Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Stairway to Heaven (22.07.2019, Paderborn)

Die Absolvent_innen 2019

Guido Korfmann und Ulrike Weber, Semestersprecher_innen

Pianistin Helena Plem

Prof. Dr. Kai G. Sander

Prof‘in Dr. Katharina Karl, Institutsleiterin des Jugendpastoralinstitutes Don Bosco (JPI), Benediktbeuern

Dompropst Msgr. Joachim Göbel

Stellvertretender Bürgermeister der Stadt Paderborn, Bernhard Schaefer

Cordula Picht, Vertreterin der Ausbildungsleitungen

Anna Mühlberger, Pauluskolleg

Tim Wenzel, Förderverein

Daniel Scharf und Sarah Didden

Franz Ellendorf, Jasmin Lobert, Sarah Didden

Akademische Abschlussfeier am 20. Juli 2019 im Fachbereich Theologie der KatHO NRW Paderborn

Strahlender Sonnenschein, sommerliche Temperaturen, fröhlich gestimmte Gäste und 23 Studienabsolvent_innen, die nach bestandenem Examen als frischgebackene „ReliPäds B.A.“ in das (kirchliche) Berufsleben eintreten: Perfekte Zutaten für einen festlichen Tag von Rückblick, Abschied und Neubeginn.

Zu Beginn begrüßten Ulrike Weber und Guido Korfmann im Namen des Absolventenjahrgangs die Teilnehmer des Gottesdienstes in der Marktkirche. In der stimmungsvoll und durch die „Paulusband“  mit Charleen Horoba, Schlagzeug; Manuel Rios-Juarez, Gitarre; Rebekka Griemens, Jennifer Markwiok, Geigen; Valentine Gebauer, Klavier; Annalena Budik, Sven Bökenheide, Johanna Scheich, Gesang; Heiko Zweigelt, Technik, allesamt Studierende der KatHO NRW Paderborn, musikalisch sehr ansprechend gestalteten Eucharistiefeier lud Spiritual Dr. Andreas Rohde nicht nur die Studienabsolventen dazu ein, „Erfüllungsgehilfen Gottes“ zu sein und es in ihrem Leben immer mehr zu werden. Dazu sei es wichtig, Gastfreundschaft zu üben – und selber als Gast am Leben der Menschen teilzuhaben. Der Kollektenwunsch der Absolventen stand ganz im Zeichen dieser Teilhabe: Der Ertrag der Kollekte geht an die Fazenda „Gut Hange“ bei Freren, auf der junge drogen- und alkoholabhängige Männer ihren Weg aus der Sucht in eine gelingendes Leben suchen. Die Studierenden hatten die Rekuperanten mit ihren Lebensgeschichten im März 2017 kennengelernt.

Nach dem Gottesdienst fand die Abschlussfeier im großen Hörsaal der KatHO NRW  ihre Fortsetzung. Zum wirkungsvollen Auftakt geriet das Spiel der Paderborner Pianistin Helena Plem, die mit P. I. Tschaikowsky „Dumka“ op. 59 gleich zu Beginn des Festaktes einen starken musikalischen Akzent setzte.

Der Dekan des Fachbereichs Theologie, Prof. Dr. Kai G. Sander, begrüßte die Anwesenden, Freunde und Verwandten unserer Studienabgänger, aber auch zahlreiche Ehrengäste: Dompropst Msgr. Joachim Göbel, Leiter der Hauptabteilung Schule / Erziehung im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn und stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates der Katholischen Hochschule NRW, Domkapitular Prälat Christoph Steinert, Abteilungsleiter für die Pastoralen Dienste im Bistum Fulda, Frau Cordula Picht, Ausbildungsleiterin der Gemeindereferent_innen im Erzbistum Paderborn und stellvertretende Sprecherin für die Ausbildungsleitungen der kooperierenden Diözesen, Sr. Rita Niehaus, Ausbildungsleiterin des Bistums Osnabrück, Frau Anna Mühlberger, kommissarische Leiterin des Pauluskollegs, Frau Michaela Welling, Assistentin in der kommissarischen Leitung des Pauluskollegs, Spiritual Dr. Andreas Rohde, Prof. Dr. Dr. Andreas Koritensky, Theologische Fakultät Paderborn, und last but not least den offiziellen Vertreter von Stadt und Kreis: Herrn Bernd Schaefer, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Paderborn.

In seinem Grußwort erinnerte der Dekan des Fachbereichs Theologie daran, dass es nicht selbstverständlich sei, sich Hier und Heute für einen kirchlichen Beruf zu entscheiden: Die Glaubwürdigkeit der Kirche habe auf vielfache Weise gelitten, Erneuerung stünde nicht von denen zu erwarten, die bisher Teil des Problems seien, sondern vielmehr von neuen, jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dennoch habe das Christentum in seiner konfessionellen Gestalt eine Zukunft. Soziologen gehen davon aus, dass es im Deutschland des Jahres 2060 noch dreißig Millionen Christen gäbe. So seien im Heute für das Morgen Menschen mit frischen, unverbrauchten Ideen gefragt.

