Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

„Aktuelle Herausforderungen im Betreuungsalltag von Tagespflegepersonen“ (21.12.2018, Aachen)

An der Abteilung Aachen wurde von März 2017 bis Juli 2017 eine Erhebung durchgeführt. Nach der Auswertung der quantitativen Daten (veröffentlicht am 25.04.2018) liegt nun der Forschungsbericht zu den qualitativen Daten vor.

Der größte Teil der frühkindlichen Betreuung findet in Form von institutioneller Betreuung statt. Es wird jedoch ein deutlicher Trend dahingehend erkennbar, dass sich die Kindertagespflege (im Folgenden KTP) immer mehr zu einer zweiten wichtigen Säule in der frühkindlichen Betreuung entwickelt. Der quantitative Ausbau im Bereich der KTP in den letzten Jahren wurde von einer Qualitätsdebatte begleitet, die weiterhin anhält. Die vorliegende Studie durchgeführt von Prof'in Dr. Silvia Hamacher und unter wissenschaftlicher Mitarbeit von Edith Biedenbach (B.A.) und Jacqueline Rösler (B.A.) greift die Spannungsfelder auf, innerhalb welcher Tagespflegepersonen (im Folgenden TPP) arbeiten müssen.

Ein Ziel der Studie war es, durch den gewonnenen Einblick, die Herausforderungen des Arbeitsalltages in der KTP zu benennen und zu überprüfen, inwieweit die vorhandenen Rahmenbedingungen die pädagogische Prozessqualität sowie das Professionsverständnis der TPP beeinflussen. Bedeutsam ist auch die Betrachtung von selbstentwickelten Strategien der TPP im Umgang mit den alltäglichen Hürden und den Herausforderungen, die sich aus grundsätzlich heterogenen und damit schwierigen strukturellen Rahmenbedingungen (Finanzierung, Verberuflichung, Anerkennung etc.) ergeben, um mögliche Empfehlungen für Politik und Träger daraus abzuleiten.

Es wurde eine standardisierte Onlinebefragung durchgeführt. Die deskriptiv statistischen Zahlen (quantitative Daten) wurden im April 2018 veröffentlicht (Link zu Teil I der Studie). Die Inhaltsanalyse der qualitativen Daten liegen nun auch vor. Die Beteiligtenrate in der BRD an dieser Onlinebefragung war sehr hoch: 1.123 Tagespflegepersonen nahmen teil. Diese hohe Teilnehmer*innenzahl führte jedoch dazu, dass die Daten in zwei Teilen ausgewertet werden mussten. Die Studie Teil 2 finden Sie im Downloadbereich (unten).

Ausgewählte Ergebnisse der Datenlage des  2. Teils der Studie:

 

1. Strukturellen Arbeitsbedingungen der TPP:

Es mangelt an Vertretungsregelungen bei Krankheitsfällen der TPP. Die TPP müssen grundlegende Modelle für sich entwickeln, um bei Krankheit und Ausfallzeiten keine allzu großen finanziellen Einbußen zu haben.

Am deutlichsten tritt aus der qualitativen Befragung hervor, dass der eigene hohe Anspruch an die zu leistende Arbeit ein hohes Maß an Anstrengung verursacht. Die Diversität und Heterogenität dieser vielen unterschiedlich zu erbringendenTätigkeiten kann den eigenen Ansprüchen und dem Professionsverständnis nicht genügen.

Durch die Diversität des Handlungsfeldes der KTP und dem hohen Maß an mittelbaren und im Grunde nicht bezahlter Arbeitszeit ergibt sich ein anstrengendes und anspruchsvolles Aufgabenfeld für die TPP.

Folgerung: Die strukturellen Arbeitsbedingungen der TPP müssen kritisch überdacht werden.

 

2. Elternarbeit

Elternarbeit wird von den TPP als anspruchsvoll erlebt, sie geben an, mehr Raum und Zeit hierfür zu benötigen.

Elternarbeit ist ein wichtiges Element der KTP, welches durch das Facettenreichtum die TPP herausfordert (z.B. Elterngespräche, unterschiedliche Elternerwartungen, Arbeitsanforderungen usw.), dies zeigen die Daten sehr deutlich. Die TPP gehen diese Herausforderungen durch den Wunsch nach Fortbildungen zu diesen Themen an.

Folgerung: Ein Angebot zum Umgang mit den Herausforderungen der Elternarbeit muss betrachtet werden, eine Passgenauigkeit der Bedürfnisse der KTP und der sich ihnen begegnenden Problemlagen scheint noch nicht gefunden worden zu sein.

Allgemeines Fazit: Die KTP hat sich zu einer wichtigen zweiten Säule im bundesdeutschen Betreuungssystem entwickelt. Jedoch muss konstatiert werden, dass die gesetzlich verankerte Gleichstellung zur institutionellen Betreuung noch nicht vollzogen ist.

Redaktion: Prof'in Dr. Silvia Hamacher

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