Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

2. Paderborner Symposium zu pastoralen Lehr-Lern-Prozessen (19.02.2018, Paderborn)

Prof. Dr. Ulrich Feeser-Lichterfeld

Dr. Martin Ostermann und Dr. Thomas Franz von Theologie im Fernkurs, Domschule Würzburg

Rektor Prof. Dr. Hans Hobelsberger

Prof. Dr. Jan Woppowa, Universität Paderborn

Kanzler Bernward Robrecht

Elisabeth Vanderheiden, Katholische Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz

Interaktiver Vortrag mit Live-Umfrage

Unter dem Motto “Fit für´s Praktikum – Herausforderung Praxis und Praxisbegleitung im Präsenz- und Fernstudium“ haben der Fachbereich Theologie der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen und Theologie im Fernkurs, Domschule Würzburg, am 31. Januar und 01. Februar 2018 das zweite Paderborner Symposium zu pastoralen Lehr-Lern-Prozessen veranstaltet.

Das rege Interesse an diesem Symposium spiegeln die rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wider: Zu ihnen zählten neben Studierenden des Bachelorstudiengangs Religionspädagogik vor allem auch zahlreiche Mentorinnen und Mentoren sowie viele Ausbildungsleitungen der dreizehn mit dem Fachbereich Theologie kooperierenden (Erz-)Bistümer. Begründet liegt diese positive Resonanz auf das Symposium sicherlich darin, dass es in fachlicher Perspektive unmittelbar anknüpft an das vor einem Jahr stattgefundene erste Paderborner Symposium. In der inhaltlichen Fortführung wird deutlich, dass das „Lernen aus der Praxis für die Praxis“ insbesondere in der Ausbildung von pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und hier noch einmal besonders im Rahmen von Praktika und Studienprojekten nach wie vor eine herausragende Rolle spielt. Doch die Erfahrungen in dem dezidiert praxisbezogenen Studium der Religionspädagogik zeigen auch, dass die reflektierte Verknüpfung der Praktikumserfahrungen mit den Studieninhalten den Studierenden alles andere als leicht fällt, dass oft auch Mentorinnen und Mentoren nach ihrer spezifischen Rolle und ihrem konkreten Auftrag in der Praxisbegleitung fragen und die Ausbildungsleitungen nach einer engen Abstimmung zwischen Hochschule und potenziellem Arbeitgeber hinsichtlich der Ausgestaltung und Auswertung der Praktika suchen. Daher ist eine kontinuierliche Überprüfung und Weiterentwicklung des Praktikumskonzeptes unabdingbar. Dementsprechend eröffnete Prof. Dr. Ulrich Feeser-Lichterfeld, zuständig für Praktische Theologie mit dem Schwerpunkt Praxisbegleitung, Praxisforschung und Pastoraltheologie, das Symposium am Mittwochnachmittag mit Informationen zu den Grundzügen des gegenwärtigen Praxiskonzeptes. Hierbei gewährte er zugleich einen Einblick in die kontinuierliche Weiterentwicklung des Konzeptes, indem er rückblickend die einzelnen Etappen der Entwicklung benannte, die letztlich zu dem derzeitigen curricular integrierten Praktikumskonzept im Präsenzstudiengang Religionspädagogik geführt haben.

„Wie jedoch kann unter Fernstudienbedingungen ein ebenfalls überzeugendes Praktikumskonzept realisiert werden?“ – mit dieser innovativen Frage leite Professor Feeser-Lichterfeld gekonnt über zu der sich dem Fachbereich Theologie neu gestellten Aufgabe, die sich aus der Entscheidung ergibt, den Präsenzstudiengang Religionspädagogik B.A. ab dem Wintersemester 2018/19 auch als Fernstudiengang anzubieten.

