Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Catholic University of Applied Sciences

Kontroverses Teilhabekolloquium: Reflexionen zu erwachsenen Geschwistern von Menschen mit lebensbegleitender Behinderung sowie objektiv hermeneutischen Analysen mit Menschen mit sog. geistiger Behinderung

Monika Laumann während ihres Vortrags zu "Erwachsenen Geschwistern von Menschen mit einer lebensbegleitenden Behinderung - erlebte Unterstützung in Kindheit und Jugend, Parentifizierungserfahrungen und geleistete Unterstützung"

Beim 21. Kolloquium Teilhabeforschung in Münster wurde intensiv diskutiert. Vor allem der Beitrag zu "Lebensentwürfen von Menschen mit 'geistiger Behinderung' - methodische Reflexionen zu objektiv hermeneutischen Analysen“ von Prof. Dr. Hendrik Trescher (Philipps-Universität Marburg) warf einige Fragen und Diskussionsaspekte auf. Aber auch Monika Laumann (Institut für Teilhabeforschung) fand den Raum, um ihre bisherigen und geplanten Arbeiten zu "Erwachsenen Geschwistern von Menschen mit einer lebensbegleitenden Behinderung - erlebte Unterstützung in Kindheit und Jugend, Parentifizierungserfahrungen und geleistete Unterstützung" darzustellen und zu besprechen.

Prof. Dr. Hendrik Trescher nutzte die Gelegenheit des Kolloquiums um sein Lehrforschungsprojekt vorzustellen, in dem seine Studierenden 21 Menschen mit sog. geistiger Behinderung zu Lebensentwürfen interviewt haben. Zunächst wurde der Fokus noch einmal auf die Erläuterung der objektiv hermeneutischen Analyse gelegt, vor allem wurden hier der „common sense“ und „routinemäßige Lebenspraxis“ sowie die verschiedenen Lesarten von Interviewsequenzen diskutiert. Verschiedene Meinungen zu den Interpretationen und Interpretationsmöglichkeiten und deren tatsächlicher Anwendbarkeit wurden deutlich. Trescher betonte, dass immer die Differenz zwischen der Textrealität und der routinemäßigen Lebenspraxis gebildet werden soll und, dass es sich bei objektiver Hermeneutik um eine Kunstlehre handle. Die Teilnehmenden besprachen gemeinsam mit dem Vortragenden ein Analysebeispiel, bevor die Ergebnisse dargestellt wurden. Im Nachgang wurde die Unterscheidung zu anderen qualitativen Verfahren sowie die Notwendigkeit der Methode für die vorliegenden Ergebnisse kontrovers besprochen. Durch das hohe Abstraktionslevel konnten Ambivalenzen sowie tiefschichtigere Beziehungsgestaltungen nur schwer herausgearbeitet werden, jedoch die Möglichkeit etwas Konstruktives aus der Analyse weiterzuentwickeln wurde abschließend als Chance betrachtet.

Monika Laumann stellte die Ergebnisse aus ihrer Masterthesis sowie vorangegangenem Lehrforschungsprojekt vor und eröffnete gleichzeitig Perspektiven für die geplante Promotion. Während sie im Lehrforschungsprojekt gemeinsam mit einer Kommilitonin die Unterstützungsbedarfe von Studierenden mit Geschwistern mit lebenslanger Behinderung in der Retrospektive untersuchte, befasste sie sich in ihrer Masterthesis mit der Parentifizierung von Geschwistern von Menschen mit lebenslanger Behinderung. Daran anknüpfend möchte Laumann in ihrer Promotion die geleistete Unterstützung der Geschwister im Erwachsenenalter betrachten. Hierzu gibt es bisher keine systematisch angelegten Daten. Die Möglichkeiten von quantitativen sowie qualitativen Zugängen oder auch Mixed Methods wurden diskutiert, ebenso die Eingrenzungs- oder Ausweitungsmöglichkeiten der Stichprobe, so dass Monika Laumann mit verschiedenen Anregungen aus dem Kolloquium gehen und in ihre Planung einbeziehen konnte

Das nächste Kolloquium Teilhabeforschung findet am 24. Januar 2019 statt. Weitere Infos finden Sie hier.

Redaktion: Ines Röhm, i.roehm(at)katho-nrw.de

 

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