Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Mit neuer Leichtigkeit (04.10.2018, Paderborn)

Prof. Dr. Roman Siebenrock

Dr. Johannes Mahne-Bieder

Dekan Prof. Dr. Kai G. Sander

Internationale Tagung über das Christsein in einer posttraditionalen Gesellschaft vom 28. bis zum 30. September 2018 an der KatHO NRW Paderborn

 

Die Freude, an der KatHO NRW Abteilung Paderborn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich, Mexiko und Nigeria zu einer Tagung begrüßen zu können, war dem Dekan des Fachbereichs Theologie, Prof. Dr. Kai Sander, sichtlich anzumerken: Mit herzlichen Worten begrüßte er die 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fachtagung „Die Leichtigkeit des Evangeliums neu leben“ zu Fragen des Christseins heute in einer posttraditionalen Gesellschaft (28.-30.09.2018). Der Fachbereich Theologie an der KatHO NRW Paderborn hatte in Kooperation mit der Internationalen Deutschen Newman-Gesellschaft zum Kongress geladen. In seiner Ansprache positionierte der Dekan die Tagungsthematik im Horizont der Forschungs- und Lehrschwerpunkte des Fachbereichs Theologie. Prof. Dr. Roman Siebenrock, Präsident der Internationalen Deutschen Newman-Gesellschaft und Leiter des Institutes für Systematische Theologie an der Universität Innsbruck, griff den thematischen Faden auf, dankte der KatHO NRW und ihrem Fachbereich Theologie für die Initiative zu dieser Tagung und führte in deren speziellen Fragefokus ein, indem er Leben und Werk des englischen Theologen und Konvertiten John Henry Newman (1801-1890) zum Ausgangspunkt der anstehenden Überlegungen machte. Kardinal Newman lebte in einer Zeit des Umbruchs und der Neuerungen gesellschaftlicher, politischer, sozialer und religiöser Verhältnisse. Er war Denker und Impulsgeber zu Fragen von Geschichte und Gesellschaft in einer bewegten Zeit. Darin wird John Henry Newman seiner und allen nachfolgenden Epochen zu einem wichtigen und inspirierenden Zeugen.

Die Tagung entfaltete sich daher konsequent in einer Doppelstruktur. In allen Vorträgen und Workshops ging es um Lebenszeugnisse und darin immer auch um die Notwendigkeit, sich dieser Lebenszeugnisse in wissenschaftlicher Reflexion zu vergewissern. Humangeograph Dr. Johannes Mahne-Bieder (Ludwig-Maximilians-Universität München) stellte dem Auditorium seine Überlegungen zum Thema „Glaubensstile“ vor und ergründete die Frage, wie „katholische Christen in Deutschland ticken“. Dabei stellte er sich, wie auch später Prof. Dr. Lothar Kuld (Hochschule Weingarten), der Problematik eines zureichenden Forschungstableaus. Beide Wissenschaftler hinterfragten den Erkenntnisgewinn, den die Sinus-Milieu-Studie verspricht, und forderten einen differenzierten Umgang mit deren Ergebnissen. Johannes Mahne-Bieder hat dazu das Modell der (fünf) „Glaubensstile“ entwickelt, in denen er Menschen unterschiedliche und auch nicht immer erwartbare Glaubenspraktiken zuordnet, die sich nicht konsequent aus dem sozialen Status und dem damit verbundenen Lebensverhältnissen ergeben. Die Analyse der bundesdeutschen Gegenwart fällt dementsprechend vielschichtig aus. Die derzeitige Gesellschaft ist eine Herausforderung für die Kirchen in Deutschland, die sich einer überraschenden und spannenden Vielfalt der Lebensgeschichten und – kontexte zu stellen haben. Lothar Kuld resümiert: Die bundesdeutsche Bevölkerung säkularisiert sich. Es ist den Individuen überlassen, wie sie leben wollen.  Entkirchlichung bedeutet hier keinesfalls eine Entchristlichung. Der Katholischen Kirche, allen Skandalen zum Trotz, kann dabei eine hohe Integrationsfähigkeit zugesprochen werden. Ganz dem Thema einer inspirierenden Biographie gewidmet war der Vortrag von P. Hubertus Deuerling CO (Münster/Aachen). Er zeichnete auf ebenso bewegende wie gut informierte Weise das Lebensbild des Heiligen Philipp Neri, den John Henry Newman zu seinen Vorbildern zählte. Den Vorträgen an die Seite gestellt waren vielbesuchte Workshops: Prof. Dr. Möllenbeck (Münster) ging dem „Neuheitserlebnis Christentum“ nach, Prof. Dr. Andreas Koritensky (Paderborn), Prof. Dr. Roman Siebenrock (Innsbruck) und Dr. Carlos Gutierrez Lozano (Mexiko) suchten nach „Inspirationen aus Newmans Glaubensbegründungen“, Frau Dr. Regina Speck (PH Karlsruhe)  stellte sich dem Thema einer „Religion im Alltag – Alltag in der Religion“. Prof. Dr. Wilhelm Tolksdorf und Dipl.-Psych., Dipl.-Theologe Thomas Holtbernd fragten nach der neuen „Einsamkeit – Vielfalt einer Erfahrung in der post-traditionalen Gesellschaft“. Die Tagung endete am Sonntag mit einer festlichen Eucharistiefeier, in der der Regens des Erzbischöflichen Priesterseminars Paderborn, Domkapitular Msgr. Dr. Michael Menke-Peitzmeyer, an Papst Johannes Paul I., also an jenen Papst erinnerte, der der Welt mit seinem Lächeln in Erinnerung geblieben ist. Eine neue Leichtigkeit des Evangeliums? Das Schlussforum griff das Tagungsthema erneut auf – die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zogen ein insgesamt zuversichtliches Resümee. In der gegenwärtigen Gesellschaft ist es sehr gut möglich, vom christlichen Glauben zu reden und ihn zu praktizieren, wenn es denn gelingt, sich den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen zu stellen und sie im Wachstum ihrer Persönlichkeit wahrzunehmen und zu fördern. John Henry Newman gibt hier in seinem vielschichtigen Opus viele Impulse und Denkanstöße.

 

Die Tagungsgäste haben sich in den Räumen der KatHO NRW Paderborn sehr wohlgefühlt, wie allerorten zu hören war. Der besondere Dank gilt den Studierenden Franziska Hübinger,  Jennifer Markwiok und Johanna Scheich, die die Tagungsteilnehmer mit Umsicht und Freundlichkeit umsorgt haben. Der besondere Dank gilt auch der Dekanatssekretärin des Fachbereichs Theologie, Frau Eva-Maria Diekneite, die für die Organisation des Kongresses besondere Sorge trug.

 

Paderborn, den 30.09.2018

Prof. Dr. Wilhelm Tolksdorf

 

 

 

 

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