Dr. Thomas Franz und Dr. Martin Ostermann von Theologie im Fernkurs, Domschule Würzburg, berichteten in diesem Zusammenhang von ihren Erfahrungen zum Praxislernen im Fernstudium, indem sie die Konzepte ihres religionspädagogischen wie auch ihres pastoraltheologischen Kurses anschaulich darstellten. Unter dem sprechenden Titel „Nähe und Weite“ griff Prof. Feeser-Lichterfeld die beiden derzeitigen Praktikumskonzepte der zukünftigen Kooperationspartner produktiv auf, indem er erste Überlegungen zu einem Praktikumskonzept im Fernstudiengang formulierte. Der Akzent müsse eher, so der Referent, auf einem permanent-prozessualen Praxis-Theorie-Praxis-Transfer-Lernen während des gesamten Studienverlaufs liegen als auf zeitlich begrenzten Praxisblöcken, wie es im derzeitigen Präsenzstudiengang üblich sei. Zudem sei eine Stärkung von lokalen Praktikumstellen in den einzelnen Diözesen sinnvoll, anstelle von zentralen. In anregenden Tischgruppengesprächen wurde hieran anschließend die Frage nach dem „Lernen für und aus der Praxis“ im Hinblick auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Präsenz-und Fernstudium diskutiert.

Ein Highlight des ersten Tages des Symposiums ist sicherlich der Werkstattbericht „Einführung in die seelsorgliche Gesprächsführung“ als Blended-Learning-Angebot von Prof. Feeser-Lichterfeld gewesen, da er hier exemplarisch zeigen konnte, wie sogar Kompetenzen in der seelsorglichen Gesprächsführung unter den Bedingungen des Fernstudiums erworben werden können.

Das komplexe Themenfeld des „Praxis-Lernens“ wurde am Donnerstag weiterhin ausgeleuchtet und zwar durch zwei fachlich fundierte Impulsreferate:

Prof. Dr. Jan Woppowa, Universität Paderborn, fragte in seinem eindrucksvollen Vortrag „Spiritueller Kompetenzerwerb im Praktikum: Geht das?“ nach der grundsätzlichen Lern- und Lehrbarkeit von Spiritualität. Hierbei ließ er sich von der selbst gewählten Frage leiten: Was ist spirituelle Kompetenz im Hinblick auf Prozesse pastoraler Professionalisierung? In gekonnten Denkbewegungen entfaltete er – orientiert an Gottfried Bitter - seine Spiritualitätsdidaktik, die in der These mündete: „Spirituelle Kompetenz ist angesichts der Herausforderungen religiöser Pluralisierung und Individualisierung eine notwendige Domäne pastoraler Professionalität. Ihre Entwicklung ist im Sinne einer Selbstkompetenz und gegen die Gefahr reiner Funktionalisierung in den größeren Kontext spiritueller Bildung zu stellen.“

Der Beitrag von Prof. Woppowa ist übrigens nachzulesen in der im Herbst 2018 im Grünewald-Verlag erscheinenden Publikation „Studium trifft Beruf“. Praxisphasen und Praxisbezüge aus Sicht einer angewandten Theologie, Reihe: Bildung und Pastoral, Band 6, herausgegeben von Ulrich Feeser-Lichterfeld und Kai G. Sander.

Frau Elisabeth Vanderheiden, Katholische Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, beantwortete die Frage ihres Vortrags „Worauf kommt es beim Praxis-Lernen im Fernstudium an?“, indem sie in ihren lebendig-anschaulichen Ausführungen betonte, dass Lernen eine Erfahrung sei und „alles andere einfach nur Information“. Hierbei orientierte sie sich an der Grundhaltung der Konstruktivistischen Didaktik, vor allem auch an der Ermöglichungsdidaktik im Sinne von Rolf Arnold. Der zufolge im Fernstudium bei der Gestaltung von Lernumgebungen und Aufgabenstellungen auf die Individualisierung der Lernwege sowie deren Selbstorganisation zu achten sei. In Referenz auf die Forschungsergebnisse des Pädagogen und Informatiker Sugata Mitra zeigte die Referentin in eindrucksvollen Videobeiträgen das große Potential selbstorganisierten Lernens, das seine Relevanz  vor allem in einer nachhaltigen Theorie-Praxis-Verbindung erweisen kann.

Kooperation und Dialog prägten die Atmosphäre des gesamten Symposiums mit seinen vielen konstruktiven Begegnungen und Beiträgen aller Teilnehmenden. Ebenso wurde deutlich, wie gewinnbringend und fruchtbar der vom Fachbereich Theologie eingeschlagene Weg ist, das Themenfeld „Praxis-Lernen“ im Allgemeinen und die Ausgestaltung der Praktika und Studienprojekte im Besonderen gerade auch unter den Bedingungen des Präsenz- und Fernstudiums zukünftig im Austausch aller Beteiligten fortzuentwickeln.

Redaktion: Prof´in Dr. Bergit Peters

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen 2018