Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Drei KatHO-Studierende in Japan: Erstmalige Teilnahme am Summer Camp 2018 der Partneruniversität in Hyogo (11.09.2018, KatHO NRW)

Im Seminar über japanische Kalligraphie.

"Washuko" bedeutet Kochen. Hier: Matcha-Pudding, Hokkaido-Kürbis, Omelette, Suppe mit Tofu, Gurkensalat und Reis.

Der rheinische Karneval kommt nach Japan.

Zwei Studierende der Abteilung Aachen und eine Studentin der Abteilung Köln, alle aus den Fachbereichen Sozialwesen, haben vom 25. Juni bis 06. Juli 2018 an dem Summer Camp der Hyogo Universität in Japan teilgenommen. Gerne folgte die KatHO der Einladung ihrer Partneruniversität und konnte erstmals in diesem Programm erfolgreich vertreten werden: „This program aims to foster human resources that will act as a bridge between Japan and the nations through inter-student exchange and understanding of Japanese culture and business conditions.“ Gemeinsam mit Studierenden aus den USA, Süd-Korea und Thailand lernten unsere drei Pioniere etwas über die japanische Kultur und bekamen einen einmaligen Einblick in den Hochschulalltag:

Ankunft in Kakogawa

„Am Samstag, den 23. Juni wurden wir von Herrn Akinori Masahira und Herrn Yujiro Tsumura am internationalen Flughafen von Osaka abgeholt. Beide arbeiten für das International Office ihrer Hochschule und waren sowohl maßgeblich an der Planung des Camps beteiligt, als auch unsere Ansprechpartner in allen Situationen. In einem hochschuleigenen Bus ging es in die zwei Stunden entfernte Stadt Kakogawa in der Präfektur Hyogo, wo sich die Hyogo Universität befindet. Hier lernten wir unsere Gastfamilien kennen, bei denen wir untergebracht waren. Diese Unterbringung war besonders wertvoll für uns, da es in Japan eher unüblich ist, zu einer Familie in ihr Haus eingeladen zu werden. So durften wir die echte japanische Lebensweise kennenlernen.

Der erste Tag des Camps, am 25. Juni, wurde mit einer Rede des Präsidenten eröffnet. Anschließend stellten die einzelnen Studierenden der verschiedenen Länder ihre Hochschule und sich persönlich vor.

Sprache, Kalligraphie & Karate

In den folgenden zwei Wochen erlebten wir sowohl theoretische und handwerkliche Kurse als auch Mitmach-Kurse und Ausflüge, die uns verschiedene Einblicke in die japanische Kultur und Geschichte ermöglichten.

Zu den theoretischen Kursen gehörte an erster Stelle die japanische Sprache. Hier erlernten wir Grundsätze und Grammatik der Sprache. Beispielsweise wie man sich selbst vorstellt, wie eine Bestellung im Restaurant gemacht wird oder wie ein Dank ausgesprochen wird. Außerdem hatten wir Kurse über die japanische Wirtschaft, das Schulsystem und verschiedene Religionen in Japan.

Zu den handwerklichen Kursen zählten Ikebana, die Kunst der Blumengestecke, Origami, die Figuren-Falttechnik und die für Japan sehr bekannte Tee-Zeremonie. Uns wurde erläutert wie der Matcha-Tee zubereitet wird und welche Utensilien dafür gebraucht werden. Jede*r durfte den Tee probieren, doch der Geschmack war für unsere Zungen eher gewöhnungsbedürftig.

Am Donnerstag, den 28. Juni hatten wir japanische Kalligraphie. Der Dozent hat uns beigebracht die japanischen Buchstaben der verschiedenen japanischen Alphabete zu schreiben. Danach durften wir uns einen spirituellen Begriff aussuchen und ihn auf einen Fächer schreiben, zusammen mit dem eigenen Namen und einem Stempel.

Als Mitmach-Kurse erlebten wir Karate, die Kunst der Selbstverteidigung und einen Kochkurs. Washuko ist das japanische Wort für Kochen. Wir stellten ein traditionelles japanisches Gericht mit Hokkaido-Kürbissen, Gurkensalat, Suppe mit Tofu, Omelette und Matcha-Pudding her.

