Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

 

 

Von einem Gott, der die Begegnung sucht (27.03.2018, Köln)

Mit einem fesselnden Vortrag gab der Islamwissenschaftler Professor Dr. Mouhanad Khorchide Einblicke in seine moderne Lesart des Koran.

Die anschließende Podiumsdiskussion mit P. Dr. Cosmas Hoffmann OSB und Mouhanad Khorchide moderierte Josef Freise, emeritierter Professor im Fachbereich Sozialwesen der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (rechts).

Prof. Khorchide traf im Audimax der PTH auf ein hochkonzentriertes Publikum.

Eva Vaßen

Claudia Rust

Anne Korte-Bleckmann

Peter Stamm

Mit seinem modernen Koranverständnis zeigte der Professor für islamische Religionspädagogik Mouhanad Khorchide die friedenstiftenden Potenziale des Islam auf.

Der von der Erzdiözese Köln und der KatHO NRW verantwortete Masterstudiengang „Interreligiöse Dialogkompetenz“ hatte mit den Kooperationspartnern der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Augustin und dem Kölner Diözesan-Caritasverband Prof . Dr. Mouhanad Khorchide vom Zentrum Islamische Theologie der Universität Münster zum Eröffnungsvortrag des Sommersemesters nach Sankt Augustin eingeladen.

 

In einem lebendigen Vortrag mit einer anschließenden engagierten Diskussion durften mehr als 100 Zuhörer eine Form des aufgeklärten modernen Islam erleben. Mit Professor Dr. Mouhanad Khorchide konnte der Masterstudiengang „Interreligiöse Dialogkompetenz“ für seine Einführungsvorlesung im Sommersemester 2018 einen namhaften Islamwissenschaftler als Referenten gewinnen. Khorchide referierte an der Philosophisch-Theologische Hochschule SVD St. Augustin (PTH) zum Thema „Spiritualität und Friedensfähigkeit im Islam“. Er zeichnete ein Gottesbild, das von einem kommunikativen empathischen Schöpfer erzählt, der die Geschichte gemeinsam mit dem Menschen schreibt. Aufbauend auf dieser dialogischen, partnerschaftlichen Beziehung zwischen Gott und Mensch sieht er das Potenzial des Islam zum Frieden unter den Menschen.

Mit seinem modernen Koranverständnis zeigte der Professor für islamische Religionspädagogik Mouhanad Khorchide die friedenstiftenden Potenziale des Islam auf.

Konsequent entwickelte er seine These „Islam ist Barmherzigkeit“, wie auch der Titel seines 2012 erschienen Bestsellers lautet, hin zu einem zukunftsfähigen Islam in einer modernen Gesellschaft. Dabei beschrieb er den Islam als eine Religion, in der sich Gott als der Barmherzige offenbart, der dem Menschen Freiheit verleiht und ihn zur Liebe befähigt. Gott sucht die Begegnung mit dem Menschen, tritt mit ihm in Kontakt und will ihm durch sein offenbartes Wort den Weg zum Leben weisen.

 

Angesichts dieses den christlichen Zuhörern sehr vertraut erscheinenden Gottesbildes, das Khorchide mit vielen Zitaten aus dem Koran belegen kann, hatte P. Dr. Cosmas Hoffmann OSB, Dozent für Fundamentaltheologie und Religionswissenschaft an der PTH, es sehr leicht, die Gemeinsamkeiten mit der christlichen Rede von Gott zu unterstreichen. So stellte er den sich offenbarenden Gott zunächst als unbestreitbare Gemeinsamkeit aller monotheistischer Religionen an den Anfang seiner Argumentation, um dann darauf hinzuweisen, dass das Bild eines Gottes, der sich dem Menschen in Liebe mitteilt, im Christentum seinen (be-)greifbaren Ausdruck darin findet, dass Gott in sich Beziehung ist (Dreieinigkeit) und selbst Mensch geworden ist.

Josef Freise, emeritierter Professor im Fachbereich Sozialwesen der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, vermochte es in der Moderation des Gesprächs zwischen Khorchide und Hoffmann Gemeinsamkeiten wie Unterschiede in der Beurteilung von Gewalt und dem Umgang mit einer pluralen Gesellschaft in Christentum und Islam herauszuschälen. Dabei wies Khorchide auf die große Bedeutung eines zeitgemäßen islamischen Religionsunterrichtes hin, für dessen Entwicklung sich das Zentrum für Islamische Theologie in Münster engagiert.

 

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion der beiden Referenten wurde das Gespräch auch für das Auditorium geöffnet. Lediglich der Fahrplan der Deutschen Bahn, an den Khorchide sich gebunden sah, konnte die zahlreichen Fragen und Wortbeiträge der Zuhörer limitieren. Seine Konzepte für die Ausbildung islamischer Religionslehrer an deutschen Schulen kamen hier ebenso zur Sprache wie die vielfältigen, oft gesellschaftspolitischen Ursachen von Gewalt in den islamischen Ländern des Nahen Ostens.

 

 

Stimmen aus dem Auditorium

 

Eva Vaßen, Interessentin am Masterstudiengang „Interreligiöse Dialogkompetenz“:

„Es war ein sehr guter und interessanter Vortrag von Prof. Khorchide. Er hat viele Gemeinsamkeiten bei den beiden Religionen aufgezeigt. Das heißt auch, dass wir viele Möglichkeiten zum interreligiösen Dialog haben.“

 

Claudia Rust, Lohmar:

„Ich habe die Veranstaltungsankündigung in der Zeitung gelesen. Und weil mir mein Mann schon das Buch „Islam ist Barmherzigkeit“ ans Herz gelegt hat, habe ich mich entschlossen, mir den Vortrag anzuhören. Ich muss sagen: Es war ein sehr lohnender Vormittag! Sowohl die Ausführungen von Prof. Khorchide als auch die Gedanken zur christlichen Spiritualität und Mystik haben zum Nachdenken angeregt.“

 

Anne Korte-Bleckmann, Interessentin am Masterstudiengang „Interreligiöse Dialogkompetenz“:

„Ich bin selbst als Lehrerin in Integrationsklassen häufig im Kontakt mit Muslimen. Deshalb fand ich die Einblicke in den islamischen Religionsunterricht, die Prof. Khorchide gegeben hat, besonders interessant. Ich halte Erziehung für einen sehr wichtigen Generator für Dialog und Friedenswillen.“

 

Peter Stamm, Student im Masterstudiengang „Interreligiöse Dialogkompetenz“:

„Besonders beeindruckt hat mich die innerislamische Perspektive von Prof. Khorchide, mit der er eine sehr liberale und moderne Interpretation des Koran geboten hat.“

 

Text: Sabine Brockmann, Steyler Missionare

Bilder: Steyler Missionare


Kontakt:
Studiengangsleiter Prof. Dr. Joachim Windolph
j.windolph(at)katho-nrw.de

                                        Prof. Dr. Josef Freise j.freise(at)katho-nrw.de

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