Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

KatHO NRW goes USA! Drei Masterstudierende der Abteilung Aachen stellten ihr Forschungsprojekt in den USA vor (31.07.2018, KatHO NRW)

Die Autorinnen der Studie kurz vor ihrem Vortrag: Kathrin Kaufmann, Laura Illig und Chantal Kern. (v.l.n.r.)

Von April 2017 bis Mai 2018 führten die Masterstudentinnen Laura Illig, Kathrin Kaufmann und Chantal Kern das Forschungsprojekt „Erbe auf Lebenszeit? Interviewstudie zu neureligiösen Kindheitserfahrungen und deren Auswirkungen auf das Leben ausgestiegener Sektenkinder“ durch. Das Projekt war Bestandteil Ihres Masterstudiengangs „Klinisch-therapeutische Soziale Arbeit“ an der KatHO NRW, Abteilung Aachen, und wurde begleitet durch Herrn Prof. Dr. Johannes Jungbauer.

Die Brisanz der Thematik und Innovativität des Forschungsprojektes erregte international fachliche Aufmerksamkeit, sodass die Studentinnen die Möglichkeit wahrnahmen, ihre Ergebnisse auf der diesjährigen Konferenz der International Cultic Studies Association (ICSA) vorzustellen. Die ICSA ist ein globales Netzwerk aus Professionellen und Betroffenen, die sich mit Kulten, Sekten und anderen neureligiösen Bewegungen beschäftigen. Jedes Jahr veranstaltet die Organisation eine große, internationale Konferenz, an der Forscher*innen, Fachkräfte und Betroffene aus der ganzen Welt teilnehmen. Die diesjährige Konferenz fand vom 5. bis zum 7. Juli in Philadelphia (PA), USA, statt. Ein thematischer Fokus der Vorträge lag auf jungen Menschen, die in extremistische Gruppen, missbräuchliche religiöse Organisationen oder ausbeuterische Beziehungen hineingeboren werden bzw. darin aufwachsen.

Passend dazu stellten die Masterstudentinnen die Ergebnisse ihres Forschungsprojektes vor: Im Rahmen einer qualitativen Interviewstudie wurden 19 erwachsene Personen befragt, die in unterschiedlichen Sekten aufgewachsen und im Laufe ihres Lebens ausgetreten waren oder von dieser ausgeschlossen wurden. Intention der Studie war es, langfristige Auswirkungen dieser besonderen Kindheitserfahrungen auf die persönliche Entwicklung und den Lebensweg der Betroffenen zu untersuchen. Die Auswertung der Interviews zeigte eindrücklich, dass sich das Aufwachsen in einer Sekte nachhaltig auf den weiteren Lebensweg und die Entwicklung der Interviewten auswirkte: Die Interviewteilnehmer*innen berichteten unter anderem, dass die destruktiven Gruppierungen früh Einfluss auf ihren Alltag und ihre Freizeitgestaltung im Kindes- und Jugendalter nahmen, ihre sozialen Kontakte beschränkten und ihre schulischen und beruflichen Bildungsmöglichkeiten begrenzten. Auf der Basis dieser Kindheits- und Jugenderfahrungen resultierten für nahezu alle Befragten eingeschränkte Entwicklungsmöglichkeiten einer stabilen Ich-Identität und eines adäquaten Selbstwertgefühls. Aufgrund dieser komplexen Einflussnahme der Sekten ergibt sich nach einem Ausstieg oder Ausschluss aus der Gemeinschaft ein besonderer Hilfebedarf für Betroffene. Der Thematik Sektenkindheit wird im deutschsprachigen Raum allerdings im wissenschaftlichen Bereich bislang nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt, weshalb auch in der Praxis kaum spezifische Hilfsangebote existieren. Umso wichtiger ist es, dass die Soziale Arbeit ihre Zuständigkeit für diesen Bereich erkennt und Hilfsangebote für Betroffene konzipiert. Als besonders sinnvoll erscheint es, spezifische Onlineprogramme und Kontakt-und Beratungsstellen zu etablieren.

Die detaillierten Ergebnisse der Studie werden im kommenden Jahr in einer Fachzeitschrift publiziert. Geplant ist außerdem, die Interviews und Studienergebnisse weiter aufzubereiten und in Form eines Buches für Betroffene, Fachkräfte und Interessierte zu veröffentlichen.

Verfasserinnen des Textes:
Laura Illig, Kathrin Kaufmann, Chantal Kern

auf Homepage eingestellt:
Holger Walz, h.walz(at)katho-nrw.de

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