Ausflüge nach Kobe

Wir machten zwei Ausflüge in die Stadt Kobe, aus der das weltbekannte Kobe-Rind stammt. Am Mittwoch, den 27. Juni sollten wir in Kleingruppen Sehenswürdigkeiten unserer Wahl besuchen, wie z.B. den Kobe Port Tower am Hafen, China Town, die Herbal Gardens auf dem Mount Maya, von denen man einen Blick über ganz Kobe hatte, verschiedene Einkaufszentren und vieles mehr. Anschließend stellten wir mit unseren Ausflugsgruppen eine Präsentation über Kobe auf und trugen sie einigen Professor*innen und 30 Lokalstudent*innen vor. Sie waren überrascht, weil sie selbst einige neue Dinge über die Stadt erfuhren konnten.

Am Dienstag, den 03. Juli besuchten wir in Kobe zunächst ein Sake-Museum und erhielten einen Vortrag über dessen Herstellung. Anschließend besuchten wir ein Gedenkmuseum über das große Hanshin-Awaji Erdbeben im Jahr 1995. Dieser Besuch war sehr ergreifend, da der Schaden verdeutlicht wurde, den die raue Naturgewalt damals angerichtet hatte. Doch auch dieses Geschehen gehört zur japanischen Geschichte dazu.

Am Wochenende hatten alle Studierenden Freizeit und konnten etwas unternehmen. Viele haben zusammen mit ihrer Gastfamilie einen Ausflug gemacht und in den meisten Fällen ging es zur Burg Himeji oder nach Kobe.

Am Freitagabend fand die Abschlussfeier des Camps statt. Es wurde auf das Gelingen des Programms angestoßen und gegessen. Die Studierenden aus den verschiedenen Ländern stellten jeweils eine kleine Performance vor. Wir haben versucht den rheinischen Karneval nach Japan zu bringen und konnten viele der internationalen Gäste zum Mitmachen an unserer Polonaise animieren.

Soziale Arbeit in Japan

Wir drei hatte den Eindruck, dass die Soziale Arbeit in Japan eine ganz andere Bedeutung hat als die in Deutschland. Es war zum Beispiel auffallend, dass uns selbst Japaner nicht erklären konnten, wie Soziale Arbeit in Japan funktioniert. Uns wurde auch mitgeteilt, dass das Sozialsystem in Japan nicht in dem Maße vom Staat gefördert wird wie es in Deutschland der Fall ist.

Es gibt einige wenige Anlaufstellen, um sozialschwache Menschen zu unterstützen. Vereinzelte Altenheime zum Beispiel, diese reichen aber bei einer alternden Gesellschaft wie in Japan nicht aus. Sogenannte „Kodomo Shokudo“ (Cafés für Kinder) werden von freiwilligen Helfer*innen betrieben und verteilen Abendessen für einen kleinen Preis. Zur Gründungszeit dieser Cafés (2010) waren sie vor allem für Familien in Armut gedacht. Mittlerweile sind sie zu einem Ort der Begegnung zwischen Jung und Alt geworden und das Image von der „Essensausgabe für Arme“ ist verflogen. Speziell für Kinder gibt es noch eine Art Spielgruppen, damit die Eltern entlastet werden können. Zusätzlich gibt es Informationsabende für Eltern, die regelmäßig zu bestimmten Themen stattfinden. Die Kindererziehung ist in Japan noch viel mehr Frauensache als in Deutschland. Vor allem Mütter sehr junger Kinder fühlen sich oft isoliert von der Gesellschaft, da sie zuhause bleiben und aufpassen müssen.

Auch in Japan wird die Arbeit von Frauen schlechter bezahlt als die von Männern in derselben Position und der demographische Wandel ist in Japan noch stärker vertreten als in Deutschland.

Was immer wieder betont wurde war, dass die Familie eine sehr große Rolle darin spielt, Einzelpersonen zu unterstützen. Es gibt zwar Unterstützung für ärmere Familien, zum Beispiel in Form von Subventionen, jedoch müssen Sozialschwache oft innerhalb der Familie aufgefangen werden.

 

Rückblickend können wir sagen, dass Japan und das Summer Camp eine großartige Erfahrung gewesen sind. Wir konnten wunderbare Erlebnisse und neue Erkenntnisse sammeln. Die japanische Kultur ist sehr besonders und ein Besuch in Japan ist definitiv empfehlenswert. Wir sind froh und dankbar diese Reise gemacht zu haben!“

Wael Baitamani, Aachen
Jessica Tünnesen, Köln
Bianca Vondenhoff, Aachen

Für Rückfragen ansprechbar:
Prof. Dr. Tanja Hoff, t.hoff(at)katho-nrw.de

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