Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

 

Austausch mit der Monmouth University - die KatHO auf Familienbesuch (06.05.2015, Köln)

US-Amerikaner und Europäer streiten viel – aber dabei immer über die Auslegung von  gemeinsamen Werten, die im Wesentlichen von Christentum und Aufklärung geprägt worden sind. Dies gilt auch für soziale Werte und damit für die Soziale Arbeit, obwohl hier bei ähnlichen Zielen sehr unterschiedliche Wege begangen werden.

Während interkulturelle Konflikte seit langem ein Schwerpunkt in Lehre und Forschung der KatHO bilden, haben die innerkulturellen, transatlantischen Themen und Konflikte bisher nicht genügend Raum in unseren Beziehungen gefunden. Höchste Zeit also für eine große Delegation der KatHO, im April mit gleich 19 Studierenden und vier Professoren der Abteilungen Aachen und Köln für zehn Tage in die USA zu reisen. Sie konnten am  Austausch mit der Universität Monmouth in New Jersey teilnehmen, den Ulrich Deller und Werner Schönig jahrelang in privaten Initiativen auf den Weg gebracht hatten. Auf dieser Reise wurden sie von der Dekanin der Abteilung Aachen, Ute Antonia Lammel, und vom Auslandsbeauftragten der Abteilung Köln, Heinz Theisen, begleitet.

Ein Austausch mit einer amerikanischen Universität bietet viele Vorteile. Die Sprache stellt kein Hindernis dar, so dass sich die Studierenden problemlos in den laufenden Studienbetrieb einfügen konnten. In den Seminaren wurde auf Augenhöhe kommuniziert, die Lehrinhalte sind durchaus vergleichbar. Soziale Arbeit wird in unseren Ländern - im Gegensatz zu großen Teilen der Welt - seit langem als akademische Disziplin verstanden. Zugleich bleiben aber schon aufgrund der staatlichen Sozialpolitik große Unterschiede, so dass ihre gegenseitige Ergänzung eine reizvolle Aufgabe ist.

Wir beneideten unsere Partner um ihren wunderschönen Campus, der eher schon an einen Schlosspark erinnert. Die Kehrseite des Ambientes zeigt sich in einer Zahl, die wir kaum glauben konnten. Die Studierenden zahlen 40.000 Dollar im Jahr Studiengebühren, worüber sie zum Kunden werden.

Im Mittelpunkt des Austausches standen die gemeinsamen Seminare. Unsere Studierenden konnten sich umstandslos in die Seminarangebote der dortigen School of Social Work einfädeln. Die Kollegen waren erfreut über die inhaltlichen Beiträge unserer Studierenden und von Tag zu Tag schien der Wunsch zu wachsen, mit uns auch langfristig in den Austausch zu treten. Dies gab uns das Gefühl, auch im internationalen Vergleich nicht schlecht aufgestellt zu sein. Anders als bei interkulturellen Austauschprogrammen standen nicht die Unterschiedlichkeiten, sondern die Ähnlichkeiten der Studierenden im Mittelpunkt der Dozentendebatten.

Bei den von den Gastgebern organisierten Praxisbesuchen konnten wir einiges über  Integrationsprobleme erfahren, mit denen die USA von der Staatsgründung an konfrontiert sind. Sozial- und Kulturräume sind heute derart segregiert, wie es sich in Europa allerdings auch langsam abzuzeichnen beginnt. In den Sozial- und Kulturräumen der amerikanischen Städte vererben sich Reichtum wie Armut, von Chancengleichheit ist wenig zu sehen. Schon das fast ausschließlich durch lokale Steuern oder eben privat finanzierte Schulsystem beeinflusst den Bildungsgang des Kindes erheblich.

Bei den Praxisbesuchen lernten wir viel über den amerikanischen Idealismus, der in Freiwilligenarbeit das zu ersetzen versucht, was der Staat nicht leisten will. Diese Kehrseite der für Europäer schwer verständlichen Zurückhaltung des Staates erkannten wir auch in so merkwürdigen Public Private Partnerships wie bei der New York City-Library, die von einem Milliardär gesponsert den bibliophilsten Träumen gerecht wird. Die „Koopkurrenz“ (Werner Schönig) von Materialismus und Idealismus, individuellem Ehrgeiz und freiwilliger Solidarität gehört zu den eigentümlichen Kraftquellen des Landes.

