Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

„Die Lebenslage Armut aus der Perspektive betroffener Eltern“ (18.12.2018, Paderborn)

 

- so lautet der Titel einer von Prof. Dr. Marc Breuer und Prof. Dr. Monika Többe-Schukalla durchgeführten qualitativen Befragung, deren Ergebnisse zum 2. Kinder- und Jugendbericht der Stadt Paderborn beitragen konnten. Dieser beschäftigt sich mit der Lebenslage und Zufriedenheit von Familien mit dem Schwerpunkt Kinder- und  Familienarmut und wurde am 21.11.2018 unter Mitwirkung der beiden DozentInnen in der Kulturwerkstatt Paderborn der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Befragung basierte auf Leitfadeninterviews, die im Frühjahr 2016 in Paderborn mit einem Personenkreis durchgeführt wurde, der seinen Lebensunterhalt weitgehend über die Grundsicherung nach dem SGB II bestreitet. Die Personen befinden sich damit unterhalb der politisch gesetzten Armutsgrenze, die maßgeblich für den Leistungsbezug ist. Ihre Lebenssituation ist dominierend durch den Status der alleinerziehenden Elternschaft geprägt.

Neben der fehlenden materiellen Versorgung ist Armut als Lebenslage gekennzeichnet durch kumulierte Unterversorgungen in Bereichen wie Bildung, Gesundheit, Wohnen und Freizeit. Die Interviews waren somit von der Leitfrage getragen, welche gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten und Verwirklichungschancen die befragten Personen und ihre Kinder haben und wahrnehmen können.

Die Analyse des Interviewmaterials verdeutlichte, dass die Höhe der finanziellen Unterstützung, die komplette Verrechnung von Sozialleistungen wie Kindergeld und Grundsicherung sowie die hohe Anrechnung von Arbeitseinkommen auf die Sozialleistung permanente Herausforderungen für die Betroffenen darstellen. Finanzieller Mangel schränkt den Aktionsradius ein und führt zur Isolation. Kontakte gehen vielfach über die unmittelbare Kernfamilie kaum hinaus. Das Wohlbefinden der Kinder steht im Mittelpunkt der Alltagsbewältigung. Alle Bewältigungsstrategien in der aktuellen Lebenssituation zentrieren sich bei hohem eigenen Verzicht fast ausschließlich auf die Kinder. Dennoch führt der isolierte Lebenswandel zum Teil auch zu einem von den Befragten nicht gewollten Mangel an Spiel- und Erfahrungsräumen bei den Kindern.

Deutlich wurde aber auch, dass vielen Interviewten Informationen über vorhandene Unterstützungen im kommunalen Raum fehlen. Dieser fehlende Zugang kann als Resultat der isolierten Lebenssituation gedeutet werden und sich zu weiterer erlernter Hilflosigkeit verdichten. Es zeigte sich, dass Informationen und Kenntnisse über kommunale Hilfen je nach Bildungsstatus variieren. Zudem werden öffentlichen Unterstützungsangebote auch von informierten Personen aufgrund von Stigmatisierungserfahrungen und -ängsten nur begrenzt in Anspruch genommen.

Die exemplarischen Erkenntnisse weisen in großen Teilen in dieselbe Richtung wie die Ergebnisse der quantitativen Befragung durch das Bochumer Institut „Faktor Familie“, welche den Hauptteil des Kinder- und Jugendberichts der Stadt Paderborn darstellt.

Weitere Schritte für Handlungskonsequenzen aus der Studie in Zusammenarbeit mit der Stadt Paderborn sind in Vorbereitung. Sie ermöglichen für die Lehre und Forschung wertvolle Verknüpfungen von Theorie und Praxis.

Besonderen Dank gilt den Masterstudierenden Alexandra Noack, Nanthiny Rajamannan und Anna Scott für die Unterstützung bei der Analyse des Interviewmaterials.

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. Monika Többe-Schukalla                                         Prof. Dr. Marc Breuer

 

 

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