Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

 

„Postkoloniale Prägung des internationalen Hochschulaustausches reflektieren und überwinden!“ (11.03.2016, Köln)

Das Foto (Thomas Lemmen) zeigt Elisabeth Freise (links), die Laudatorin Dr. Eman Abusaada und den Preisträger Prof. Freise mit der Auszeichnung: „Der Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln-Bethlehem e.V. verleiht 2016 den Hans-Jürgen Wischnewski Preis an Herrn Prof. Dr. Josef Freise, Katholische Hochschule NRW in Köln, für besonderes Engagement in der Partnerschaft zwischen Köln und Bethlehem."

Prof. Dr. Josef Freise erhält Hans-Jürgen-Wischnewski-Preis

Im Rahmen der Jubiläumsfeier zum 20-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Köln und Bethlehem wurde Prof. Dr. Josef Freise am Montag, den 07.03.2016 mit dem Hans-Jürgen Wischnewski-Preis ausgezeichnet. Der Preis soll Menschen oder Organisationen ehren, die sich um die Städtepartnerschaft Köln-Bethlehem besonders verdient gemacht haben, und wird vom Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln-Bethlehem e.V. verliehen.

Claudia Burger führte durch den Abend, der immer wieder durch Musikstücke auf der Oud aufgelockert wurde.

Manfred Kock, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Städtepartnerschaft, eröffnete den Abend, indem er an die Anfänge der Städtepartnerschaft und an wichtige, durch die Partnerschaft realisierte Projekte erinnerte. Er wies weiter auf die Wichtigkeit hin, sich mit den Palästinensern solidarisch verbunden zu zeigen und weiter an dem Friedensprozess zu arbeiten.

Bürgermeister Wolter beleuchtete die Städtepartnerschaft unter politischen Gesichtspunkten und rief dazu auf, die Partnerschaft durch persönliche und politische Begegnungen zu vertiefen.

Die schwierige Lage der Palästinenser, die von Besatzung, Schikane und administrativen Inhaftierungen geprägt ist, wurde von dem palästinensischen Botschaftsvertreter Abdelhadi Abusharekh mahnend in Erinnerung gerufen. Er plädierte dafür, dass Europa und speziell Deutschland sich mehr für die Palästinenser einsetze und eine klare Stellung zur israelischen Siedlungsbaupolitik beziehe. Darüber hinaus dankte er im Namen der Palästinenser für die vergangenen 20 Jahre der Partnerschaft.

Einige Schüler der Gesamtschule Holweide berichteten von dem Austausch zwischen ihrer Schule und der De La Salle High School in Bethlehem, die aufgrund der Städtepartnerschaft entstanden ist. Sie schilderten die überwiegend positiven persönlichen Eindrücke und Erlebnisse aus den gegenseitigen Besuchen und betonen dabei besonders, dass sie durch den Austausch für die politische Situation im Heiligen Land sensibilisiert wurden und die Freundschaften mit den Palästinensern noch bis heute bestehen.

Die Laudatorin Dr. Eman Abusaada, Lehrbeauftragte an der Katholischen Hochschule NRW in Köln, erinnerte im Anschluss an ihre persönlichen ersten Kontakte mit dem Preisträger Prof. Josef Freise und machte durch ihre Laudatio deutlich, warum die Auszeichnung von Prof. Freise mehr als gerechtfertigt ist. Sie stellte Freises langjährige Erfahrung in der Begegnungs- und Dialogarbeit heraus und informierte dabei über zahlreiche Arbeiten und Projekte von ihm. Sie verwies auf seine herausragenden Fähigkeiten im Bereich des interreligiösen Dialogs und zitierte Professoren aus der Bethlehem University, die Prof. Freises Sensibilität, Empathie und Respekt gegenüber anderen Kulturen äußerst wertschätzen. Eine Dozentin der Bethlehemer Universität lobte die Zusammenarbeit mit den Worten:  "Prof. Josef is a humanist, a caring person, interesting to be with and to talk to. His intellectuality forces you to listen to his thoughts and reflect on them.  We have always enjoyed his presence in Bethlehem University and his support to the faculty of the Social Science Department. He has been attentive to our needs and worked hard to keep the exchange program alive and to expand it to include the students of the Master program". Frau Abusaada betonte weiterhin die Ausdauer und Beharrlichkeit, mit der Prof. Freise das Austauschprogramm trotz Rückschlägen immer aufrechterhielt.

