgestellt.

Bei der Gestaltung und Umsetzung der Jahrestagung wurde das Institut für Teilhabeforschung von dem Transfernetzwerk Soziale Innovation unterstützt.


Für weitere Informationen:

Themenschwerpunkt des "Instituts für Teilhabeforschung": Migrant_innen im Alter

Prof. Dr. Marc Breuer, m.breuer(at)katho-nrw.de

Christoph Frohn, M.A., c.frohn(at)katho-nrw.de

Jannah Herrlein, M.A., j.herrlein(at)katho-nrw.de

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