New York, New York
Die Nähe zu New York machte den Austausch mit Monmouth zusätzlich attraktiv. In eineinhalb Stunden gelangten wir entweder in abenteuerlicher Autofahrt oder in holpriger Zugreise in diese längst globalisierte Stadt. Passender weise begannen wir unsere Erkundung mit einem Besuch der Vereinten Nationen, in der uns eine Führung und ein Referentenvortrag Einblicke in die Arbeitsabläufe gaben. 

Akademischer Höhepunkt des New York Besuches war die Einladung der New School for Social Research, an der Hannah Arendt und Hans Jonas gelehrt hatten. Dieser Kontakt war  durch den seinerzeitigen Forschungsaufenthalt von Werner Schönig möglich geworden. Ein deutschstämmiger Kollege, Jürgen von Mahs, referierte über die Defizite der amerikanischen Sozialpolitik. Seine Kritik mündete in der Aufforderung, es bei uns nicht so weit kommen zu lassen. Die ständige Schwächung des Staates durch Deregulierung hätte die Korruption begünstigt, die starken Interessen setzen sich durch.

Auch in den USA schält sich zunehmend der Konsens heraus, dass die neoliberale Wende unter Ronald Reagan ihr ideologisches Ziel verfehlt hat. Der erhoffte „Trickle-down Effekt “, demzufolge schon nach Adam Smith mit der Flut zunehmenden Reichtums die Boote aller ansteigen, ist nicht eingetreten. Das Einkommen der Mittelschicht stagniert und die Armut steigt bei denen, die im globalisierten Wettbewerb nicht mithalten können. Der Reichtum trickelt nicht nach unten, sondern nach außen. Kommunale, nationale und internationale Probleme verstricken sich in einer Weise, die einen orientierenden Überblick immer schwieriger macht.

Transatlantische Soziale Arbeit
Die zahllosen sozialen Projekte in den USA durch unterschiedliche Träger, auch durch Milliardärsstiftungen, hinterlassen den Eindruck eines Flickenteppichs. Es fehlt eine verlässliche Struktur. Die Zukunft des westlichen Sozialmodells dürfte auch davon abhängen, ob es dauerhaft die auseinanderstrebenden sozialen und kulturellen Elemente zusammenzubinden versteht. In diesem Lichte ließe sich auch das neue Transatlantische Freihandelsabkommen bewerten: verstärkt es einmal mehr den schutzlosen Wettbewerb oder sichert es gerade die sozialen Schutzräume westlicher sozialer Marktwirtschaften gegen Konkurrenten, die mit unseren soziale Werten wenig am Hut haben?

Im Mittelpunkt unserer Diskussionen standen dabei die Frage, welche Rolle die Soziale Arbeit im Lichte transatlantischer sozial-ökonomischer Prozesse zu spielen hat? Fraglos hat sie – in den USA wie in Europa - immer mehr mit den Verlierern der Globalisierungsprozesse zu tun. Eine neue soziale Bildung im Zeitalter der Globalisierung wird die Strukturen der „Koopkurrenz“ und der „Flexurity“, notwendige institutioneller und individueller Vernetzungen mit sozialer Sicherheit verbinden müssen.

Solche großen Fragen ließen sich im Rahmen des Austausches nur anreißen, sicher nicht beantworten. Aber letzteres könnte zu den Zielen zukünftiger Austauschprogramme zu  zählen. Mit der Universität Monmouth haben wir einen Partner dafür gefunden. Gastfreundschaft und Organisation der Hochschule haben uns beeindruckt, die Partner schienen von Tag zu Tag mehr Interesse an uns zu finden und kündigten schon ihren Gegenbesuch im kommenden Jahr an. In diesem Austausch standen nicht die Unterschiede, sondern die Ähnlichkeiten und Gegenseitigkeiten der Werte und Aufgaben im Mittelpunkt – eine große Chance, im akademischen Austausch nicht nur in die Weite, sondern auch in die Tiefe zu gehen. 

Redaktion und weitere Informationen: Heinz Theisen (h.theisen(at)katho-nrw.de)

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