Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

3.Paderborner Symposium zu pastoralen Lehr-Lern-Prozessen (06.02.2019, Paderborn)

Prof´in Dr. Judith Könemann, Universität Münster

Michaela Labudda, Dipl.-Rel.Päd., M.A. Theologische Bildung

Dekan Prof. Dr. Kai G. Sander

Prof´in Dr. Bergit Peters

Unter dem Motto “Der Praktikumsort Schule und die religionspädagogische Identität“ hat der Fachbereich Theologie der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Paderborn, am 30. und 31. Januar 2019 das dritte Paderborner Symposium zu pastoralen Lehr-Lern-Prozessen veranstaltet.

Das rege Interesse an diesem jährlichen Symposium, das inzwischen schon zu einer kleinen Tradition geworden ist, spiegeln die rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wider: Zu ihnen zählten neben Studierenden des Bachelorstudiengangs Religionspädagogik vor allem auch zahlreiche Mentorinnen und Mentoren sowie viele Ausbildungsleitungen der vierzehn mit dem Fachbereich Theologie kooperierenden (Erz-)Bistümer sowohl im Fern- wie auch im Präsenzstudiengang. Begründet liegt diese positive Resonanz auf das Symposium sicherlich darin, dass es in fachlicher Perspektive unmittelbar anknüpft an die beiden ersten Paderborner Symposien. In der inhaltlichen Fortführung wird deutlich, dass das „Lernen aus der Praxis für die Praxis“ insbesondere in der Ausbildung von pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und hier noch einmal besonders im Rahmen von Praktika und Studienprojekten nach wie vor eine herausragende Rolle spielt. Doch die Erfahrungen in dem dezidiert praxisbezogenen Studium der Religionspädagogik zeigen auch, dass die reflektierte Verknüpfung der Praktikumserfahrungen mit den Studieninhalten den Studierenden alles andere als leicht fällt, dass oft auch Mentorinnen und Mentoren nach ihrer spezifischen Rolle und ihrem konkreten Auftrag in der Praxisbegleitung fragen und die Ausbildungsleitungen nach einer engen Abstimmung zwischen Hochschule und potenziellem Arbeitgeber hinsichtlich der Ausgestaltung und Auswertung der Praktika suchen. Daher ist eine kontinuierliche Überprüfung und Weiterentwicklung des Praktikumskonzeptes unabdingbar. Dementsprechend eröffnete Prof. Dr. Ulrich Feeser-Lichterfeld, zuständig für Praktische Theologie mit dem Schwerpunkt Praxisbegleitung, Praxisforschung und Pastoraltheologie, das Symposium am Mittwochnachmittag mit Informationen zu den Grundzügen des aktuellen Praxiskonzeptes, welches sich gegenwärtig in einem curricular integrierten Praktikumskonzept konkretisiert. Ergänzt wurden seine Ausführungen durch die Darstellung des Praktikumskonzeptes im Fernstudiengang, der mit diesem Wintersemester 2018/19 begonnen hat, durch Frau Michaela Labudda, Dipl. Rel.Päd., M.A. Theologische Bildung. Sie konnte bereits von ersten, positiven Erfahrungen mit dem Konzept im Fernstudium berichten, betonte jedoch auch die Veränderungen hinsichtlich der zeitlich begrenzten Praxisblöcke gegenüber dem Präsenzstudiengang Religionspädagogik B.A..

Im Fokus des diesjährigen Symposiums stand die Frage nach den (Lern-)Chancen des Praktikumsortes Schule für das Ausprägen einer religionspädagogischen Identität. In anregenden Tischgruppengesprächen wurde diese Frage im Anschluss an fokussierte Informationen zu den religionspädagogischen Beobachtungs- und Erprobungsaufgaben ausführlich diskutiert.

Ein Highlight des ersten Tages des Symposiums ist sicherlich die Buchpräsentation „Studium trifft Beruf. Praxisphasen und Praxisbezüge aus Sicht einer angewandten Theologie“, erschienen in der Reihe „Bildung und Pastoral“, Band 6, herausgegeben von Reinhard Feiter und Judith Könemann, im Matthias Grünewald Verlag, Stuttgart 2019, durch die beiden Herausgeber, den Dekan des Fachbereichs Prof. Dr. Kai G. Sander und Prof. Dr. Feeser-Lichterfeld gewesen. Der Band dokumentiert die Erträge des Praxis-Lernens an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen und ist schon jetzt auf ein äußerst reges Fachinteresse gestoßen.  