Die Festansprache hielt Frau Prof‘in Dr. Katharina Karl, Institutsleiterin des Jugendpastoralinstitutes Don Bosco (JPI), Benediktbeuern, zum Thema: „Spirituell kompetent! Glauben und theologische Ausbildung“. Die Referentin beschrieb Spiritualität als die konkrete Gottesgeschichte eines Menschen. Der Begriff, verankert sowohl in der theologischen Anthropologie wie auch in der Lehre vom Heiligen Geist, ziele auf die Dimension der Sehnsucht des Menschen,  meine dessen Bereitschaft, das eigene Leben als Reise „ins Weite“ zu wagen. Spiritualität ist gleichermaßen Lebenshaltung und Institution, sie ist didaktisierbar in Bildungsprozessen und als Lebensglaube in Denkart und Tun. Spirituelle Kompetenz erwachse aus der Bereitschaft, lebenslang den Anspruch des Transzendenten in der eigenen, sehr bewussten Lebenspraxis als Individualisierung der Nachfolge Gestalt zu geben (Roman Siebenrock). Nur so sei es möglich, Menschen zu begleiten und sie ihrerseits an ihre spirituellen Quellen heranzuführen. Beruf, Berufung und Existenz lassen sich hier nicht trennen. Die Theologie erweise sich dazu im Rahmen der Ausbildung als Resonanzraum und Reflexionsebene.

Auf den Festvortrag und den Dank des Dekans an Frau Prof'in Dr. Katharina Karl für ihre impulsreichen Darlegungen folgte das Impromptu Ges-Dur von Franz Schubert.

Zahlreiche Grußworte schlossen sich an. Dompropst Msgr. Joachim Göbel beglückwünschte die Studienabsolventen zu ihrem Studienabschluss. Sein Glückwunsch griff das Motto des Liborifestes 2019 auf: Sich auszukennen „im Himmel und auf Erden“ befähige die Studienabgänger in ihren künftigen Tätigkeitsfeldern dazu, Pfadfinder zu sein auf der Suche nach Orten, an denen sich Himmel und Erde berühren. Der dritte, stellvertretende Bürgermeister der Stadt Paderborn, Bernhard Schaefer, überbrachte die Grüße und Glückwünsche von Bürgermeister, Rat und Verwaltung der Stadt. Er ermutigte die Studienabsolvent_innen dazu, in ihrem Berufsleben immer wieder von Gott zu sprechen, aber auch energisch gegen Populismen jeder Art anzugehen. Frau Cordula Picht beglückwünschte die Studienabsolventen im Namen der diözesanen Ausbildungsleitungen. Gefragt seien Frauen und Männer im kirchlichen Dienst, die neue Ideen einbringen und die bereit sind, Veränderungen auch geistlich mitzugestalten. Frau Anna Mühlberger vom Pauluskolleg erinnerte an die vergangenen Jahre der Ausbildung. Ihr Glückwunsch mündete in den Hinweis auf das Motto der Abschlussfeier und den Wunsch an die Absolventen, in ihrem Berufsleben immer wieder Brücken zu bauen. Den Reigen der Grußworte und Glückwünsche beschloss der Wunsch des Vertreters des Fördervereins „Freunde & Förderer des Pauluskollegs e.V.“, Tim Wenzel, die ehemaligen Hausbewohner als neue Mitglieder bald begrüßen zu können.

Schwungvoll ging es weiter: Helena Plem spielte den cis-moll-Walzer op. 64 Nr. 2 von Frederic Chopin.

Gemeinsam mit Prodekan Prof. Dr. Werner Wertgen überreichte Dekan Prof. Dr. Kai G. Sander sodann in alphabetischer Reihenfolge die Zeugnisse an die Absolventen des Studienganges.

Drei Absolvent_innen wurde der von der Bank für Kirche und Caritas gestiftete „Preis für herausragende Bachelorarbeiten“ verliehen. Entscheidendes Kriterium dieses Preises ist eine fundierte theologische Reflexion mit praxisrelevantem Bezug, die sich als wissenschaftlich besonders innovativ ausweist. In einer prägnanten Laudatio stellte Frau Prof'in Dr. Bergit Peters die ausgezeichneten Arbeiten vor.

Frau Sarah Didden wurde für ihre Arbeit: „Außeralltägliche Religiosität beim Pilgern. Eine empirische Studie und Folgerungen für eine „Pastoral des Pilgerns“ (Erstgutachter: Dr. Patrick Heiser, Fernuniversität Hagen / Zweitgutachter: Prof. Dr. Feeser-Lichterfeld) prämiert. In ihrer Arbeit reflektiert Sarah Didden auf gediegen soziologisch-empirischer Basis außeralltägliche Formen von Religiosität am Beispiel des Pilgerweges nach Santiago di Compostela  - und dies im Sinne einer „Pastoral des Pilgerns“,  die  im „Raum der Freiheit“ einen originellen und innovativen Beitrag für eine pastoral- statt allein religionsgemeinschaftliche Praxis zu leisten vermag.

