Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

 

Studie „Erfahrungen und Strategien von Unternehmerinnen und Unternehmern mit Migrationshintergrund im Kreis Lippe und der Region Ostwestfalen-Lippe“ abgeschlossen (12.10.2017, Paderborn)

Paderborn, 09.10.2017. Welche Erfahrungen machen Selbständige mit Migrationshintergrund in den Zusammenhängen ihrer unternehmerischen Tätigkeit? Welchen Einfluss hat die Herkunft aus einem anderen Land auf die Arbeit und welche Rolle spielen Elemente der Lebenswelt jenseits des Unternehmens? Wie schätzen Selbständige mit Migrationshintergrund die Bedeutung ihrer Herkunft für die unternehmerische Tätigkeit ein? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt der qualitativen Untersuchung „Erfahrungen und Strategien von Unternehmerinnen und Unternehmern mit Migrationshintergrund  im Kreis Lippe und der Region Ostwestfalen-Lippe“, welche unter der Leitung von Prof. Dr. Marc Breuer im Forschungsschwerpunkt Teilhabeforschung der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (KatHO NRW) – seit 2017 im Institut für Teilhabeforschung der KatHO NRW – in Kooperation mit dem Kreis Lippe durchgeführt und im September 2017 erfolgreich abgeschlossen wurde.

Ziel der Untersuchung war es, Erkenntnisse über Erfahrungen und Aktivitäten der im Kreis Lippe und der Region Ostwestfalen-Lippe ansässigen Selbständigen mit Migrationshintergrund zu gewinnen. In der Untersuchungsregion gibt es überdurchschnittlich viele Personen, die ursprünglich aus dem Gebiet der Russischen Föderation oder aus Kasachstan stammen (v.a. sogenannte Russlanddeutsche). Auch Personen mit türkischem Migrationshintergrund sind stark vertreten, wenn auch weniger häufig als in den übrigen Teilen von Nordrhein-Westfalen. Davon ausgehend wurden insgesamt 22 qualitative Leitfadeninterviews geführt, bei denen zumeist Selbständige mit russlanddeutscher und türkischer Herkunft zu Wort kamen. Ausgehend vom Datenmaterial konnten verschiedene Typen herausgearbeitet werden, die unter den Befragten besonders deutlich erkennbar und vermutlich auch in der Region und darüber hinaus in größerer Zahl anzutreffen sind. Die Typen lassen sich anhand spezifischer Strategien unterscheiden, welche von den Selbständigen angewandt werden, um wirtschaftlichen Erfolg sowie gesellschaftliche Teilhabe zu realisieren. So unterscheiden sich einige der Befragten – die z.B. als Handwerker, Ingenieure oder in kaufmännischen Berufen tätig sind – in ihren unternehmerischen Aktivitäten nicht von Selbständigen ohne Migrationshintergrund. Andere greifen auf Techniken oder Produktmerkmale zurück, die ihnen aus dem Herkunftsland vertraut sind, mit denen sie aber vor allem einheimische Kunden erreichen (z.B. Gastronomen, Friseure). Als charakteristisch für die Region erwies sich insbesondere ein Teil der Selbständigen mit russlanddeutscher Herkunft: Die Befragten gewannen ihre Kunden über einige Jahre hinweg vor allem aus der eigenen Herkunftsgruppe. Mit der Zeit gelang es ihnen, auch andere Zielgruppen zu erreichen und sich den einheimischen Unternehmen anzugleichen. Insgesamt zeigte sich, dass die unternehmerische Selbständigkeit für Integrationsprozesse und für die gesellschaftliche Teilhabe der Befragten von hoher Bedeutung ist.

Die Untersuchungsergebnisse, welche am 13.09.2017 von Prof. Dr. Marc Breuer und Christoph Frohn im Rahmen eines Expertengespräches im Kreishaus des Kreises Lippe präsentiert und diskutiert wurden, sollen dazu beitragen, die vielfältigen Formen der unternehmerischen Selbständigkeit von Migrantinnen und Migranten deutlicher wahrzunehmen. Die gewonnenen Erkenntnisse lassen sich in Prozessen der Beratung und Unterstützung von Selbständigen mit Migrationshintergrund nutzen. Finanziert wurde die Studie durch den Kreis Lippe – gefördert von der Stiftung Standortsicherung Kreis Lippe – und aus Eigenmitteln der KatHO NRW. Das Projekt war verknüpft mit dem Seminar „Migration und soziale Teilhabe“ (Leitung: M. Breuer), welches im Wintersemester 2014/15 und im Sommersemester 2015 im Fachbereich Sozialwesen an der KatHO NRW, Abteilung Paderborn durchgeführt wurde. An der Gesamtauswertung der Interviews wirkten Magdalena König-Waldek als Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Bianca Heitmann als Wissenschaftliche Hilfskraft mit. An der Abfassung des Projektberichts war Christoph Frohn als Wissenschaftlicher Mitarbeiter beteiligt.

 

Kontakt und weitere Informationen: Christoph Frohn, Prof. Dr. Marc Breuer

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