Das komplexe Themenfeld des „religionspädagogischen Praxis-Lernens in der Schule“ wurde am Donnerstag weiterhin ausgeleuchtet. Den Auftakt hierzu machte Prof.´in Dr. Judith Könemann, Universität Münster, durch ihren fachlich fundierten Vortag „Das Schulpraktikum zwischen den Stühlen, oder: Warum Pastoral Bildung braucht und Bildung Pastoral“. Sie zeigte auf eindrucksvolle Weise, dass zwar historische Entwicklungen zu einem Auseinandertreten von Pastoral und Bildung geführt hätten, es jedoch gegenwärtig immer noch Konvergenzen zwischen Pastoral und Bildung gäbe. Hierzu leuchtete sie sensibel die neuzeitliche Grundsituation aus und folgte der Begriffsdefinition von Dietrich Korsch, das Bildung eine „Differenzkompetenz“ sei, die zur „Unsicherheitstoleranz“ befähige und auch zur Kompetenz ein „Leben führen zu können“. In Anknüpfung an Reinhard Feiters Unterscheidung von einer groß- und kleingeschriebenen Pastoral betonte sie, dass Schule zu einem pastoralen Ort werden könne, der sich zwar von einer kirchlichen Praxis her bestimmen lasse, der jedoch nicht Kirche sei. Denn insbesondere in der Schule gehe es um die Entfaltung der Subjektivität aller Menschen; die Schule sei ein Abbild gesellschaftlicher Realität und damit ein Ort religiöser Pluralität. Von daher werde eine religionspädagogische Identität in der Schule anders gefragt als beispielsweise an explizit kirchlichen Orten der Pastoral. In der Schule sei eine interreligiöse Kompetenz nötig, die Kohärenz stifte ohne jedoch Unterschiede aufzuheben. Mit diesen Anforderungen an eine religionspädagogische Identität könne daher, so die Referentin, insbesondere die Schule aufgrund ihrer Andersartigkeit zu einem genuin identitätsbildenden Ort werden.

Im Anschluss an den inspirierenden Fachvortrag hatten die Teilnehmer_innen des Symposiums Gelegenheit, den Begriff der „religionspädagogischen Identität“ mittels eines Scrabble-Spiels zu erkunden und zu erforschen; Gesichter und Geschichten rings um „religionspädagogische Identitäten“ boten zahlreiche Anlässe für äußerst anregende und sachkundige Gespräche. Zu den gut vorbereiteten und auskunftsfreudigen Gästen zählten: Dr. Heike Bee-Schroedter, Diözesanmuseum Paderborn, Dr. Carina Caruso, Lehrer_innenausbildung an der Universität Paderborn, Dr. Stefan Klug Lehrer_innenfortbildung im Erzbistum Paderborn, Gregor Lauenburger, Schulpastoral im Bistum Essen, Daniel Meyer zu Gellenbeck, Lehrer_innenausbildung im Bistum Münster, Johannes Roewekamp, Lehrer_innenausbildung im Erzbistum Paderborn, Prof. Dr. Alexander Saberschinsky, Liturgische Bildung an der KatHO NRW, Christof Stracke, Vernetzung Schule und Gemeinde, Paderborn, Sebastian Wigger, Berufseinführung Gemeinde- und Pastoralreferent_innen, Bistum Osnabrück.

Eine inhaltliche Bündelung, verbunden mit einem perspektivischen Ausblick bot der Vortrag „‘Religionspädagogische Identität‘ als Schlüssel für das Curriculum, das Berufsprofil und die Lebenswelt?!“ der Fachvertreterin an der KatHO NRW. In ihm machte sie deutlich, dass der Praktikumsort Schule u.a. auch den Charakter eines exemplarischen Lernens für das zukünftige berufliche Handeln als Gemeinde- und Pastoralreferent_in haben könne. Denn gerade am Lernort Schule könne die Fähigkeit zur (Selbst-)reflexion wie auch zur Transformation (von theologischen Inhalten), die zu den Schlüsselkompetenzen einer religionspädagogischen Identität gehöre, erprobt werden. Zu überlegen sei gerade auch im Zusammenhang mit den zuletzt genannten Schlüsselkompetenzen, ob es zukünftig nicht sogar angemessener sei, vom Erwerb einer „Religionspädagogischen Identitätskompetenz“ zu sprechen.

Kooperation und Dialog prägten die Atmosphäre des gesamten Symposiums mit seinen vielen konstruktiven Begegnungen und Beiträgen aller Teilnehmenden. Ebenso wurde deutlich, wie gewinnbringend und fruchtbar der vom Fachbereich Theologie eingeschlagene Weg ist, das Themenfeld „Praxis-Lernen“ im Allgemeinen und die Ausgestaltung der Praktika und Studienprojekte im Besonderen gerade auch unter hochschuldidaktischen Aspekten fortzuentwickeln.

Prof´in Dr. Bergit Peters

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2019