Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Forschungsperspektiven hautnah (17.04.2019, KatHO NRW)

Am 11. April 2019 hat das jährliche Fachforum des Forschungsschwerpunktes „Bildung und Diversity“ der KatHO NRW in der Abteilung Münster stattgefunden. Über 50 interessierte Professor_innen, wissenschaftliche Mitarbeiter_innen und (meist Master-) Studierende der Abteilungen Köln, Aachen und Münster sowie einige pädagogische Fachkräfte waren gekommen, um sich wissenschaftlich auszutauschen und zum Teil steile Thesen zu diskutieren. Vor genau 17 Jahren fand 2002 im gleichen Raum die erste Tagung des Forschungsschwerpunktes statt – damals noch unter dem Namen „Soziale Arbeit und Gender“. Inzwischen ist viel passiert: Diversity ist nicht nur super. In Zeiten, in denen Jean-Claude Kaufmann ein Buch über die „Erfindung des Ich“ (2012) schreibt oder Andreas Reckwitz (2017) einen Bestseller landet mit dem Titel „Die Gesellschaft der Singularitäten“ – da reicht ein „Alles schön bunt hier“ nicht mehr: Macht- und Verteilungsstrukturen stehen wieder stärker im Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Ähnlich sind die Begriffe Inklusion oder Interkulturalität ins wissenschaftliche Kreuzfeuer geraten; Franz Hamburger hat sich schon von interkultureller Pädagogik verabschiedet und Paul Mecheril provoziert mit dem Begriff Kompetenzlosigkeitskompetenz.

Auf dem Fachforum haben sechs Projekte die Teilnehmenden ein Stück weit mit auf ihre Forschungsreise genommen und Einblicke in die Work-in-Progress Projekte geboten. Die Projekte sind inhaltlich und methodisch sehr unterschiedlich aufgestellt. Doch alle Beitragenden versuchten, routinisierte Praxen in Einrichtungen, in der Beratung oder in der Forschung zu irritieren.

Grit Höppner interessierte die Frage, wie über homogenisierende Praktiken aus (diversen) Bewohner_innen von Seniorenheimen hilfe- und sicherheitsbedürftige Klient_innen gemacht werden. Sarah Yvonne Brandl zeichnete in gruppenanalytischen Verfahren nach, dass Konflikte, Haltungen und Bilder (z.B. vom Sündenbock) nicht nur individuell verfügbar, sondern immer auch als ein Produkt der Gruppe zu verstehen sind. Angelika Schmidt-Koddenberg, Annette Müller und Masterstudentinnen berichteten die Forschungsergebnisse aus ihrer Befragung von Studienpionier_innen. Regine Müller schaute kritisch auf die „Teilhabechancen für Kinder in Armut“ bzw. darauf, was und wie darüber in der Sozialpolitik und der Sozialen Arbeit – zwischen Armutsverwaltung und individueller Repräsentanz – kommuniziert wird. Susanne Bücken und Johanna Meiers unterzogen die Programmatiken großer Bildungsträger einer differenzsensiblen und rassismuskritischen Diskursanalyse, die u.a. auch koloniale Quellcodes entdeckt. Beeindruckt hat auch die Reflexion des partizipativen Forschungsprozesses mit jungen geflüchteten Menschen: Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Weena Mallmann und die Jugendlichen Maryam Kakar und Abdul Rahman Abu Nabout überzeugten durch eine (selbst-) kritische Performance. Schließlich haben drei Masterstudierende das Forum brillant kommentiert.

Text: Brigitte Hasenjürgen

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2020