Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Wissenschaftlicher Weltkongress zum Themenbereich Behinderung in Glasgow – IASSIDD 2019

Der wissenschaftliche Weltkongress der International Association for the Scientific Study of Intellectual and Developmental Disabilities (IASSIDD) fand vom 6. bis 9. August 2019 in Glasgow (Schottland) statt. Das Institut für Teilhabeforschung stellte die größte Teilnehmergruppe aus Deutschland.

Prof. Dr. Sabine Schäper berichtete über Ergebnisse des vom BMBF-geförderten PiCarDi-Projekts zur Unterstützung von Menschen mit geistiger Behinderung am Lebensende. Sie stellte die im Projekt erforschten Sterberaten sowie Anforderungen an die Begleitung am Lebensende, Herausforderungen und Handlungskonzepte in Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Berlin dar. Zudem fand ein Treffen mit einer internationalen Forschergruppe zu diesem Thema statt, in der europäisch bzw. international vergleichende Forschungsbedarfe und gemeinsame Publikationsideen ausgetauscht wurden.

Ines Röhm (M.A.) präsentierte auf einem Poster erste Ergebnisse ihrer Doktorarbeit zu Peerbeziehungen zwischen jugendlichen Teilnehmer/innen von inklusiven Ferienfreizeiten.

Monika Laumann (M.A.) erläuterte in ihrem Vortrag das Konzept der Sozialraumorientierung, das international in diesem Feld weitgehend unbekannt ist. Anhand von vier Fallbeispielen aus dem BMBF-Projekt MUTIG zeigte sie, wie die Sozialraumorientierung personell in Organisationsstrukturen der Behindertenhilfe verankert werden kann und welche Chancen in einer stärkeren Berücksichtigung des Sozialraums in der individuellen Teilhabeplanung stecken.

Prof. Dr. Friedrich Dieckmann stellte eine Übersetzung des Erhebungsinstruments zur Organisationskultur in Wohndiensten der Behindertenhilfe vor (Group Home Culture Scale). Die Übersetzung und die Testung des Fragebogens in gemeindebasierten Wohnheimen im Münsterland wurde gemeinsam mit Masterstudierenden und wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen geleistet (im Rahmen einer vom Land NRW geförderten Forschungsprofessur). Die Untersuchung war minutiös abgestimmt mit Prof. Christine Bigby (Ph.D.) und Lincoln Humphreys (Ph.D.) vom Living with Disability Research Centre an der La Trobe University in Melbourne/ Australien. Die Ergebnisse der deutschen und der Vergleich mit der australischen Studie zeigen deutlich, dass die Personen- und Teilhabeorientierung der Wohndienste in kleineren Wohnsettings (7-12 Bewohner/innen in Deutschland) deutlich besser gelingt als in den größeren gemeindebasierten Wohnheimen. Das spiegelt sich auch in der beobachteten Lebensqualität der Bewohner/innen wider.

In den Special Interest Research Groups und informellen Treffen wurde die weitere Zusammenarbeit mit Forscher/innen aus Norwegen und Schweden, Großbritannien und Irland, den Niederlanden und der Schweiz sowie Australien vereinbart.

An dem IASSIDD-Weltkongress 2019 nahmen über 1000 Wissenschaftler/innen und Interessierte aus 52 Ländern teil. Für das Institut für Teilhabeforschung ist die IASSIDD zu einer Quelle der Inspiration und internationalen Kooperation geworden.

Das Forschungsprojekt MUTIG „Modelle für die Unterstützung der Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung im Alter“ wurde gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Das Verbundprojekt PiCarDi „Palliative Care for people with intellectual and multiple disabilities“ wird gemeinsam mit der Humboldt-Universität zu Berlin (Prof. Dr. Sven Jenessen) und der Universität Leipzig (Dr. Helga Schlichting) durchgeführt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Text und Fotos:

Prof. Dr. Friedrich Dieckmann

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