Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

 

 

Kompetente Seelsorger für den Dienst an den Rändern der Gesellschaft (06.04.2018, Köln)

Der erste Durchgang der Weiterbildung nach Übergabe der Abschluss-Zertifikate

„Wie sehr wünschte ich mir eine arme Kirche für die Armen!“ – lautet die Vision von Papst Franziskus, die seit dem Beginn seines Pontifikates immer mehr Menschen begeistert. Für das diakonische Handeln an den Rändern der Gesellschaft braucht es neben einer Haltung auch Kompetenz. In Köln wurden nun die ersten Absolventinnen und Absolventen einer bundesweit einzigartigen Weiterbildung in „Sozialpastoral“ ausgesandt.

„Für mich ist die diakonische Seite der Pastoral ein Herzensanliegen“ bringt Karin Hollmann, Pastoralreferentin im Bistum Aachen, ihre Motivation auf den Punkt. So wie ihr ging es wohl allen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Weiterbildung „Soziale Arbeit für die Sozialpastoral“, die in der Kath. Hochschule NRW in Köln ihr Abschlusszertifikat erhalten haben. Der bundesweit erste Kurs dieser Art vermittelte Fachwissen und Basisqualifikationen, ermöglichte aber auch eine Standortbestimmung über das eigene Profil in der Sozialpastoral - einer Richtung der Seelsorge, die seit dem Pontifikat von Papst Franziskus auch insgesamt einen Aufbruch erlebt.

Initiiert wurde die Weiterbildung von Bischof Ansgar Puff, Bischofsvikar für die Armen und die Caritas im Erzbistum Köln, der auch an der Entwicklung mitgewirkt hat. „Immer mehr Menschen leben ihren Glauben begeistert und engagiert mit und für Menschen an den Rändern unserer Gesellschaft“, nimmt der engagierte Kölner Weihbischof die Situation im Erzbistum Köln wahr, und sieht gerade in dem großen Engagement einen guten Grund für die neue Weiterbildung: „Das Angebot der Katholischen Hochschule vermittelt dazu Fachlichkeit, Realitätssinn und Nüchternheit“.

„Die Absolvent*innen der Basisqualifikation haben wissenschaftlich fundierte und netzwerkorientierte Grundkenntnisse der Sozialen Arbeit erworben“, erläutert Prof. Dr. Michael Ziemons, wissenschaftlicher Leiter des neuen Angebotes und Dekan am Fachbereich Sozialwesen in Köln. „Es war faszinierend, wie daraus sehr schnell Ideen für sozialpastorale Angebote, aber auch für das personale Angebot der einzelnen Teilnehmer wurden“.

„Wenn ein Obdachloser vor dem Gemeindezentrum liegt und drinnen tagt eine Gruppe der Pfarre im Warmen, dann müssen wir uns kümmern“, hat Katinka Giller, Pastoralreferentin im Erzbistum Köln: „sonst sind wir nicht glaubwürdig“. Die Situation hat sie selber erlebt und nachdenklich gestimmt. Jetzt ist sie im Gemeindeteam für die Sozialpastoral zuständig, aber ein wichtiger Teil ihrer Arbeit ist es, das Thema in den Köpfen aller zu verankern, damit es nicht isoliert bleibt.

Für Michael Oschmann, ständiger Diakon im sozialen Brennpunkt in Köln-Chorweiler, ist es eine alltägliche Notwendigkeit, mit besonderen Notsituationen umgehen zu können. Als hauptberuflicher Diakon koordiniert Oschmann zwölf soziale Projekte im Kölner Norden. Dabei kommt es oft zu Herausforderungen, auf die das Theologiestudium alleine nicht vorbereitet, schildert er: „Versuchen Sie mal, ein verdrecktes, verwahrlostes Kind zu taufen. Das können Sie gar nicht, ohne den Hintergrund zu berücksichtigen“. Diesen Hintergrund besser einordnen und anschließend besser helfen zu können, dazu wird das neu erworbene Hintergrundwissen ihm künftig helfen.

Vor solch extremen Situationen steht Hans-Georg Knickmann-Kursch, Pastoralreferent im Bistum Essen zwar nicht täglich, aber auch für ihn ist die Begegnung mit den Menschen an den Rändern der Gesellschaft Alltag. Er baut in Gelsenkirchen-Bismarck ein Sozialpastorales Zentrum neu auf. Diese Zentren gehören für das Bistum Essen zum Zukunftsbild von Kirche. Um seine Angebote nahe an den Bedürfnissen der Menschen zu gestalten, haben Knickmann-Kursch und sein Team zunächst eine Sozialraumanalyse gemacht und die Situation vor Ort unter die Lupe genommen. Das Handwerkszeug, um Sozialräume und soziale Netzwerke vor Ort zu erfassen und Ressourcen, aber auch Bedarfe darin besser zu erkennen, konnte er in dem Kurs der Kath. Hochschule trainieren. Seinen Antrieb zieht er aus den vielen Begegnungen vor Ort: „Ich begleite gerne Menschen auf einem Stück ihres persönlichen Lebens- und Glaubensweges“, sagt er.

Im Bistum Osnabrück entwickelt Frauke Neuber, Pastoralreferentin in Meppen, exemplarisch und modellhaft, wie Sozialpastoral in drei Gemeinden angesiedelt werden kann. Dabei begegnet sie auch den Vorbehalten vor Ort, die Augen für die Nöte in der Nachbarschaft zu öffnen: „In der Kommune gibt es auch die Angst, einen schlechten Ruf zu bekommen und Investoren abzuschrecken“. Auf ihrem Weg zur Realisierung eines innovativen sozialpastoralen Konzeptes geht sie ganz nach den Vorstellungen von Papst Franziskus direkt zu den Armen und wird in einer ersten Phase in den caritativen Einrichtungen der Stadt hospitieren. Dort kann sie den Menschen begegnen, zuhören, und personales Angebot für Seelsorge sein.

Insgesamt zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus vier Bistümern erhielten zum Abschluss der Weiterbildung ihr Zertifikat aus den Händen von Weihbischof Ansgar Puff und Dekan Prof. Dr. Michael Ziemons. In der Aussendungsfeier griff Ziemons die Predigt von Papst Franziskus zum Beginn seines Pontifikates auf, die zugleich der Beginn eines Aufbruchs in der Pastoral und einer Rückbesinnung auf die diakonischen Aufgaben der Pastoral gewesen sei. „Seien Sie Hüter der Menschen, die Ihnen anvertraut werden oder die sich Ihnen anvertrauen“, ermunterte Ziemons die Absolventinnen und Absolventen. Mit den neu erworbenen fundierten Kenntnissen und dem Aussendungssegen, den Bischof Ansgar Puff im Anschluss an die Zertifikatsübergabe spendete, werden sie dafür bestens gerüstet sein.

Die Weiterbildung „Soziale Arbeit für die Sozialpastoral“ wird für Seelsorgerinnen und Seelsorger angeboten und umfasst 15 Tage, die berufsbegleitend absolviert werden. Der nächste Durchgang startet im Frühjahr 2019. Weitere Informationen unter www.katho-nrw.de/katho-nrw/weiterbildung/seminarangebot/basisqualifikation-soziale-arbeit-fuer-die-sozialpastoral/

Die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen (KatHO NRW) ist mit rund 5.000 Studierenden Deutschlands größte staatlich anerkannte Hochschule in kirchlicher Trägerschaft. Träger der 1971 gegründeten Hochschule sind die fünf (Erz-)Bistümer in NRW.

Text und Bild
KatHO NRW, Abt. Köln, Fachbereich Sozialwesen

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2014