Frau Jasmin Lobert wurde für ihre Studie „Die (Un)Vereinbarkeit von Naturwissenschaften und Theologie – oder: Wieso die Theologie (k)eine Wissenschaft ist. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Verhältnis der beiden Disziplinen.“ (Erstgutachter: Prof. Dr. Werner Wertgen / Zweitgutachter: Prof. Dr. Kai G. Sander) ausgezeichnet. In ihrer Studie erarbeitet Jasmin Lobert zunächst einen differenzierten Begriff von "Wissenschaft", um von hier aus zu prüfen, ob die Theologie diesem Anspruch überhaupt gerecht zu werden vermag. Vom Wissenschaftscharakter der Theologie hängt zwar nicht die Plausibilität des Glaubens ab, die Theologie ist aber ein legitimer hermeneutischer Zugang zu ihm und eröffnet so ein verantwortetes Verständnis des Glaubens. Soll der Glaube nicht beliebig werden und ins Irrationale abgleiten, ist es wichtig, sich immer wieder darüber zu vergewissern, ob Glaubensinhalte, Glaubensformen und davon abgeleitete Vollzüge mit den Glaubensgrundlagen in Einklang stehen. Der Glaube bedarf der Begleitung durch die Vernunft: Die Theologie muss also ein rationales Unternehmen sein, in dem im Licht des Glaubens argumentiert wird.

Herr Franz Laurus Ellendorf (Erstgutachterin: Prof'in Dr. Christiane Koch / Zweitgutachter: Prof. Dr. Wilhelm Tolksdorf) wurde für seine Studie „Dient einander in Liebe“ (Gal 5,13). Biblische Bilder von Gemeinschaft in der Regel des Heiligen Benedikt“ ausgezeichnet. In seiner Arbeit zeigt Franz Ellendorf die komplexe Entstehungsgeschichte der Benediktsregel und ihre biblischen Bezüge auf. Dabei kommen aktuelle Bezüge zur Pastoral der Gegenwart in den Blick. Die Einbettung der Überlegungen in der Frage nach dem Beitrag der Ordensspiritualität für die gegenwärtigen kirchlichen Aufbrüche verleihen der Studie eine höchst aktuelle und relevante Praxisorientierung: Dem Evangelium Raum zu geben, heißt das Miteinander als steten Dienst zu begreifen.

Der Applaus des Auditoriums galt nicht nur den Preisträgern – er galt auch der „Bank für Kirche und Caritas eG“, Paderborn, und ihrem Vorstandsvorsitzenden Dr. Richard Böger.

Auf humorvoll-besinnliche Weise zogen Frau Sarah Didden B.A. und Herr Daniel Scharf B.A. abschließend Bilanz. In einem spritzig-schwungvollen Dialog erinnerten sie an überraschende, skurrile und schöne Begebenheiten aus ihrer Zeit im Pauluskolleg, aber auch an all die vielen (pastoralen) Orte und Gelegenheiten, mit denen sie in Vorlesungen, Seminaren und Übungen bekannt gemacht worden seien. Der Rückblick wurde zu einem liebevollen Dank an alle, die diese Zeit des Studiums und der Ausbildung zu einem guten Ganzen haben werden lassen.

Noch einmal ergriff Dekan Prof. Dr. Kai G. Sander das Wort: Er dankte allen, ohne deren Tun und Mithilfe der Festakt so nicht hätte stattfinden können. Mit Beifall wurden Frau Eva-Maria Diekneite, Dekanatssekretärin und guter Geist hinter den Kulissen, Frau Maria-Theresia Fromme und Frau Marina Hermens vom Prüfungsamt sowie das eifrige Helferteam der Studierenden bedacht. Langanhaltender, herzlicher Beifall sodann auch für Herrn Prof. Dr. Hans Martin Weikmann, der mit dem vergangenen Sommersemester 2019 als hauptamtliche Kraft aus dem Fachbereich ausscheidet, diesem aber noch für ein weiteres Jahr zur Verfügung stehen kann. 

Den Schluss des Festaktes setzte nicht das Wort, sondern die Musik. Pianistin Helena Plem interpretierte auf subtile Weise das Rondo capriccioso op. 14 von Felix Mendelssohn-Bartholdy:  Ein wundervoller Ausklang, bei dem wohl viele verspürt haben, wie das sein mag mit dem Himmel - in dieser festlichen Stunde voller Dankbarkeit, Wehmut, Heiterkeit und Aufbruch.

 

Prof. Dr. Wilhelm Tolksdorf

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2019