Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Akwaaba – Willkommen! (21.12.2017, KatHO NRW)

Zwei Schülerinnen der St. Jerome Senior High School in Abofour. (Foto: Helene Hofmann)

Für die KatHO NRW: Kanzler Bernward Robrecht, Rektor Prof. Dr. Hans Hobelsberger; für das CUCG: Kanzler Emmanuel Kaba, Rektor Prof. Dr. Daniel Obeng-Ofori.

Die Delegation gemeinsam mit Mitarbeitern des St. Patrick's Nursing and Midwifery Training College Ofinso.

Kanzler Bernward Robrecht mit der Leiterin des St. Patrick's Nursing and Midwifery College Ofinso, Frau Dora Lumor.

Zwei Schüler der St. Jerome Senior High School in Abofour.

Diesen in Ghana verbreiteten Gruß hörten die Teilnehmer_innen der Delegationsreise während ihres Aufenthalts in dem gastfreundlichen westafrikanischen Land häufig. Die Leitung der KatHO NRW, vertreten durch deren Rektor Professor Hans Hobelsberger und deren Kanzler Bernward Robrecht, waren gemeinsam mit der Paderborner Politikwissenschaftlerin Professorin Monika Többe-Schukalla und der Leiterin des International Office, Helene Hofmann, aufgebrochen, um ein vernetztes Partnerschaftsprojekt zu begründen (27.11.-2.12.2017).

Erste Eindrücke von Land und Gesellschaft

Gleich nach der Ankunft in Accra stand ein Gespräch mit dem Landesdirektor der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (giz), Herrn Alan Walsch, auf dem Programm, bei dem aktuelle politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen diskutiert wurden. Ghana, das im Zuge der Dekolonialisierung im Jahr 1957 als erstes afrikanisches Land südlich der Sahara unabhängig wurde, gilt trotz der vorhandenen gesellschaftlichen Probleme als Hoffnungsträger in Westafrika. Konflikte zwischen ethnischen Gruppen sind unbedeutend, demokratische Wahlen nehmen einen friedlichen Verlauf.  Der Bereich der Tertiären Bildung hat in Ghana in den letzten beiden Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen. So wurden im Jahr 2015 187 anerkannte Universitäten, Colleges und Polytechnical Institutes gezählt. Dem standen im Jahr 1994 nur sechs Universitäten gegenüber (Quelle DAAD). Der Ausbau von Universitäten und Colleges wird von internationalen Geldgebern, unter anderem dem DAAD, stark gefördert. Die „One district – one factory“-Politik der aktuellen Regierung zielt darauf ab, flächendeckend Produktionsbetriebe zu schaffen und damit die Industrialisierung des Landes voranzutreiben. Dass die aktuelle Regierung die Schul- und Studiengebühren abgeschafft hat und darauf folgend die Zahl der Schüler_innen und Studierenden gestiegen ist, kann als positive Entwicklung gewertet werden. Da der Wegfall der Gebühren jedoch nicht durch staatliche Ausgleichsleistungen kompensiert wird, stehen die Bildungseinrichtungen aktuell vor großen Herausforderungen, erläutert Alan Walsch. Die Gelder für notwendige Investitionen in Personal, Sachausstattung und Infrastruktur fehlen, und die Gefahr, dass die Bildungsangebote an Qualität verlieren, ist groß.

Wissenschaft und soziale Praxis in Sunyani

Mit diesen Informationen versehen trat die Delegation ihre Reise ins Landesinnere an. Ziel war das in der Brong-Ahafo-Region gelegene Catholic University College of Ghana (CUCG) in Sunyani. Das im Jahr 2001 von der ghanaesischen Bischofskonferenz gegründete College bildet in fünf Fakultäten 3.000 Studierende aus. Neben den Religions-, Erziehungs- und Sozialwissenschaften bestehen vor allem in den Gesundheitswissenschaften Optionen für eine Zusammenarbeit. Durch die Vermittlung von Kompetenzen für die pflegewissenschaftliche Ausbildung von Fachkräften kann die Kooperation zur Weiterentwicklung der Curricula und damit zum Aufbau des ghanaesischen Gesundheitswesens beitragen. Die Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding unterstreicht den Willen zur Zusammenarbeit. Im engem Kontakt mit dem Catholic University College steht die NGO „Mission of Hope“, die ihren Sitz ebenfalls in Sunyani hat und in zentralen sozialen Problemlagen benachteiligten Gruppen unterstützend zur Seite steht. Das Empowerment von Frauen und Mädchen, Bildungsprojekte und Gesundheitserziehung sind Themenfelder, die von KatHO-Studierenden für entwicklungspolitische Praktika nachgefragt werden. ‚Mission of Hope‘ bietet gute Voraussetzungen für eine Förderung von Praktikumsstellen für KatHO-Studierende durch Engagement Global. Die Anbindung an das CUCG stellt die wissenschaftliche Reflexion und Supervision der Praktikant_innen sicher.