Nach der Überreichung des Preises durch den Vorsitzenden des Städtepartnerschaftsvereins richtete der Preisträger dankende und Resümee ziehende Worte an das Publikum. Prof. Freise betonte, dass der Preis nicht nur ihm, sondern allen gelte, die sich in der Hochschulpartnerschaft der Katholischen Hochschule Köln mit der Universität Bethlehem engagiert haben und engagieren. Im Rahmen dessen bedankte er sich bei allen Beteiligten, die dieses Austauschprogramm ermöglicht haben.

Prof. Freise berichtete, wie sich die Hochschulpartnerschaft über die Jahre zu einem akademischen Austausch entwickelt hat, aus dem zahlreiche Publikationen und Forschungsprojekte resultiert sind. Besonders betonte er, dass sich durch das Programm die Curricula der beiden Hochschulen verändert haben und dass dadurch ein Service Learning Programm in der Universität Bethlehem installiert wurde: Studierende leisten ehrenamtliches Engagement in Sozialprojekten und reflektieren es in Lehrveranstaltungen. Freise erläuterte die Bedeutung eines Austausches auf Augenhöhe: Wenn, wie zu Beginn auch beim Austausch mit der Uni Bethlehem, die Drittmittelanträge auf deutscher Sprache geschrieben werden und der Finanzbedarf im Wesentlichen von der deutschen Seite festgelegt wird, zeigt sich in diesem Vorgehen eine postkoloniale Prägung. „Mir wurde durch den Hochschulaustausch deutlich, wie sehr die ganze internationale Zusammenarbeit postkolonial geprägt ist.“  Mit der maßgeblichen Unterstützung  von Dr. Eman Abusaada bei der Antragsstellung wurde eine neue partnerschaftliche Qualität des Austausches möglich.

Nach solchen grundsätzlichen Überlegungen zur Hochschulpartnerschaft ließ Prof. Freise das Publikum an persönlichen Erlebnissen und Eindrücken aus den vergangen 20 Jahren Austauschprogramm teilhaben. Hierbei hob er unter anderem die Teilnahme an einer Demonstration gegen den israelischen Siedlungsbau hervor. Mit mahnenden Worten wies er auf die Gefahr hin, dass Kritik an der israelischen Regierung zu einem Feindbilddenken und zu Antisemitismus führen kann, wenn die Kritik nicht konkret adressiert wird, sondern alle Israelis oder gar alle Juden auf der Welt beispielsweise für Menschenrechtsverletzungen des israelischen Militärs verantwortlich gemacht werden. Kritik müsse auch an palästinensischen Instanzen erlaubt sein. Er kritisierte, dass keine trilateralen Hochschulbegegnungen von deutschen, israelischen und palästinensischen Hochschulen und Universitäten möglich seien, weil man sich dadurch der Chance begebe, mit Menschen auf der Seite des politischen Gegners nach mehr Gerechtigkeit zu suchen.

Prof. Freise schloss seine Rede mit der hoffnungsvollen Vision aus dem neuen Buch von Nir Baran „Im Land der Verzweiflung“.  Darin geht es nach Freise „um die Realisierung einer Heimat Israel-Palästina, in der sich Palästinenser nicht mehr als Menschen zweiter Klasse erleben, sondern sich frei bewegen und überall ansiedeln können, auch in Akko, Tel Aviv, Haifa und Beer Sheva, einer Heimat, in der die jüdischen Israelis sicher leben können, weil ihr Existenzrecht von niemandem bestritten wird, und in der Siedler in der Westbank wohnen bleiben können, weil sie sich den palästinensischen Autoritäten unterstellen. Sie sind dann keine Siedler mehr, sondern Bürger.“

Freise betonte, dass dies „wie eine Utopie von einem anderen Stern“ erscheine. „Aber wünschen darf man sich das. Wir wünschen uns zu wenig.“
Er schloss mit Navid Kermanis Worten: „Ich glaube an Wünsche und dass sie in unserer Welt wirken.“

Text: Anni Botens

Weitere Informationen:

Laudatio

Rede des Preisträgers

 Hochschulpartnerschaft mit der Universität Bethlehem: www.katho-nrw.de/koeln/internationales/kooperationen-und-projekte/bethlehem/

 Städtepartnerschaftsverein Köln-Bethlehem: www.koeln-bethlehem.de

 Homepage von Prof. Dr. Josef Freise: www.Josef-Freise.de

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