Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Staatssekretärin Sabine Weiss: Es ist höchste Zeit für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege (10.10.2019, KatHO NRW)

Pflegekräfte aus dem Ausland anzuwerben, könne nur ein Mosaikstein von vielen sein, um die Pflegesituation zu verbessern, sagte Staatssekretärin Sabine Weiss im vollen Plenarsaal in der KatHO NRW Köln.

Über 70 Studierende des Fachbereichs Gesundheitswesen hörten aufmerksam zu.

Viele regten mit ihren praxisbezogenen Fragen aus dem Pflegealltag die Diskussion zu Personaluntergrenzen, Personalnot und Nachwuchssorgen an.

Sabine Weiss antwortete ausführlich und kompetent. Viele Anregungen nahm sie mit nach Berlin.

Hochschulleitung und Fachbereichsvertreter_innen begrüßten den Gast aus dem Bundesministerium für Gesundheit: Dekan Wolfgang Heffels, Kanzler Bernward Robrecht, Prof. Guido Heuel, Staatssekretärin Sabine Weiss, Studierendenvertreterin Sandra Weber, Rektor Hans Hobelsberger und Prof. Gertrud Hundenborn (v.l.n.r.).

„Um den Personalnotstand in Deutschland zu beheben, brauchen wir auch ausländische Pflegekräfte“, sagte Sabine Weiss, Staatssekretärin beim Bundesministerium für Gesundheit, am 2. Oktober 2019 bei ihrem Besuch an der Katholischen Hochschule NRW (KatHO NRW) in Köln. Die CDU-Politikerin und frühere Bürgermeisterin von Dinslaken diskutierte mit über 70 Studierenden über die Gesundheits- und Sozialpolitik der Großen Koalition. Wichtig sei, dass die aus dem Ausland angeworbenen Fachkräfte über offizielle Organisationen wie die Auslandshandelskammern ins Land kämen und nicht über dubiose Anwerbefirmen, die jeden verdienten Cent einstrichen: „Die ausländischen Pflegekräfte sollen in Deutschland auf Augenhöhe mit anderen Pfleger_innen leben und arbeiten“, betonte Weiss. Aber dieses Modell könne nur ein Mosaikstein von vielen sein, um die Pflegesituation zu verbessern.

„Deshalb muss sich an die ‚Konzertierte Aktion Pflege‘ der Bundesregierung eine Reform des Sozial- und Gesundheitssystems anschließen, bei der wir gleichzeitig die Frage der Bezahlbarkeit im Blick behalten“, erklärte Weiss. Denn waren es 1960 noch neun Arbeitnehmer, die die Rente eines Versicherten finanzierten, sind es heute nur noch zwei. Die Gesundheitskosten explodieren. Auch bei der Pflegeversicherung gibt es angesichts steigender Zahlen Demenzerkrankter viele offenen Fragen.

In der lebhaften Diskussion kamen auch die Pflegepersonal­unter­grenzen für pflegesensitive Bereiche zur Sprache, die nach Ansicht der Studierenden seit Anfang des Jahres auf Kosten der pflegenden Menschen durchgesetzt würden. Hier sei es die Aufgabe der Landespolitiker_innen, bei den Krankenhäusern genauer hinzuschauen und die Konkurrenzsituation um Fachpersonal unter den Einrichtungen vor Ort zu entschärfen. Auch die Qualität in der Altenpflege darf nicht länger das Stiefkind bleiben: „Alte Menschen haben genauso qualifizierte Pflegekräfte verdient wie alle anderen“, betonte Weiss. Die Politik habe zu lange weggeschaut und viel Vertrauen verloren.

Das Nachwuchsproblem liegt auch am schlechten Image der Pflegeberufe. Nur ein Dreiklang aus besserer Bezahlung, besseren Arbeitsbedingungen mit weniger Schichtdiensten und mehr Vollzeitstellen sowie einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf hinsichtlich der Arbeitszeiten kann eine Lösung sein. „Zur Attraktivität des Berufs gehört auch, dass die Pflegekraft nicht ständig auf die Uhr schauen muss. Auch die Pflegedokumentation sollte auf ein notwendiges Maß begrenzt sein“, sagte Weiss. Da müsse die Politik entschiedener eingreifen und die Leitplanken neu setzen – dafür ist es höchste Zeit. Denn eine Gesellschaft hat sich immer daran zu messen, wie sie mit den Schwachen umgeht.

Die Veranstaltung fand auf Initiative des Fachbereichs Gesundheitswesen unter Professor Dr. Guido Heuel und der Studiengruppe (Sprecherin Sandra Weber) statt. Ein Grundgedanke ist die Förderung der politischen Partizipation. Weitere Diskussionen sind geplant.

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2019