Unterstützung für das St. Patrick’s Nursing and Midwifery College

Der zweite Schwerpunkt der Reise war durch Kanzler Bernward Robrecht vermittelt, der mit seiner NGO „Hand in Hand – Friends for Ghana e.V.“  in der Ashanti-Region Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen fördert und den Einsatz von Solarenergie unterstützt.  Die Delegation besuchte das St. Patrick’s Nursing and Midwifery College (SPNMTC) in Ofinso, einer 40.000 Einwohner zählenden Stadt.  Ausgehend von einem Krankenhaus der Missionsschwestern von St. Louis wurde das College im Jahr 1966 zur Ausbildung von Krankenschwestern und Hebammen gegründet. Die jetzige Leiterin, Frau Dora Lumor, führte kontinuierliche Verbesserungen der Ausbildungsstandards ein und so erhalten heute die Absolventinnen sowohl im Fach Hebammenkunde als auch bei der Krankenpflegeausbildung das Diplom. Das nächste Ziel ist die Entwicklung von Standards für die Vergabe von akademischen Abschlüssen. Mit ihrer profunden Erfahrung beim Aufbau der Pflegestudiengänge kann die KatHO NRW in diesem Prozess wichtige Hilfestellungen leisten. Um weitere Gespräche zu führen, wird Frau Lumor die KatHO NRW im Mai 2018 besuchen.

Ein KatHO-Praktikum in Ofinso

Nicht nur die fachlich-wissenschaftliche Ausbildung, sondern auch die Entwicklung einer organisatorischen Infrastruktur ist eine zentrale Voraussetzung für die zielgerechte Erbringung von medizinischen Versorgungsleistungen. Hiervon konnte sich die KatHO-Delegation beim Besuch von ländlichen Siedlungen im Ofinso-District überzeugen. Die Kirche hat bei der Anbindung der nur schwer zugänglichen Dörfer an das nächstgelegene Zentrum eine wichtige Aufgabe. Um die Fahrt auf den nicht geteerten und mit riesigen Schlaglöchern übersäten so genannten „rough roads“ zu bewältigen, benötigt Fr. Peter Kwasi Sarpong, Leiter der katholischen Gemeinde Abofour, neben einem geeigneten Fahrzeug vor allem Optimismus, Ausdauer und Nervenstärke. Dies gilt besonders dann, wenn schwere Krankheitsfälle oder die Entbindung eines Kindes den Transport von Medikamenten oder die Beförderung von medizinischem Fachpersonal notwendig machen. Wenn er gerade nicht auf dem Land oder in Abofour selbst praktische Sozialarbeit leistet oder dem Gottesdienst vorsteht, nimmt Fr. Peter an der katholischen Schule des Ortes lehrende und leitende Aufgaben wahr. In drei Stufen können die Schülerinnen und Schüler an der Grundschule sowie an St. Jerome’s Junior und Senior High School grundlegende Qualifikationen erwerben. Durch den Wegfall der Schulgebühren ist die Zahl der Schüler_innen, von denen viele auf dem Campus leben, von 800 auf über 2000 gestiegen. Unterstützung, z. B. beim Aufbau von Betreuungsleistungen, ist willkommen. Auch in Abofour bestehen in enger Kooperation mit der Schulleitung gute Voraussetzungen für studienbezogene Praktika von KatHO-Studierenden.

„Die Kooperation mit Bildungseinrichtungen und NGOs in Ghana hat viele Facetten“, so der Rektor der KatHO NRW, Professor Hans Hobelsberger. „Gerade in der wechselseitigen Vernetztheit der Akteure liegt eine besondere Chance, da sie eine breite Wirksamkeit von Maßnahmen ermöglicht.“ Das Lernen zwischen den Beteiligten in Ghana und Deutschland kann und wird wechselseitig sein.

Redaktion & weitere Informationen: Helene Hofmann (International Office), h.hofmann(at)katho-nrw.de

Fotos: Helene Hofmann, Bernward Robrecht

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