Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

 

 

„Hier bewegt sich doch eh nix?“ – 1. Herbsttagung des Instituts für Teilhabeforschung (12.12.2017, KatHO NRW)

Teilnehmende der Herbsttagung.

Institutsleiter Prof. Dr. Friedrich Dieckmann begrüßt die Tagungsgäste.

Prof. Dr. Barbara Ortland lieferte aktuelle Erkenntnisse aus Ihrem Forschungsprojekt ReWiKs.

Prof. Dr. Liane Schirra-Weirich spricht über die Versorgungssituation von Menschen mit Demenz und ihr Forschungsprojekt InRegA-Dem.

Die Teilhabeforschung an der KatHO NRW wird im Rahmen der Strukturförderung "FH-Kompetenz" durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW gefördert.

Die Veranstalter/innen wollten sehr wohl, dass sich mit ihrer Fachtagung zur „themenbezogenen Organisationsentwicklung“ am 21.09.2017, etwas bewegt: Denn wenn Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen Wirklichkeit werden sollen, sollten sich auch die Einrichtungen in der Behinderten- bzw. Altenhilfe umstrukturieren und ihre Rahmenbedingungen anpassen. Sowohl Forschung und Praxis als auch die Menschen mit Behinderung als Expert/innen in eigener Sache müssen sich daher mit den verschiedenen Herausforderungen auseinandersetzen und praxisnahe Lösungen entwickeln.

 

Die Institutsleitung Prof. Dr. Friedrich Dieckmann, Prorektorin Prof. Dr. Liane Schirra-Weirich und die Organisatorin Prof. Dr. Barbara Ortland hießen die über 80 Gäste Ihrer ersten Institutstagung an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Münster, herzlich willkommen.

 

Mit seinem Vortrag „Notwendigkeiten und Chancen von Organisationsentwicklung“ machte Prof. Dr. Heinrich Greving den inhaltlichen Auftakt: Er erläuterte die Grundlagen von Wissensmanagement und Veränderungsprozessen in Organisationen und betonte die hohe Bedeutung der Organisationskultur. Diese habe großen Einfluss darauf, wie Veränderungen angestoßen und vorangetrieben werden könnten. In diesem Zusammenhang stellte Greving das „Avocado-Modell“, ein Organisationskulturmodell nach Edgar Schein, vor.

 

Im Anschluss erhielten die Gäste zwei praxisbezogene Impulse zu einer „themenbezogenen Organisationsentwicklung“:

 

“Sexuelle Selbstbestimmung ist ein Thema, das an den Kern der Avocado geht bzw. gehen muss!“ forderte Prof. Dr. Babara Ortland und lieferte dazu aktuelle Erkenntnisse aus Ihrem Forschungsprojekt Reflexion, Wissen, Können. Qualifizierung von Mitarbeitenden und Bewohner/innen zur Erweiterung der sexuellen Selbstbestimmung für erwachsene Menschen mit Behinderung in Wohneinrichtungen“ (kurz: ReWiKs). Seit 2014 wird dazu an der KatHO NRW in Münster gearbeitet, mit finanzieller Förderung durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Auf Grundlage der Forschungsergebnisse machte Ortland die Entwicklungsbedarfe der Einrichtungen deutlich und rief dazu auf, Partizipation im Bereich der sexuellen Selbstbestimmung für alle Beteiligten erfahrbar werden zu lassen. Dann werde eine partizipative Organisationsentwicklung möglichen. Nur so könne sich eine Organisationskultur verändern!

 

Ein zweiter Impuls behandelte die „Herausforderungen im Bereich der Unterstützten Kommunikation (UK)“. Theresa Aßmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin in diesem Themenschwerpunkt, stellte fest, dass sich UK in der nachschulischen Lebenswelt nur sehr langsam etabliere. Und dies, obwohl das Recht auf Kommunikation in Gesetzen und Übereinkommen verankert sei und der sehr heterogenen Gruppe von Menschen, die in ihrer Lautsprache eingeschränkt sind, viele Hilfsmittel bereitgestellt würden. Daher brauche es die Organisationsperspektive. Man müsse die individuelle Haltung aller Mitarbeitenden und das von ihnen getragene Menschenbild der gesamten Einrichtung verändern – also die Organisationskultur.

 

Die anschließenden Workshops eröffneten das Thema Organisationsentwicklung auf weitere Handlungsfelder:

Prof. Dr. Liane Schirra-Weirich und ihr Team sprachen in ihrem Workshop über die Versorgungssituation von Menschen mit Demenz und deren versorgende Angehörige und stellten Informationen aus dem laufenden Projekt InRegA-Dem (Inanspruchnahme und Nutzbarkeit regionaler Angebotsstrukturen bei Demenz) vor. Besonders intensiv wurde das Ziel der Versorgung, nämlich die Stabilität von häuslichen Versorgungsarrangements, behandelt. Unterstützt wurde dieser Workshop durch das DZNE - Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, das Aspekte ihres Stabilitätskonzeptes vorstellte.

 

In dem Workshop von Prof. Dr. Friedrich Dieckmann mit dem Titel „Organisation von Wohndiensten“ wurde diskutiert: Wie können Anbieter im Wohnen unter Erschließung welcher finanziellen Ressourcen teilhabeförderliche Unterstützung mit vertretbarem Aufwand zukünftig organisieren? Eigentlich solle mit dem Bundesteilhabegesetz die sektorale Trennung von ambulanten Wohndiensten und stationären Wohneinrichtungen endgültig überwunden werden. Auf der anderen Seite versucht der Arbeitgeber der Behindertenhilfe zunehmend attraktive Arbeitsplätze in den Wohndiensten anzubieten, die Fachkräften ohne Zweitjob ein Auskommen und berufliche Verwirklichung ermögliche.

Der vergangene Fachtag „Hier bewegt sich doch eh nix? - Themenbezogene Organisationsentwicklung anstoßen und umsetzen“ war Start der neuen Reihe „Herbsttagungen des Instituts für Teilhabeforschung“. Die Teilhabeforschung an der KatHO NRW wird im Rahmen der Strukturförderung "FH-Kompetenz" durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW gefördert.

Weitere Informationen und Tagungsmaterialien: herbsttagung.institut-teilhabeforschung.de

Redaktion: Theresa Aßmann, t.assmann(at)katho-nrw.de; Prof. Dr. Barbara Ortland, b.ortland(at)katho-nrw.de

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